"Aventura" als Schreckgespenst

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Ein gewaltiges rotes X: An der Inntalautobahn bei Kiefersfelden soll das Einkaufs- und Erlebniscenter entstehen. Andere Kommunen befürchten negative Auswirkungen auf den Einzelhandel in der Region.

Rosenheim/Kiefersfelden - Das in Kiefersfelden geplante Sport- und Spaßzentrum "Aventura" lehrt Rosenheim und die Nachbarstädte das Fürchten. Sie lehnen die gigantische Anlage entschieden ab.

Sie sehen das Projekt mit einem Mix aus Sportartikelverkauf, Skiproduktion und Freizeitspaß als direkte Konkurrenz zu den Innenstädten der Umgebung. Es ist zu erwarten, dass die Rosenheimer Stadträte sich der negativen Sicht der Verwaltung in ihrer heutigen Sitzung anschließen werden.

"Direkt an der A 93 bei Kiefersfelden entsteht das multifunktionale Handels- und Erlebniscenter Aventura Kiefersfelden mit Fokus auf Outdoor-Sport und Abenteuer. Ab dem Jahr 2012 repräsentieren internationale Markenanbieter auf rund 15.000 Quadratmetern die Bereiche Sport, Mode und Freizeit", so kündigt es die Unterberger Liegenschaftsentwicklung aus Kufstein auf der Internetseite von "Aventura" an. Wenn es nach der Stadt Rosenheim und ihrer Nachbarn geht, wird es soweit nicht kommen. Im Rahmen des laufenden Raumordnungsverfahrens, bei dem die Regierung zum Schluss feststellen muss, ob das Vorhaben in Kiefersfelden zulässig ist oder nicht, warnen sie vor negativen Auswirkungen auf die gesamte Region.

Laut Landesentwicklungsprogramm soll die Funktionsfähigkeit der zentralen Orte und ihrer Innenstädte durch die Errichtung oder Erweiterung von Einzelhandelsbetrieben nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Genau diese Gefahr befürchten die Kommunen jedoch bei einer Ansiedelung von "Aventura" in Kiefersfelden .

In Rosenheim werden auf einer Verkaufsfläche von etwa 15.000 Quadratmetern Sportartikel verkauft. Weitere hochwertige und auch flächenmäßig zu beachtende Sportanbieter gibt es in Bad Aibling, Kolbermoor und Raubling. Die zur "SUR" zusammengeschlossenen Gemeinden Rosenheim, Großkarolinenfeld, Kolbermoor, Neubeuern, Raubling, Rohrdorf, Schechen, Stephanskirchen und Bad Aibling lehnen "Aventura" deshalb ab.

Im Zuge der Altstadtsanierung und der Landesgartenschau 2010 in Rosenheim ist eine erhebliche Summe an Städtbaufördergeldern in die Reaktivierung der Innenstädte geflossen. Erste positive Folgewirkungen seien zu erkennen, heißt es in der für die Regierung vorbereiteten Stellungnahme, über die der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss des Stadtrats heute diskutiert. Die Ansiedlung des beantragen Centers könne dazu führen, dass die positiven Ansätze der Belebung der Innenstadtquartiere im Keim erstickt werden.

200 Arbeitsplätze für Kiefersfelden

In Kiefersfelden selbst ist "Aventura" nicht zuletzt willkommen, weil die Unterberger Liegenschaftsentwicklungs GmbH an dem Standort 200 Arbeitsplätze schaffen will. Nach der Schließung von Autobahnzollamt, Zement- und Marmorwerk wären diese ein Segen für den Ort. Zudem könnte die Erlebniswelt den Tourismus ankurbeln. Geplant sind neben den Geschäften auch eine Kneissl-Skiproduktion mit Verkauf, ein dazugehörendes Museum, eine "Kneissl-Kinderwelt" und Außen- und Innenflächen für sportliche Aktivitäten und Veranstaltungen.

Außer Kiefersfelden selbst hat sich bisher noch keine andere Gemeinde aus der Region positiv zu dem Vorhaben geäußert. Brannenburg begrüßte "Aventura" zwar grundsätzlich, sah aber gleichzeitig die Gefahr von Einbußen für die örtlichen Gewerbetreibenden.

Der Kiefersfeldener Bürgermeister Erwin Rinner hält die Chancen für das Projekt trotz der negativen Stimmung in der Nachbarschaft weiterhin für gut: "Wenn es Bedenken gibt, kann man diese mit guten Argumenten auch zerstreuen."

Sollte die Regierung von Oberbayern nach Abwägung aller Argumente "Aventura" für nicht zulässig erklären, würde sich das Schreckgespenst für die Geschäftsleute in der Region nicht unbedingt in Luft auflösen. Die Unterberger Liegenschaftsentwicklung wirbt damit, Kiefersfelden liege im Zentrum eines der größten Outdoor-Sportgebiete der Alpen und Voralpen. Dieses Argument gilt genauso für die Lage jenseits der Grenze - und dort hat die Regierung von Oberbayern keinen Einfluss.

re/Oberbayerisches Volksblatt

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