Prozess in Augsburg

Polizistenmord: Beweisanträge verzögern Plädoyer

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Ein Foto des ermordeten Polizisten Mathias Vieth steht im Jahr 2011 im Mariendom von Augsburg. Am Mittwoch wurde der Prozess um den Tod des Polizisten fortgesetzt.

Augsburg - Seit einem Jahr läuft der Prozess wegen des Polizistenmordes im Jahr 2011 in Augsburg. Nun soll das Verfahren zu Ende gehen, doch kurz vor den Plädoyers ergreift der Angeklagte selbst das Wort.

Eine Reihe von Beweisanträgen der Verteidigung und des Angeklagten selbst hat den Augsburger Polizistenmordprozess erneut ins Stocken gebracht. Nachdem die achte Strafkammer des Landgerichts am Mittwoch bereits die Beweisaufnahme geschlossen hatte, beantragten die Anwälte des 58 Jahre alten Angeklagten weitere Untersuchungen an Beweisgegenständen sowie die erneute Ladung eines Zeugen. Eigentlich sollte der Staatsanwalt zu diesem Zeitpunkt sein Plädoyer halten.

Die ersten Anträge der Rechtsanwälte wurden nach mehrstündigen Beratungen von den Richtern abgelehnt. Danach stellten die Anwälte jedoch weitere Anträge und das Verfahren wurde abermals unterbrochen. Doch auch diese Anträge wurden von der Kammer abgeschmettert.

Danach folgte ein höchst ungewöhnlicher Vorgang: Als die Verteidiger keine Anträge mehr hatten und endlich Staatsanwalt Hans-Peter Dischinger das Wort hätte ergreifen können, stellte der 58-Jährige persönlich einen Beweisantrag zu einem Seesack aus der Asservatenkammer. Seine Anwälte schlossen sich dem Vortrag ausdrücklich nicht an, dennoch mussten sich die Richter erneut zu Beratungen zurückziehen. Zunächst war unklar, ob es am späten Mittwochnachmittag dann doch noch zum Schlussvortrag Dischingers kommen würde. Dies werde mit jeder Unterbrechung unwahrscheinlicher, sagte der Staatsanwalt in einer Verhandlungspause.

In dem seit rund einem Jahr laufenden Prozess hatte am Mittwoch zuerst eine Gerichtsmedizinerin ein weiteres DNA-Gutachten vorgestellt - dies sollte die Beweisaufnahme beenden. Die Sachverständige hat an sichergestellten Waffen genetische Spuren des Angeklagten gefunden. Sie hatte bereits früher an Beweismaterial entsprechende Hinweise auf den 58-Jährigen entdeckt. Eigentlich wollten die Verteidiger belegen, dass die DNA möglicherweise nur durch einen Handschuh übertragen wurde, den der 58-Jährige zuvor trug und dann jemand anderes angezogen hat. Dazu konnte die Gutachterin sich aber nicht konkret äußern.

Der wegen eines Polizistenmordes in den 1970er Jahren bereits vorbestrafte Mann soll gemeinsam mit seinem älteren Bruder im Oktober 2011 nach einer Verfolgungsjagd in einem Augsburger Wald den 41 Jahre alten Polizisten Mathias Vieth erschossen und dessen Kollegin verletzt haben. Das Verfahren gegen den Bruder war wegen der Parkinsonerkrankung des 60-Jährigen ausgesetzt worden und soll später noch einmal von vorne beginnen.

dpa

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