Prozess nach tödlicher Gewalttat am Augsburger Königsplatz

Bestialisch niedergeprügelt: Halid (17) gesteht Totschlag - Ehefrau musste Feuerwehrmann sterben sehen

Der Hauptangeklagte (r) steht im Gerichtssaal des Landgerichtes neben zwei Mitangeklagten. Drei junge Männer müssen sich vor Gericht verantworten weil sie an einer Auseinandersetzung mit tödlichem Ausgang in der Augsburger Innenstadt beteiligt waren.
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Der Hauptangeklagte (r) steht im Gerichtssaal des Landgerichtes neben zwei Mitangeklagten. Drei junge Männer müssen sich vor Gericht verantworten weil sie an einer Auseinandersetzung mit tödlichem Ausgang in der Augsburger Innenstadt beteiligt waren.

Augsburg - Ein brutales Verbrechen erschüttert 2019 das vorweihnachtliche Augsburg. Ein 49-Jähriger verliert im Streit mit Jugendlichen sein Leben, ein 17-Jähriger sitzt nun auf der Anklagebank. Auslöser der Tat soll eine Lappalie gewesen sein.

Unsere Stimmung war gut“, erinnert sich der 17-jährige Halid an den Nikolausabend 2019. Nur der Tabak habe ihm und sechs anderen jungen Männern bei ihrem feuchtfröhlichen Zug durch die Augsburger Innenstadt gefehlt. Am Königsplatz fragt einer von ihnen einen Passanten nach einer Zigarette, es kommt zum Streit, Halid schlägt zu. Mit einem einzigen Faustschlag tötet er den 49-Jährigen: einen Familienvater und Feuerwehrmann, der gerade mit Ehefrau und einem befreundeten Paar vom Weihnachtsmarkt und einem Restaurantbesuch gekommen ist.

Seit Dienstag, 20. Oktober, arbeitet die Jugendkammer des Augsburger Landgerichts nun den Fall auf, der bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Dem 17-jährigen Hauptangeklagten wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge vor. Dem Opfer riss durch die Wucht des Schlages eine Schlagader am Kopf, der 49-Jährige kam durch eine Hirnblutung innerhalb kürzester Zeit ums Leben. 

Trauernde Feuerwehrmänner im Dezember 20109 am Königsplatz in Augsburg.

Jugendlicher gibt tödlichen Schlag in Augsburg zu

Mit gesenktem Kopf verfolgt der junge Mann die Verlesung der Anklage, hinter ihm sitzen seine Eltern. Nur selten könne er sie sehen, seit er in Untersuchungshaft ist, erklärt sein Verteidiger Marco Müller. Den tödlichen Schlag räumt Halid direkt zu Prozessbeginn ein. „Ich wollte niemals, dass so etwas passiert“, heißt es in einer Erklärung des Jugendlichen, die er von seinen Verteidigern verlesen lässt.

Gegen 10.50 Uhr werden im Augsburger Landgericht die Videos der Polizei-Über­wachungskameras vom Kö­nigsplatz abgespielt. Damals um 22.40 Uhr schlendern die sieben Burschen gelöst eine Gasse entlang­. Machen Späße. Es ist zu sehen, wie einer der Jungs einen Passanten anbettelt - der geht regungslos weiter. Dann folgen die dramatische Szenen. Halid beschreibt diese mit den Worten: „Alessio fragte einen Passan­ten nach einer Zigarette, der drehte sich um und sagte ‚Halt die Schnauze‘. Alessio wiederum: ‚Wie, Schnauze?‘ Daraufhin ging der Geschä­digte auf Alessio zu, stieß ihn aggressiv weg. Ich hatte Angst um ihn, weil er dem Geschädigten kräftemäßig unterlegen war. Darauf ver­passte ich ihm einen Faust­schlag“, zitiert bild.de Halid. Der 49-jährige Feuerwehrmann sackt zu Boden. Er verstirbt aufgrund einer ein­gerissenen Hirngrundschlag­ader.

An die weiteren Ereignisse erinnere er sich nur verschwommen. Vor der Tat hätten die Jugendlichen viel Alkohol getrunken. Neben dem 17-Jährigen sitzen auch zwei junge Männer aus der Clique, Gö­kalp und Kevin (18/20) ,auf der Anklagebank. Gemeinsam mit dem Hauptangeklagten, der die deutsche, libanesische und türkische Staatsangehörigkeit besitzt, wird den beiden in dem Prozess vorgeworfen, nach dem tödlichen Schlag den 50 Jahre alten Begleiter des Getöteten verprügelt zu haben. Eine Ta­xi-Dashcam zeichnete danach auf, wie ei­ner aus der Gruppe fast tän­zelnd neben den am Bo­den Liegenden herumspringt, berichtet bild.de. Das 50-jährige Opfer erlitt mehrere Brüche des Schä­dels. Die Ehefrauen der Männer mussten tatenlos zusehen.

Prozess nach tödlicher Gewalttat am Augsburger Königsplatz

Der 18-jährige Gö­kalp sagt in seiner Erklärung zu Prozessbeginn, er könne sich noch erinnern, mit der Faust zugeschlagen zu haben, wisse aber nicht mehr alles. „Ich bin mir sicher, dass das alles nicht passiert wäre, wenn alle nüchtern gewesen wären.“ Bei dem verletzten 50-Jährigen, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, entschuldigt er sich. Auch der 20-jährige Kevin spricht von großen Erinnerungslücken und sagt: „Diese Ereignisse sind nicht zu entschuldigen und nicht wieder gut zu machen. Ich schleppe diese Schuld seit fast einem Jahr mit mir.“

Der Hauptangeklagte wirkt in dem Verfahren vor den Richtern ruhig und aufgeräumt. Zwar habe er sich in der Untersuchungshaft gedanklich auf den Prozess einstimmen können, sagt sein Verteidiger, die Anspannung sei aber trotzdem groß. Man dürfe nicht vergessen, dass er immer noch „ein 17-jähriger Bursche“ sei.

Der Prozess soll am Mittwoch, 21. Oktober, mit den Aussagen der Ehefrauen der beiden Opfer fortgesetzt werden. Bislang sind noch sieben Verhandlungstage geplant, das Urteil könnte Anfang November verkündet werden.

mz/dpa

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