Kuh "Bambi" ist nicht zu fassen

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Zangberg - Kurioser Rollentausch in Zangberg: Dort durchstreift eine Kuh wie ein Reh die Wälder und scheut sich vor Menschen. Kuh "Bambi" ist nicht zu fassen!

Seit rund neun Wochen treibt sich die Kuh im Wald oberhalb von Zangberg herum. Tagsüber versteckt sie sich im dichten, kaum durchdringbaren Unterholz eines Waldes, um dann im Schutze der Abenddämmerung auf der Lichtung zu grasen. Versuche, die mittlerweile verwilderte Kuh einzufangen, sind bislang gescheitert.

Fast jeden Tag ist der Zangberger Jäger Dr. Erich Loserth draußen, hält Ausschau nach dem sonderbaren Rindvieh, das täglich immer erst nach den ersten Hasen und Rehen auf der Lichtung erscheint. Sein Eindruck: "Der Kuh geht es gut, sie hat sämtliche Reflexe und Verhaltensweisen eines Wildtieres angenommen." In der Tat macht sie einen kräftigen, gesunden Eindruck, als sie am Donnerstagabend fast auf die Minute aus dem Dickicht des Waldes tritt, um ihren Pansen zu füllen. Sie schaut sich um, doch sie kann den Fotografen nicht wittern - der Wind weht aus ihrer Richtung.

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Dennoch ist sie vorsichtig geworden, nachdem Loserth bereits einen Versuch unternommen hat, die ausgewilderte Kuh einzufangen. Ein befreundeter Jäger und Veterinär hat sie mit dem Betäubungsgewehr getroffen. Durch den Schuss aufgeschreckt ist die Kuh davongaloppiert. "Das Betäubungsmittel wirkt nach etwa fünf bis zehn Minuten - in dieser Zeit hätte sie bis Ampfing laufen können", meint Loserth. Mit Suchscheinwerfern und fünf weiteren Jägern habe er sich nach dem Schuss auf die Suche gemacht - vergebens. "Der Wald ist an dieser Stelle sehr dicht, das Unterholz kaum durchdringbar. Nach zwei Stunden haben wir aufgegeben." Doch selbst, wenn sie fündig geworden wären: "Wie hätten wir das große Tier aus dem Wald schaffen sollen?"

Die Größe des Tieres ist es überhaupt, die dem Zangberger Revierjäger Kopfzerbrechen bereitet. "Einer verwilderten Kuh, die bei Annäherung womöglich aggressiv reagiert, im dichtesten Gehölz nachzustellen, ist höchst gefährlich. Die Kuh ist sicherlich nicht mehr in den normalen Stallbetrieb integrierbar", meint Dr. Loserth. Doch auch in anderer Hinsicht droht Gefahr: Die Kreisstraße durchkreuzt das Revier der Kuh. Nicht auszudenken, was passiert, wenn es zu einem Unfall mit einem Fahrzeug kommt. In Skandinavien gibt es regelmäßig Kollisionen mit Elchen, teils auch mit erheblichen Verletzungen der Autofahrer verbunden.

Die Kuh, die ein Reh sein wollte

Das Einfangen der Kuh ist gescheitert, Anlocken lässt sich Bambi aber auch nicht. Freilich hat Loserth auch daran gedacht, der Kuh einen Stier vorzusetzen, er selbst hat in seinem Anwesen nicht weit vom Revier der Kuh entfernt einen dreijährigen Highländer stehen. "Der wäre paarungsbereit und die Kuh hat ihn auch sicher schon gewittert", doch offensichtlich ist sie nicht interessiert, nicht "stierig", sie "rindert" wohl nicht. Kuh Bambi frisst lieber ihr Gras, genießt ihr Leben bei Zangberg.

Was soll nun aus der Kuh werden? Zurück zu ihrem mittlerweile ausfindig gemachten Besitzer aus Aschau, dem die Kuh vor rund neun Wochen aus einem Viehanhänger geflohen war, kann das an die neue Freiheit gewohnte Tier nicht. Laut Loserth habe Gut Aiderbichl angekündigt, die Kuh aufzunehmen - vorausgesetzt, jemand fängt sie und transportiert sie dorthin. Doch wer?

Kuh "Bambi" beim Grasen in der Abenddämmerung.

Loserth als Revierpächter ist eigentlich gar nicht zuständig für die Kuh, da sie nicht dem Jagdrecht unterliegt. "Die Jäger engagieren sich hier aus reiner Hilfsbereitschaft." Zuständig seien Landwirtschaft und Landratsamt. Doch wenn es nach Erich Kozel von der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Mühldorf geht, kann die Kuh bleiben, wo sie gerade ist. "Ich sehe derzeit keine Veranlassung, die Kuh zum Abschuss freizugeben." Bislang seien keine Meldungen eingegangen, die auf eine Gefahr hindeuten. "Offensichtlich bewegt sich die Kuh ziemlich wenig und nur innerhalb ihres Reviers." Bestünde allerdings Gefahr, dann müsse eigens eine waffenrechtliche Erlaubnis seitens des Landratsamtes ausgestellt werden, sagt Kozel. Nach geltendem Waffenrecht dürfe nur an Schießständen oder zur Ausübung der Jagd geschossen werden - beides treffe bei der Kuh nicht zu.

Und so kann Kuh Bambi wohl noch eine Weile ihre Freiheit genießen und frisches Gras fressen. Sie ist damit nicht das einzige Rind, das in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt hat. In Unterneukirchen hielt ein Stier knapp vier Wochen die Polizei in Atem. Selbst mit einem Hubschrauber konnte er nicht eingefangen werden. Am Freitagmorgen waren seine Stunden aber gezählt: Er wurde von einem Jäger erschossen!

je/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © je

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