Rückenprobleme und Depressionen im Corona-Jahr

Wie ungesund ist Homeoffice? Das sagen die Krankenkassen

Das Arbeiten von zuhause kann zu Beschwerden führen.
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Das Arbeiten von zuhause kann zu Beschwerden führen.

Homeoffice - 39,9 Prozent aller Bayern gaben in einer Umfrage letztes Jahr an, Telearbeit, Homeoffice oder mobiles Arbeiten zu nutzen. Kein Wunder, waren viele Büros Corona-bedingt geschlossen. Während viele Arbeitnehmer das Homeoffice als Entlastung wahrnehmen, kann es auch zu körperlichen Beschwerden führen. rosenheim24.de hat bei den Krankenkassen DAK und TK nachgefragt, wie (un)gesund das Arbeiten von zu Hause ist.

Bayern - Schon ein Jahr dauert die Corona-Pandemie nun an und hat auch den Alltag der Weltbevölkerung nachhaltig geändert. Wir gehen mit Maske vor die Tür, halten Abstand, schütteln und nicht mehr die Hände. Für viele heißt die Pandemie aber auch, dass die Büros geschlossen sind und sie von zu Hause aus arbeiten. Die Bundesregierung hat so mehrfach dringend empfohlen, dass alle Arbeitgeber, die dazu in der Lage sind, ihren Angestellten das Arbeiten von daheim ermöglichen, um eine unnötige Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Was für viele Selbstständige normal ist, traf die breite Masse eher unvorbereitet und so richteten sich unzählige Deutsche ihr Büro am Küchentisch, auf dem Sofa oder im Kinderzimmer ein. Denn die meisten, die sonst ins Büro gehen, haben kein separates Arbeitszimmer. In Bayern sind überdurchschnittlich viele Arbeitnehmer nicht mehr im Büro, laut einer Umfrage ganze 39,9 Prozent.

DAK: Mehr Rückenbeschwerden durch Arbeiten von daheim

Doch was bedeutet die neue Realität eigentlich langfristig für die Gesundheit? Wirkt die sie sich schon auf die körperliche und seelische Gesundheit aus? rosenheim24.de hat bei den Krankenkassen DAK und TK nachgefragt. - und tatsächlich: Es ist ein Unterschied in den Krankschreibungen zu vermerken, berichtet Stefan Wandel, Pressesprecher der DAK. Die Anzahl der Krankschreibungen der bayerischen DAK-Versicherten sei 2020 zwar um 14,1 Prozent gesunken, dafür werden die Menschen nun um 15,7 Prozent länger krankgeschrieben.

Fehltage wegen Muskel-Skelett-Problemen haben dabei zugenommen. „Mehr als jeder fünfte Fehltag im Job war 2020 auf Rückenschmerzen oder andere Probleme mit dem Muskel-Skelett-System zurückzuführen“, so Wandel.

„Durch Corona hat sich die Arbeitswelt drastisch gewandelt“, sagt Sophie Schwab, Leiterin der DAK-Landesvertretung Bayern. „Das Homeoffice wird von den Beschäftigten in Bayern in großem Maße als Entlastung empfunden, auf Dauer zeigen sich aber auch negative gesundheitliche Folgen.“

Bewegung zwischendurch ist das A und O

Jedoch sei man dem Problem nicht hilflos ausgesetzt. Man könne ganz gezielt gegen diese Probleme vorgehen. Sophie Schwab erklärt: „Langes Sitzen und zu wenig Bewegung sind grundsätzlich Risikofaktoren für den Rücken. In der Corona-Krise kommt hinzu, dass uns alle ausgleichenden Sporteinheiten im Club, im Verein oder mit Freunden fehlen. Deshalb ist es wichtig, bewusst gegenzusteuern: Zum Beispiel die Arbeit am Schreibtisch alle halbe Stunde unterbrechen, aufstehen und etwas herumlaufen. Oder wenn ein Anruf kommt, ebenfalls aufstehen und während des Sprechens hin und her gehen, anstatt sitzen zu bleiben.

Um Verspannung der Rücken- und Nackenmuskulatur vorzubeugen, ist es natürlich auch wichtig, den Arbeitsplatz richtig einzurichten. Viele arbeiten im Homeoffice mit einem Notebook. Da ist es erstens wichtig, den Stuhl optimal in der Höhe einzustellen, damit man beim Arbeiten weder die Schultern nach oben noch nach unten verzieht, sondern entspannt halten kann. Auch durch den Einsatz von externer Maus und Tastatur lassen sich Verspannungen im Schulter-Nackenbereich vorbeugen. Ideal ist ebenfalls ein sogenannter Laptop-Ständer. Er sorgt für einen besseren Blickwinkel auf den Bildschirm und verhindert ein zu weit nach unten gezogenes Kinn.“

Eine Beitragserhöhung haben die leicht steigenden Fehltage bislang nicht zur Konsequenz. „Die DAK-Gesundheit hält auch 2021 ihren Beitragssatz stabil. Trotz steigender Leistungsausgaben im Gesundheitssystem und anhaltender Corona-Pandemie werden die 5,6 Millionen Versicherten im fünften Jahr in Folge nicht zusätzlich belastet“, versicherte Wandel.

Auch ob es eine Prognose für das kommende Jahr gebe, wollte rosenheim24.de wissen. Dazu erklärt Sophie Schwab: „Mit fortschreitender Dauer der Corona-Pandemie zeigt sich: Das Büro kann man nicht dauerhaft einfach an den Küchentisch verlegen. Um mit Ausweitung der Homeoffice-Möglichkeiten auch einen Anstieg gesundheitlicher Folgen zu vermeiden, sind jetzt Unternehmen und Politik gefordert, intelligente und tragfähige Konzepte für die Zukunft zu schaffen. Unsere Umfrage liefert wichtige Hinweise, um die positiven Effekte zu nutzen, ohne die negativen zu übergehen.“

TK: Depressionen auf dem Vormarsch

Ähnliches berichtet die Techniker Krankenkasse. Hier hat man zwar 2020 keinen Anstieg an Krankheitstagen insgesamt zu vermerken, doch sind Fehltage aufgrund psychischer Beschwerden wie Depressionen angestiegen. erklärt Pressesprecher Stephan Mayer. Diese seien unter den TK-Versicherten gegenüber dem Jahr 2019 um 1,8 Prozent in Bayern und 3,1 Prozent bundesweit gestiegen.

Krankheitstage wegen Atemwegserkrankungen wie einem grippalen Infekt dagegen gingen bayernweit um 2,6 Prozent zurück. Die Techniker Krankenkasse hat keinen Anstieg an Muskel-Skelett-Beschwerden zu vermerken, allerdings seien auch hier die Verletzungen, Vergiftungen und Ähnliches leicht gesunken. Eine belastbare Aussage über die Auswirkungen von Homeoffice lasse sich seiner Meinung nach noch nicht machen, so Mayer, allerdings lasse sich schon sagen, dass Erkältungskrankheiten im Coronajahr 2020 zurückgegangen seien.

Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern, rät zum fit bleiben: „Gerade jetzt, wo aufgrund der Corona-Pandemie die meisten analogen Sportangebote nicht möglich sind, ist es wichtiger denn je, etwas für seine Gesundheit zu tun. Mit unserem interaktiven Coaching kann jede bzw. jeder zu jeder Tageszeit etwas für die persönliche Gesundheit tun - ob im Bereich Bewegung, Ernährung oder Entspannung.

jv

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