Baby umgebracht - Mutter schweigt vor Gericht

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Die wegen Mordes an ihrem acht Monate alten Sohn angeklagte Angelina-Michaela H. verdeckt am Freitag (17.12.10) im Schwurgerichtssaal im Landgericht in Weiden neben ihrem Verteidiger Tobias Konze ihr Gesicht mit einem Ordner.

Weiden - Im Mordprozess um den Tod eines acht Monate alten Babys hat die angeklagte Mutter am Freitag die Aussage verweigert. Die Frau hatte ihr Kind angeblich abgelehnt, weil es ihren Körper zerstört hat.

Im Mordprozess um den Tod eines acht Monate alten Babys hat die angeklagte Mutter am Freitag vor dem Landgericht Weiden die Aussage verweigert. Auch der Verteidiger der 25-Jährigen gab zu Beginn des Prozesses keine Erklärung ab. Nach ihrer Festnahme hatte die Frau bei der Polizei noch ein Geständnis abgelegt.

Die Frau soll ihren Buben vor den diesjährigen Pfingstfeiertagen mit einem Pullover erstickt und gewürgt haben. Der Säugling schrie laut Anklage und führte einen halbstündigen Todeskampf. Als Motiv nehmen die Ermittler an, dass die Frau ihr Kind von Anfang an ablehnte. So soll sie sich daran gestört haben, dass ihr Körper durch die Schwangerschaft nicht mehr so makellos wie einst gewesen sei.

Ursprünglich wollte die Frau das Kind abtreiben

Der getrenntlebende Vater fand das tote Baby am Pfingstmontag - drei Tage nach dem Tod des Kindes - in der Wohnung der Frau. Der kleine Leichnam lag abgedeckt mit einem Badetuch auf der Waschmaschine im Bad. Der Mann alarmierte die Polizei.

Ein Kripobeamter sagte als Zeuge vor der Strafkammer aus, dass die Frau schon lange das Baby nicht gewollt habe. Die Ermittlungen ergaben, dass sie nach einer kurzen Beziehung schwanger wurde. Mit dem Vater des kleinen Gero lebte die Frau dann auch vorübergehend zusammen, doch zwei Monate vor dem Tod des Säuglings zog sie mit dem Baby in eine eigene Wohnung.

Ursprünglich habe die Frau das Kind abtreiben wollen, erklärte der Polizist. Doch der Vater war dagegen. Dann sollte Gero zur Adoption freigegeben werden. Doch zwei Paare, die zunächst interessiert waren, hätten wegen einer psychischen Erkrankung in der Familie des Vaters des kleinen Jungen abgesagt. “Sie hat sich am Ende entschieden, ihn zu behalten“, sagte der Beamte über die Angeklagte.

Mutter hatte seit langem psychische Probleme

Nach der Schilderung des Ermittlers hatte die Frau keine Muttergefühle, sondern das Baby nur “funktionell versorgt“. Schließlich soll sie sich am 21. Mai spontan entschlossen haben, Gero zu töten. Die 25-Jährige soll ihrem Sohn einen Pullover in den Mund gesteckt haben, ihm die Nase zugehalten und auch die Kehle zugedrückt haben.

Nach den Schilderungen des Polizisten hatte die Frau, die nach einer Wartezeit Medizin studieren wollte, bereits seit langem psychische Probleme und nahm Drogen. Deswegen wurde sie auch mehrfach in Kliniken behandelt. Zudem gibt es Anzeichen, dass sie an einer Borderline-Störung litt, da sie bereits als Jugendliche die für diese seelische Erkrankung typischen Selbstverletzungen begangen haben soll.

Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Niedere Beweggründe

Nach dem Tod von Gero hat die Frau auch Suizid-Gedanken gehabt. Sie verfasste in den Stunden nach der Tat ein Testament, in dem sie noch einmal ihre Ablehnung des Kindes zum Ausdruck brachte: Ihr letzter Wunsch sei, “auf keinen Fall zusammen mit diesem Gero beerdigt“ zu werden.

dpa

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