Angst trotz 14 Jahren Haft für Christoph R.

Mutter des WM-Mörders: "Er tötet mich, wenn er rauskommt"

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"Er hatte hasserfüllte Augen auf den Fotos im Gericht", so Christoph R.s Mutter Michaela.
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Bad Reichenhall - Vor Gericht wollte sie nicht aussagen, doch jetzt bricht es aus ihr heraus: Nach dem "WM-Mord" hat Mutter Michaela mit ihrem Sohn Christoph R. gebrochen - und fürchtet sich vor dem Tag seiner Entlassung.

Was fühlt eine Mutter, wenn ihr Sohn tötet? Wie denkt sie heute darüber? Christoph R. erstach einen Rentner, verletzte eine junge Frau mit dem Messer so schwer, dass sie auf einem Auge erblindete: Der Blutrausch des Ex-Soldatenin der Nacht auf den 14. Juli 2014, als Deutschland den WM-Sieg feierte, schockte die ganze Region. Nun wandte sich seine Mutter Michaela an die Redaktion: "Mich hätte er in dieser Nacht genauso gekillt."

"Im Gericht wär' ich ihm an den Kragen gegangen"

Im Zuge des Prozesses wurde Christoph R. nur noch mit Handschellen am Bauchgurt und Fußfessel vorgeführt. 

Das Urteil ein Jahr nach der Tat: 14 Jahre Haft. Michaela R. machte beim Prozess von ihrem Zeugenverweigerungsrecht Gebrauch. Jetzt nennt sie in einem langen Gespräch ihren Sohn einen "Feigling", ein "Schwein". Sie kämpft noch immer mit der Tat von Christoph, befindet sich in Therapie und würde am liebsten alles in einem Buch verarbeiten. "Ich wär' ihm im Gericht an den Kragen gegangen", so Michaela R. In einem Telefonat riet ihr der Traunsteiner Richter Weidmann lieber von einer Aussage ab

Sie versucht zu erklären, wie es zu der grauenvollen Tat kommen konnte, doch schweift immer wieder in den Zorn auf Christoph R. ab. "Er ist ein Feigling, saß im Gericht da als wäre er das Opfer. Und wenn ich nur dran denke, als er kurz nach der Tat bei mir im Wohnzimmer saß und wie so oft seinen Mund nicht aufbrachte." Auf der Flucht besuchte Christoph R. im Juli 2014 auch kurz seine Mutter in Rheinland-Pfalz. Von dem Mord in Bad Reichenhall wusste sie nichts.

An seine Unschuld glaubte Michaela R. nie

Wie hat Michaela R. erfahren, dass es wohl ihr Sohn war, der mit 30 Messerstichen einen Mann tötete? "Ich war im Supermarkt beim einkaufen als plötzlich Zivilpolizisten kamen." Bis man Christoph R. in Norwegen schnappte wurde rund um die Uhr das Haus der Mutter observiert. "Im ersten Moment konnte ich es nicht glauben, ich stand unter Schock" - doch sie traute es ihm zu: "Christoph ist ein Ableger seines Vaters", so Michaela R. Auch ihr Ex-Mann wurde oft gewalttätig, tickte aus wenn er trank. Er ist für Mutter Michaela der Hauptgrund, dass ihr Sohn zum Mörder werden konnte.

7. Prozesstag im Fall des WM-Mordes

Mit einem solchen Bundeswehrmesser stach Christoph R. immer wieder gezielt in die Gesichter seiner Opfer. 

"Als mir die Polizei bei der Vernehmung dann die Beweise zeigte, wusste ich, dass er es war. Ich habe nie mehr an seine Unschuld geglaubt", sagt Michaela R. heute. Auch wenn sie sich Vorwürfe machte: Ihr Umfeld ging immer behutsam mit ihr um. Mit dem Zorn ist Michaela R. nicht allein: "Auch seine Geschwister wollen nichts mehr von ihm wissen." Christoph lebte lange Jahre seiner Jugend im Kinderheim, schlug sich später als Kickboxer durch, lebte ein Jahr in einer Obdachlosenunterkunft. Schließlich landete er bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall. 

Wegziehen, damit ihr Sohn sie am Tag X nicht findet

Zu 14 Jahren Haft wurde Christoph R. verurteilt, eine anschließende Sicherungsverwahrung nicht ausgeschlossen. Doch daran glaubt seine Mutter nicht: "Ich ahne Böses, dass die im Gefängnis sagen werden, er hat sich gebessert. Aber er ist ein Blender!" Der Tag von Christophs Haftentlassung bereitet seiner Mutter schon heute Angst, das äußert sie im Gespräch immer wieder: "Er bringt mich um, wenn er rauskommt." 

Hier sitzt Christoph R. ein: Die JVA Ebrach, ein ehemaliges Kloster.

"Ich habe mir geschworen, dass ich in zehn Jahren von hier wegziehe, damit er nicht weiß, wo ich wohne", so Michaela R. Wenn eine Mutter so über ihren Sohn spricht, muss eine Höllenangst im Spiel sein. "Er gibt mir die Schuld, für das, was er getan hat. Ich habe wirklich Angst, dass er mich tötet." Von einer Hoffnung auf Besserung in der Haft keine Spur. 

"Ich möchte nicht mal, dass er auf meine Beerdigung kommt"

Christoph R. sitzt seit dem Urteil im Juli 2015 in der JVA Ebrach in Oberfranken. Heute ist er 22 Jahre alt. Von seiner Mutter hat er seit dem kurzen Besuch auf der Flucht nichts mehr gehört. Sie will mit ihm nichts mehr zu tun haben - und denkt dabei auch über ihr Leben hinaus: "Ich möchte nicht mal, dass er auf meine Beerdigung kommt. Es ist vorbei."

xe

Quelle: BGland24.de

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