Erhöhte Cäsium-Werte

34 Jahre nach Tschernobyl: Bayerische Waldpilze noch immer belastet

Schwammerl radioaktiv
+
Eine Frau geht nahe dem niederbayerischen Wiesenfelden an einem Maronenröhrling-Pilz vorbei.

Bayern - Immer noch gibt es stark mit radioaktivem Cäsium belastete Pilze. Um welche Pilzsorten handelt es sich und welche Gebiete sind besonders betroffen?

Mehr als 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl ist die radioaktive Belastung von Wildpilzen in Bayern noch immer teilweise erhöht. Vor allem im Bayerischen Wald oder am Alpenrand könnten beispielsweise Semmelstoppelpilze, Maronenröhrlinge oder Gelbstielige Trompetenpfifferlinge erhöhte Cäsium-Werte aufweisen, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (Bfs) in seinem aktuellen Pilzbericht.

Eine Gesundheitsgefahr bestehe beim Verzehr dieser Pilze zwar nicht, aber wer sie in der Natur stehen lasse, könne leicht eine unnötige Strahlenbelastung vermeiden, so das Bundesamt. Es gebe viele andere Pilzarten, die das radioaktive Cäsium-137 nur in geringer Konzentration anreicherten.

Grenzwerte für Wildpilze aus dem Handel

Wildpilze aus dem Handel seien unproblematisch - hier gelte ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse, sagt Inge Paulini, die Präsidentin des Bundesamtes. „Wenn man selbst Pilze sammelt, lohnt es sich aber, genauer hinzusehen“, so Paulini.

Messwerte von über 1.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse seien in den letzten drei Jahren bei Semmelstoppelpilzen, Rotbraunen Semmelstoppelpilzen, verschiedenen Schnecklingsarten, Maronenröhrlingen, Gelbstieligen Trompetenpfifferlingen, Seidigen Ritterlingen und Reifpilzen festgestellt worden. Wie hoch die Belastung mit Cäsium-137 ist, schwankt aber sehr stark je nach Pilzart und von Standort zu Standort.

Im vergangenen Jahr wiesen insbesondere Semmelstoppelpilze am nördlichen Rand des Nationalparks Bayerischer Wald Spitzenwerte von über 4.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm Frischmasse auf. Ob sich das bestätige und welche Ursachen verantwortlich seien, werde im Rahmen der diesjährigen Messkampagnen untersucht.

Bundesamt für Strahlenschutz: „Pilzsammler sollen sich informieren“

Das BfS rät Pilzsammlern und -sammlerinnen in den höher belasteten Gebieten Deutschlands, wie etwa dem Bayerischen Wald oder dem Alpenrand, sich über die radioaktive Belastung von Wildpilzen zu informieren.

Dennoch muss niemand negative gesundheitliche Folgen aufgrund der Radioaktivität befürchten, wenn selbst gesammelte Pilze in üblichen Mengen gegessen werden (etwa bis 250 Gramm pro Woche). Als grundsätzlich unbedenklich im Hinblick auf ihren Radioaktivitätsgehalt gelten übrigens unter anderem:

  • Birnenstäubling
  • Blutender Waldchampignon
  • Mönchskopf
  • Riesenporling
  • Schopftintling

Auch angebaute Pilze wie gezüchtete Austernseitlinge oder Zuchtchampignons sind nur sehr gering radioaktiv belastet und können bedenkenlos gegessen werden.

jg mit Material der dpa

Kommentare