"Matze, du bist der hellste Stern am Himmel!"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann war bei der Beerdigung anwesend.

Königsbrunn - Der in Augsburg ermordete Polizist ist am Donnerstag in seiner Heimatstadt Königsbrunn beigesetzt worden. Auch ein prominenter Politiker war bei der Beerdigung dabei.

Funk-Protokoll: Das passierte beim Polizistenmord

18 Kerzen brennen neben dem Sarg aus heller Buche. Auf dem Kranz seiner Kollegen aus der B-Schicht steht „Matze, du bist der hellste Stern am Himmel“. Worte, die einem „wunderbaren Menschen“ und „tadellosen Polizisten“ gelten – und die die Familie doch kaum trösten können. Mit ihr trauerten am Donnerstag am Friedhof in Königsbrunn mehr als 300 Freunde, Polizisten und Verwandte. Sie alle wollten Abschied nehmen von Mathias Vieth, dem vor einer Woche erschossenen Polizisten.

Der traurige Abschied – mit einem symbolischen Geschenk ermahnt Kaplan Karl Klein Witwe Sandra, ihren „Matze“ in den kleinen Dingen zu spüren: Er überreicht ihr mitten im Trauergottesdienst eine Salami, weil er gehört hat, dass sich Mathias Vieth nach einem anstrengenden Dienst oft voller Lust auf eine Wurst stürzte. Klein: „Er ist bei Ihnen. Sie können ihn nur nicht mehr anfassen. Aber er wäre der letzte gewesen, der gewollt hätte, dass nun alle Freude und alles Glück aus Ihrem Leben verschwindet.“

Polizistenmord: Beerdigung in Königsbrunn

Polizistenmord: Beerdigung in Königsbrunn

Doch auch die letzten Minuten im Leben von Polizeihauptmeister Vieth werden in der 80-minütigen Trauerfeier, die von Bereitschaftspolizisten abgeschirmt wird, nicht ausgespart. Kaplan Klein erinnert daran, wie wohl sich Vieth im Wald, beim Holzmachen fühlte. „Hier konnte er zur Ruhe kommen. Und gerade an dem Ort, der voll Leben und Frieden war, stand er zwei Männern gegenüber, die das Leben nicht so geliebt haben wie er.“

Die schlimme Todesnachricht

Weil die Eltern von Mathias Vieth in Germering wohnen, mussten die Beamten in Fürstenfeldbruck die traurige Nachricht überbringen: PI-Chef Klaus Frank fuhr zusammen mit einem Kriseninterventionsteam zu den Eltern, um ihnen mitzuteilen, was für diese unfassbar war: Ihr Sohn – tot. „Angehörige verständigen ist immer schwierig“, so Frank. „Man muss die Trauer verdrängen und sich denken, dass man eine Aufgabe erfüllt, für die man den Kopf freihaben muss.“ Nie mehr wolle er so etwas erleben. Den Eltern wurde sofort Hilfe angeboten. Diese nahmen das auch an: Frank fuhr die Eheleute nach Königsbrunn zur Schwiegertochter und holte sie später wieder ab. „Die Fahrt war unendlich traurig“, sagt Frank.

Unter Tränen berichtet Vieths Dienstgruppenleiter Helmut Kleber, dass „Matze“ erst vergangene Woche noch seinen Kollegen von seiner Familie vorgeschwärmt habe. Sie habe ihm Kraft gegeben für die Arbeit. „Im Sommer hat er fünf Liter Wasser rausgeschwitzt, weil er immer Schutzweste trug. Aber er tat das, um seiner Familie Sicherheit zu geben.“ Doch die Weste, sie hat ihm nichts genützt, als er auf seine Mörder traf. Kleber gibt seinen Kollegen jedoch auch versöhnliche Worte der Witwe Vieths mit auf den Weg: „Ich soll euch sagen: Ihr tragt keine Schuld. Es war nicht zu verhindern. Es war wohl einfach die Zeit, dass Matze ging.“ Mit dem Lied Irischer Segen und den Worten „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in deiner Hand“ endet der Trauergottesdienst. Viertel nach 11 setzt sich der Trauerzug mit dem Sarg in Bewegung. Als ihn acht Kollegen im Grab versenken, verlässt Witwe Sandra die Kraft: Sie muss gestützt werden, als sie Rosenblüten und Erde ins offene Grab wirft. Dann wird sie laut schluchzend davon geführt. Nur die Sonne, die sich durch den Nebel gekämpft hat, spendet den Trauernden ein wenig Trost. Unter ihnen ist auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. „Wir alle werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten“, so der Minister über Mordopfer Mathias Vieth. „Dies war eine würdige Feier.“

Während für die Familie nun die Zeit der Trauer beginnen kann, arbeitet die Soko „Spickel“ weiter unter Hochdruck an dem Fall. Bislang gingen über 300 Hinweise bei der Polizei ein – doch eine heiße Spur war bislang nicht dabei. Auch die Gutachten der DNA-Spuren sowie der Tatwaffe liegen noch nicht vor. Die Polizei tappt weiter im Dunkeln. Gestern wurde am Tatort eine 25 Meter hohe Ulme gefällt.

Der Grund: In dem Baumstamm schlug eine Kugel der Täter ein. Diese soll nun untersucht werden. Nur eine neue Information gibt es: Das von den Tätern in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober in Ingolstadt gestohlene Motorrad der Marke Honda CB 500 hatte ursprünglich das Kennzeichen IN-HW-8 (also zum Zeitpunkt als es gestohlen wurde). Nun sucht die Soko Zeugen, die das Motorrad in den Tagen nach dem Diebstahl in Augsburg oder in Ingolstadt gesehen haben. Und: Mittlerweile hat eine Privatperson die Belohnung von 5.000 Euro auf 10.000 Euro erhöht.

A. Wille/A. Geier

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.

Die Redaktion

Live: Top-Artikel unserer Leser