Auch am Schliersee und Spitzingsee

Situation eskaliert: „Wir haben Chaos hoch drei, es bricht alles zusammen“

So sah die Situation am Sonntagmittag, 3. Januar, gegen 11.30 Uhr am Spitzingsee aus.
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So sah die Situation am Sonntagmittag, 3. Januar, gegen 11.30 Uhr am Spitzingsee aus.

An Vernunft und Vorsicht zu appellieren, hat bei etlichen Menschen nichts genützt: Deutsche Bergregionen erlebten am Wochenende einen Ansturm von Ausflüglern. Auch am Sonntag war die Situation stellenweise außer Kontrolle.

Dem Lockdown, zahlreichen Warnungen und aller Ansteckungsgefahr zum Trotz haben sich am Wochenende Massen von Ausflüglern in verschneite Bergregionen aufgemacht. Vielerorts waren die Parkplätze schon morgens überfüllt, es kam zu langen Staus, immer wieder blieben Autos liegen.

Wir haben hier Chaos hoch drei, es bricht alles zusammen“, sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Goslar bereits am Samstag und auch einen Tag später sah es ähnlich aus. Auf Rodelbergen wie der Hexenritt-Abfahrt am Wurmberg tummelten sich die Massen, auch auf Wanderwegen liefen Ausflügler dicht an dicht.

Polizisten und eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes stehen auf einer Piste im Skigebiet in Winterberg. Nach dem großen Andrang in den letzten Tagen sind die Pisten und Parkplätze nun gesperrt. Polizei und Ordnungsbehörden kontrollieren die Einhaltung der Coronaschutzmaßnahmen.

Entgegen allen Mahnungen, Berichten und Bitten der Polizei machten sich auch am Sonntag wieder etliche Menschen auf den Weg in den Harz, nach Winterberg im verschneiten Sauerland und zum Großen Feldberg in Hessen. Polizei und Ordnungsbehörden schrieben wieder Anzeigen wegen zahlreicher Verstöße gegen Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen.

Im Sauerland riegelte die Polizei wichtige Zufahrtsstraßen nach Winterberg ab. Es komme jetzt praktisch niemand mehr rein, sagte eine Sprecherin der Stadt. „Wir haben gestern Abend noch ein Betretungsverbot ausgesprochen, aber die Leute sind trotzdem wieder hierher gekommen.“

Ansturm auch in bayerischen Alpen

Auch in den bayerischen Alpen suchten Tausende Menschen Abwechslung. „Der Ansturm ist enorm“, sagte der Bürgermeister von Schliersee, Franz Schnitzenbaumer. Hunderte Schlittenfahrer tummelten sich selbst auf kleinen Hügeln und die Skipisten bevölkerten Tourengeher.

Im Großraum München lebten drei Millionen Menschen, die alle nicht in den Urlaub fahren dürften - das sei nun zu spüren. „Es ist genauso voll, als wenn Skibetrieb wäre“, sagte der Geschäftsführer der Alpenbahnen Spitzingsee, Peter Lorenz. Die Parkplätze seien voll. Viele nutzten den zugefrorenen See zum Langlaufen oder Schlittschuhlaufen. Am Ortseingang von Miesbach tauchte auch noch ein Schild mit einer Hass-Botschaft auf, welche sich gegen die Münchener richtet und für großen Wirbel sorgt.

Wie geht es weiter?

Auch im Harz waren die Parkplätze schon am Sonntagmorgen wieder voll. „Momentan ist ein starker Schneefall, vielleicht hält das den einen oder anderen Besucher ab“, sagte ein Sprecher der Polizei am Vormittag in der Hoffnung, dass die Lage im Laufe des Tages weniger stark als am Samstag ausartet. 

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es trotz der Corona-Pandemie einen Ansturm auf die Ausflugsziele in verschneiten Bergregionen Deutschlands gegeben - obwohl Behörden und Polizei immer wieder eindringlich davon abrieten. Lifte und Pisten sowie Restaurants und Hütten sind bis mindestens 10. Januar geschlossen. Und eine Verlängerung des Lockdowns ist bereits geplant.

Betreiber äußern sich kritisch

Die Betreiber der Wintersport-Arena und des Skiliftkarussells in Winterberg weisen auf ihren Internetseiten darauf hin, dass es darum für Ausflügler keine Toiletten und keine Möglichkeiten zum Aufwärmen gibt - und dass keine Retter vor Ort sind. „Wir lieben unsere Berge“, heißt es auch. „Aber in diesen Zeiten müssen wir diese Liebe ruhen lassen, denn der Ansturm führt zu Stau und Massenaufläufen. Verstopfte Straßen, fehlende Parkplätze und viele potenzielle Kontakte. Wer will das schon?“

Zum Wochenstart erwartet die Menschen in Deutschland Schnee und Regen. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag mitteilte, bringt das Tief „Lisa“ am Montag noch etwas Winterwetter. Der Himmel bleibt bewölkt. In der Mitte des Landes kann es schneien, im Norden regnen, im Süden bleibt es meist trocken. Die Höchstwerte liegen laut DWD zwischen minus 1 und plus 4 Grad. In der Nacht zum Dienstag sinken die Temperaturen auf 0 bis minus 5 Grad. Es bleibt nass und wechselhaft.

mz/dpa

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