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Stand der Ermittlungen in zehn „Cold Cases“ in Bayern

Von Peggy bis Monika Frischholz: Gibt es in den Kriminalfällen neue Spuren?

In Bayern gibt es zahlreiche „Cold Cases“. Fälle, in denen Menschen spurlos verschwinden und die Ermittler auch Jahre später noch keine heiße Spur haben. (Symbolbild)
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In Bayern gibt es zahlreiche „Cold Cases“. Fälle, in denen Menschen spurlos verschwinden und die Ermittler auch Jahre später noch keine heiße Spur haben. (Symbolbild)

Wieder ist ein Jahr der Ungewissheit für Menschen vergangen, deren Liebste spurlos verschwunden sind oder gar getötet wurden. Manche Taten liegen Jahrzehnte zurück, die Ermittler tappen teilweise noch immer im Dunkeln. Alleine in Bayern gibt es zahlreiche sogenannter Cold Cases. Das ist der aktuelle Stand der Ermittlungen in den Fällen.

Bayern – Es ist die Horror-Vorstellung für fast alle von uns. Ein uns nahestehender Mensch verschwindet plötzlich und ist von einer auf die andere Sekunde nicht mehr erreichbar. Tausende Gedanken kreisen dann in den Köpfen. Verzweiflung macht sich breit, auch ein Stück Hilflosigkeit. Der erste Gang ist in diesem Fall meist der zur Polizei.

Wenn ein Mensch plötzlich verschwindet oder gar getötet wird, zählt gerade am Anfang für die Ermittler jede Minute. Denn je länger ein Verbrechen zurückliegt, desto schwieriger gestaltet sich die Aufklärung. Polizei und Angehörige setzen Jahrzehnte nach ungeklärten Taten vor allem auf neue wissenschaftliche Techniken und Auswertungsverfahren, um den Tätern auf die Spur zu kommen.

Doch das gelingt nicht in allen Fällen. Mord verjährt allerdings nicht, und so werden Altfälle, sogenannte Cold Cases, auch immer mal wieder aufgerollt. Alleine in Bayern gibt es zahlreiche dieser Fälle, die bis heute ungeklärt sind.

Peggy Knobloch, Lichtenberg

Es ist einer der wohl bekanntesten und gleichzeitig spektakulärsten Kriminalfälle der Bundesrepublik – und bleibt mutmaßlich ungelöst. Am 7. Mai 2001 verschwindet die damals neunjährige Peggy Knobloch auf dem Heimweg von der Schule. Viele Jahre später wird ihre Leiche in einem Wald gefunden. Doch auch das löst die Frage nicht: Wer war Peggys Mörder?

In dem an Irrungen und Wirrungen reichen Fall – ein Verdächtiger wurde verurteilt, kam im Zuge eines Wiederaufnahmeverfahrens aber wieder frei – sind die Akten offiziell geschlossen: Im Oktober 2020 werden die Ermittlungen eingestellt. Daran hat sich nichts geändert; der Sachstand sei immer noch der gleiche, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bayreuth.

Monika Frischholz, Flossenbürg

Die Schülerin, damals zwölf Jahre alt, verschwindet am 25. Mai 1976. 2018 und 2019 befassen sich die Behörden erneut intensiv mit dem Fall und werten neue Hinweise aus – ohne Ergebnis. Sie hatte damals ihr Elternhaus verlassen, woraufhin sich ihre Spur verlor. Die Beamten gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde.

Viele offene Fragen konnten im Rahmen der Ermittlungen geklärt werden. Beispielsweise konnten der Weg des Mädchens weiter nachvollzogen und falsche Spuren ausgeräumt werden.

Sabine Back, Karlstadt

Kurz vor Weihnachten 1993 verschwindet das Mädchen aus Karlstadt. Zuletzt war es im etwa 1100 Einwohner zählenden Ortsteil Wiesenfeld gesehen worden. Dort finden Ermittler auf einem Aussiedlerhof nach wenigen Tagen die Leiche der 13-Jährigen in einer Güllegrube. Sowohl ein Einzeltäter als auch mehrere Täter kommen laut Staatsanwaltschaft infrage – überführt ist bis heute niemand.

2021 kommt wieder Fahrt in die Ermittlungen, nachdem unter anderem feinere DNA-Analysen neue Hinweise gebracht hatten. Der Tatort in Unterfranken wird erneut untersucht. Die umfangreiche Akte wird derzeit von der Staatsanwaltschaft geprüft und strafrechtlich bewertet. Für die Ermittler stehen zwei Männer im Fokus.

Mezgin N., Aschaffenburg

Das Flüchtlingsmädchen aus Syrien verschwindet im Mai 2017 nach der Berufsschule in Aschaffenburg. Kurz darauf attackiert der Vater der jungen Frau den Freund seiner Tochter mit einem Messer und verletzt ihn schwer. Mezgin bleibt jedoch verschwunden. Rund eineinhalb Jahre später finden Spaziergänger ihr Skelett in einem Betonschacht in einem Wald bei Aschaffenburg. Wer die Schülerin umgebracht hat, konnte bisher nicht geklärt werden.

Der für Gewaltausbrüche bekannte Vater wird im April 2021 vom Mordvorwurf mangels Beweisen freigesprochen. Nur für den Angriff auf den Freund seiner Tochter muss der Syrer in Haft – das Landgericht verurteilt den heute 47-Jährigen zu acht Jahren und neun Monaten wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Wer für den Tod von Mezgin verantwortlich ist, ist weiter unbekannt. Einen anderen Verdächtigen als den Vater haben die Ermittler derzeit nicht.

Simone Strobel, Würzburg

Im Februar 2005 wird die 25 Jahre alte Erzieherin aus dem Landkreis Würzburg tot unter Palmwedeln in Australien gefunden. Sie war gemeinsam mit ihrem Freund durch das Land gereist. Er gilt bis heute als Hauptverdächtiger. Doch nachgewiesen werden konnte ihm bisher nichts.

Im Oktober 2020 setzt die Polizei in Australien eine Belohnung von einer Million Dollar für Hinweise in dem Gewaltdelikt aus. Im Februar 2021 sagen die australischen Ermittler plötzlich eine geplante gerichtliche Anhörung ab – warum ist unbekannt.

Daniel, Bayreuth

In der Nacht vom 18. auf den 19. August 2020 ist der 24-Jährige mit seinem Fahrrad auf einem unbeleuchteten Weg am Stadtrand von Bayreuth unterwegs, als er im Dunkeln angegriffen wird. Der mit einem Messer bewaffnete Täter bringt den jungen Mann um, „mit absolutem Tötungswillen“, wie es von der später eingerichteten „Soko Radweg“ heißt.

Profiler der Kripo gehen davon aus, dass der Täter im Rahmen einer „psychischen Auffälligkeit“ handelte oder eine Tötungsfantasie umsetzte. Zweimal kommt der Fall in die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“. Die Ermittler versuchen es außerdem mit einer außergewöhnlichen Plakatkampagne mit einem Foto des Opfers und der Frage „Wer hat mich hier ermordet?“ – bislang vergeblich. Der Täter ist bislang noch nicht ermittelt.

Christiane Junker, Aschaffenburg

Kurz vor Weihnachten im Jahr 1979 kehrt die 15-Jährige aus Aschaffenburg nicht mehr zu ihrer Familie zurück. Der Wächter vom Schlosspark findet die Leiche der Schülerin am nächsten Tag hinter einem Bootshaus im Schlossgarten. Ihr Körper weist eine Bissspur an der Brust auf, die Ermittler gehen von einer Straftat mit sexuellem Hintergrund aus.

Knapp 40 Jahre nach der Tat nimmt die Kripo einen verdächtigen Nachbarn fest. Doch im Prozess 2020 erweist sich das zahnmedizinische Gutachten, das den Mann als Täter überführen soll, als fehlerhaft. Der Angeklagte wird freigesprochen. Die Nebenklage legt Revision ein, doch der Bundesgerichtshof verwirft sie als unbegründet. Weitere Ermittlungsansätze gibt es derzeit nicht.

Zwei tote Frauen, Oettingen

In Schwaben fahndet die Kripo auch nach 26 Jahren noch nach dem Mörder von zwei jungen Frauen. Die Skelette der jeweils etwa 20-Jährigen werden im September 1995 in einem Wald bei Oettingen (Landkreis Donau-Ries) von Pilzsuchern entdeckt. Die mit Reisig abgedeckten Leichen lagen schätzungsweise etwa zwei Monate lang dort.

Damals vermutet die Kripo, dass es sich bei den Opfern um Erntehelferinnen aus Osteuropa handeln könnte. 16 Jahre später gibt es einen ersten Ermittlungserfolg. Im Herbst 2011 wird mit Hilfe eines DNA-Tests herausgefunden, dass eine der Toten eine 20-Jährige aus Rumänien ist. Sie soll möglicherweise als Prostituierte gearbeitet haben. Die Identität der zweiten Frau ist unklar.

Kickboxer, Neu-Ulm

Fünf Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines ehemaligen Kickbox-Profis ist der Fall weiterhin ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft in Memmingen verfolgt aktuell zwar neue Ermittlungsansätze, will sich aber nicht dazu äußern, worum es dabei geht. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“ sei dies nicht möglich, sagt Oberstaatsanwalt Thorsten Thamm. Ergebnisse gebe es noch nicht.

Das Opfer, ein 37 Jahre alter Russe, wird im November 2016 vor einem Neu-Ulmer Hochhaus niedergeschossen. Der Täter flüchtet unerkannt zu Fuß und steigt ein Stück entfernt in ein Auto. Nach dem Verbrechen setzt die Kripo eine ungewöhnlich hohe Belohnung von 10.000 Euro aus.

Es werden Fahndungsplakate in deutscher und russischer Sprache veröffentlicht. Darin bitten die Ermittler nicht nur um Hinweise zu dem Täter, sondern auch zur Vergangenheit des Opfers. Es könnte um Vormachtskämpfe in der Drogenszene gehen.

Gertrud Kalweit, Amberg

Mehr als vier Jahrzehnte nach dem Mord an der 38 Jahre alten Gertrud Kalweit in Amberg hat die Polizei noch nicht aufgegeben. Seit dem Sommer bitten die Ermittler erneut um Hinweise aus der Bevölkerung. Das Opfer war in der Nacht zum 21. März 1980 sexuell missbraucht und getötet worden. Der Polizei zufolge starb die Frau an Schlag- und Stichverletzungen. Ein Passant fand die Tote am frühen Morgen in einem Gebüsch im Stadtgraben am Kurfürstenring.

aic mit Material der dpa

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