"Aventura": Gemeinde setzt auf Staat

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Kiefersfelden - Die Gemeinde Kiefersfelden setzt mit dem Projekt "Aventura" auf eine positive Trendwende in ihrer weiteren Entwicklung - und hofft auf Unterstützung vom Staat.

Das wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nochmals deutlich am Ratstisch herausgestellt. Arbeitsplatzverlusten und Steuereinbußen führten die Gemeinde in eine Strukturkrise. Bei deren Bewältigung erwarte sich die Gemeinde staatliche Unterstützung, besonders bei der Ansiedlung von Unternehmen, hieß es.

In einem sogenannten Zielabweichungsverfahren will der Gemeinderat eine zustimmende Entscheidung für das Projekt "Aventura" beim Bayerischen Wirtschaftsministerium erreichen. Projektträger und Investor ist die Unterberger Liegenschaftsentwicklung aus Kufstein. Unter anderem ist geplant, das weltbekannte Unternehmen "Kneissl" von dort nach Kiefersfelden zu verlegen (wir berichteten). Rund 200 Arbeitsplätze seien mit dem Projekt "Aventura" verbunden, die Kiefersfelden dringendst benötigt, hieß es nochmals am Ratstisch.

Im einstimmig gefassten Gerneinderatsbeschluss werden stichhaltige Argumente für das Vorhaben ins Feld geführt. Diese im Detail: Seit der Auflassung des Autobahnzollamts Kiefersfelden und dem damit verbunden Verlust von 700 Arbeitsplätzen sowie der damit einhergehenden Schließung zahlreicher Speditionsbetriebe wurde die Gemeinde Kiefersfelden in der Randlage des Landkreises unverschuldet in eine Krise gestürzt. Zum Schaden der Gemeinde wurde damals nationalen Interessen sowie Interessen der Europäischen Union der Vorzug gegeben. Der daraus resultierende Niedergang der gemeindlichen Wirtschaftskraft und die massiven Arbeitsplatzverluste sind beispiellos im Landkreis Rosenheim, so der Gemeinderat weiter.

Besonders jährlich wiederkehrende hohe Gewerbesteuereinbußen durch den Verlust der Speditionen führte zu einer einschneidenden Verschlechterung der Steuerkraft der Gemeinde mit der Folge, dass sogar Pflichtaufgaben nicht mehr erfüllt werden können. Dem gelte es mit Betriebsansiedlungen und damit verbundenen Arbeitsplätzen gegenzusteuern. Nur so könne auch die Sozialstruktur der Gemeinde verbessert werden. Nach der Sozialstrukturanalyse des Landkreises Rosenheim weist die Gemeinde Kiefersfelden mit die niedrigste Geburtenrate im Landkreis auf. Durch die Wiederbeschaffung von Arbeitsplätzen, die mit dem Projekt "Aventura" in großer Zahl verbunden seien, könne besonders jungen Familien mit Kindern eine nachhaltige Existenzgrundlage geboten werden.

Diese negativen Strukturveränderungen durch die Aufgabe des Autobahnzollamts, der Auflösung der Bayerischen Grenzpolizei, der Abwanderung von Speditionen, die Schließungen von Zementwerk und Marmor-Industrie sind, stellt der Gemeinderat in seinem Beschluss fest, nur mit staatlicher Hilfe bewältigbar, weshalb das Bayerische Wirtschaftsministerium um Berücksichtigung dieser schwerwiegenden Argumente bei seiner Entscheidung von den Verantwortlichen der Gemeinde ersucht wird. Bei Abwägung gegen das Ziel im Landesentwicklungsprogramm "Einzelhandel" müsse der Wiedergewinnung verloren gegangener Arbeitsplätze, der Wiederansiedlung von Unternehmen in der Gemeinde, der Wiedererstattung der gemeindlichen Steuerkraft und der Gewinnung junger Familien gegen die Überalterungstendenz der Bevölkerung größeres Gewicht beigemessen werden.

Auch für den Tourismus habe das Projekt "Aventura" größte Bedeutung und hohe Anziehungskraft. Die Wertschöpfung aus dem Autobahnverkehr sei beträchtlich. Eine immense Zahl von Verkehrsteilnehmern werde Zwischenstopps einlegen und dadurch für Kaufkrafteufluss und zur Steigerung der Übernachtungen in der Region beitragen. Angekurbelt werden dadurch Wirtschaft und Tourismus, wovon neben der Gemeinde Kiefersfelden mit die Region und der Wirtschaftsstandort Bayern profitiere,

Geradezu prädestiniert für das Vorhaben "Aventura" sei der geplante Standort zwischen Autobahn und Bahnlinie abseits von Wohngebieten. Weiter sei der mit dem Projekt verbundene landschaftliche Eingriff und Flächenverbrauch vertretbar, weil das Gebiet zwischen Autobahn und Bahn durch die Verkehrsimmissionen bereits ökologisch erheblich geschwächt sei. Dies beweise schon die Herausnahme dieses Gebiets aus dem Landschaftsschutzgebiet "Inntal-Süd".

Fazit im Kieferer Gemeinderat: " Zur Bewältigung der Strukturkrise in Kiefersfelden ist die Realisierung von 'Aventura' dringend notwendig."

Die Entscheidung liegt jetzt in München auf ministerieller Ebene. Gemeinderat und Bürgermeister setzen auf Unterstützung, nicht zuletzt deshalb, weil mit "Kneiss" ein österreichisches Unternehmen in Bayern angesiedelt werden kann, wie es hieß.

has/Oberbayerisches Volksblatt

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