Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen unsere Leser 

Chiemgauer zu Corona-Demos: "Auf dem Rücken einer Gesellschaft wurden eigene Interessen verfolgt"

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Auch in Rosenheim sahen sich viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen. Unser Leser Patrick äußert nun seine Meinung zu den Corona-Demos. 

Landkreis - Die Demonstrationen am Wochenende für die Grundrechte haben heftige Debatten entfacht. Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönliche Meinung geschildert.

Im Kampf gegen das gefährliche Coronavirus wurden weltweit drastische Maßnahmen wie Ausgangssperren und Reiseverbote verhängt. Seit einer Woche wurden zumindest in Deutschland die Corona-Regeln nun gelockert. So herrscht seit dem 6. Mai nur noch eine Kontaktbeschränkung, auch im Freistaat. Man darf seine Wohnung nun auch wieder ohne triftigen Grund verlassen und auch Treffen von Angehörigen zweier Haushalte sind wieder möglich - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum


Dennoch gibt es weiterhin viele Einschränkungen und das Leben ist nicht mehr das selbe, wie viele es kennen und lieben. Während viele Bürgerinnen und Bürger für die "Anti-Corona-Maßnahmen", wie die Abstandsregel oder Maskenpflicht in Supermärkten, Verständnis zeigen und diese befürworten, sehen zahlreiche Mitmenschen sich um ihre Freiheit und Rechte beraubt.

Am vergangenen Samstag, 9. Mai, kam es deshalb deutschlandweit zu vielen Demonstrationen für die Erhaltung der Grundrechte - auch in Rosenheim, Prien und Traunstein. Obwohl im Vorfeld nur eine Teilnehmerzahl von 50 Personen genehmigt worden war, versammelten sich in Rosenheim aber rund 400 Personen. Viele davon missachteten die Abstandsregeln. Die Grundrecht-Demos haben deshalb heftige Debatten entfacht. Wir haben Euch gefragt, wir Ihr zu den Grundrecht-Demos steht: 


So denkt Ihr über die Grundrecht-Demos:

Patrick aus dem Landkreis Traunstein

Patrick aus dem Landkreis Traunstein äußert seine Meinung zu den Corona-Demos. 

Als ich von den Demonstrationen zu den Corona-Beschränkungen mitbekommen habe, ohne die Bilder zu sehen, stand ich dem Ganzen anfangs neutral gegenüber. Denn in unserem Staat ist Freiheit ein sehr hohes Gut, das sowohl Meinungsfreiheit auch als Demonstrationsrechte beinhaltet – zurecht!

Was mich aber zutiefst erschüttert ist, wenn dieses Freiheitsrecht von den Demonstranten in egoistischster Weise ausgenutzt wird. Genau das ist in dieser Art und Weise am Wochenende bei den Demonstrationen passiert. Ohne Einhaltung der Abstandsregeln, ohne Mundschutz und in viel zu großer Zahl wurden hier auf dem Rücken einer ganzen Gesellschaft eigene Interessen verfolgt.

Unsere Gesellschaft kann aber nur durch besondere Rücksichtnahme aufeinander und dem gesellschaftlichen Miteinander funktionieren. An die Demonstranten richte ich daher den Appell: "Wer für Freiheit kämpft und dabei vergisst, dass Freiheit auch mit Verantwortung einhergeht, der ist am Ende nicht Liberal sondern egoistisch!" Eine entsprechende Selbstreflexion erwarte ich in Zukunft auch von den Demonstranten.

Alle weiteren Reportagen, Lesergeschichten und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung.

Maximilian aus Kolbermoor

Ehrlicherweise kann ich jeden verstehen, der auch in diesen schwierigen Zeiten seine Grundrechte (z.B Versammlungsfreiheit) ausüben will. Es ist wichtig auch in Krisensituationen seine Rechte wahrzunehmen, allerdings nur solange, wie es mit den medizinischen Anforderungen vereinbar ist. 

Nicht tolerierbar sind aber Demonstranten, welche die Vorgaben, wie den Mindestabstand und die Maskenpflicht nicht einhalten und damit sich und auch andere gefährden. Außerdem sollten diese Demos nicht zur Radikalisierung verschiedener politischer Gruppen genutzt werden. Ich wünsche jedem, dass er gesund bleibt und wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können!

In einer Umfrage der OVB24-Portale zeigen aktuell weniger als ein Viertel der Leser Verständnis für die Demonstrationen:

Barbara aus Amerang

Wenn wir uns jetzt alle an die Hygienevorschriften und einfachen Regeln halten würden, statt irgendwelchen Verschwörungspropheten hinterher zu laufen, wäre diese Ausnahmesituation für uns alle umso schneller beendet. So sieht es schlecht aus, für uns alle.

Deshalb ist es total unverantwortlich, egoistisch und rücksichtslos gegenüber der Allgemeinheit, dem Krankenhauspersonal und besonders gefährdeten Personen, einen solchen Massenauflauf zu veranstalten und dabei auch noch die Vorsichtsmaßnahmen absichtlich zu verletzen. Und das, obwohl wir in Rosenheim unrühmlich an der Spitze stehen, was die Infektionen und die Toten anbelangt. Mehr Solidarität täte Not.

Philip aus Polling

Meinungsfreiheit ist mit das höchste Gut unserer Demokratie. Die eigene Meinung frei sagen zu können ist essentiell wichtig für unsere liberale Gesellschaft. Auch, und gerade, in dieser Pandemie die uns vieler Freiheiten beraubt. Natürlich schlägt in Krisenzeiten die Stunde der Exekutive. Dass die Entscheidungen der Exekutive nicht stillschweigend hingenommen werden, ist gut. Diskurs ist das Herz der Demokratie.

Wer allerdings Seite an Seite, selbstredend ohne Mindestabstand, mit Verschwörungstheoretikern und Extremisten, gleich welcher Couleur, durch die Straßen spaziert, demonstriert nur eines: seine eigene Dummheit.

Die nächsten Leserbriefe werden am Freitag, 15. Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.

Was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Schickt uns Eure Leserbriefe

Die Demonstrationen für die Grundrechte am vergangenen Wochenende haben heftige Debatten entfacht.Doch was haltet Ihr von den Grundrecht-Demos? Findet Ihr es egoistisch gegenüber den Mitbürgern oder kämpft Ihr für die Grundrechte und seid vielleicht sogar selbst bei den Demonstrationen dabei? 

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt Eure Leserbriefe per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona-Demo" im Betreff). Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort, auch ein Foto von Euch könnt Ihr gerne mitschicken. Auch über die Facebook-Seiten von rosenheim24.de, mangfall24.de, wasserburg24.de, innsalzach24.de, chiemgau24.de oder BGLand24.de könnt Ihr uns eure Nachricht zukommen lassen.

Wir veröffentlichen Eure Leserbriefe anschließend in einem Artikel. 

Grundrechte vs. Gesundheit: Das sagen die Veranstalter der Demos und regionale Politiker

"Im Bezug auf die 50 angemeldeten Demonstranten wurden alle Vorgaben eingehalten. Das Tragen eines Mundschutzes wurde zwar empfohlen jedoch war dies nicht verpflichtend und entsprach keiner offiziellen Auflage", so die Veranstalterin der Demo in Rosenheim im Interview mit rosenheim24.de. Gegen die Frau wurde mittlerweile Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit erstattet

Auch in Prien am Chiemsee sahen sich viele Menschen gezwungen auf die Straßen zu gehen, um für ihre Grundrechte zu kämpfen. Die Forderungen der Demonstranten und wie die Veranstalter den Verlauf der Demo rückblickend sehen, verraten Johanna und Kornelius Fuhrer im Interview mit unserer Redaktion

Einige Politiker aus der Region äußerten aber ihren Unmut über die Demonstrationen. Viele hätten sich von Seiten der Stadt Rosenheim und Polizei härtere Maßnahmen gewünscht. In Traunstein sorgten vor allem auch die unangemeldete Kundgebungen für viel Wirbel und Kritik. Der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch kündigte nun sogar an, dass in Absprache mit dem Oberbürgermeister auf dem Stadtplatz in Traunstein in nächster Zeit keine derartige Veranstaltungen mehr erlaubt werden.

Innenminister Herrmann will Corona-Demos nur an Orten mit viel Platz

Auch Innenminister Joachim Herrmann äußerte sich zu den Corona-Demos. So sollen die Demonstrationen in Bayern künftig nur dort erlaubt sein, wo auch genügend Platz für die notwendigen Abstände ist. Dementsprechende Konzepte werden derzeit entwickelt. "Wenn jemand meint, aggressiv und rücksichtslos auftreten zu müssen, werden wir klare Kante zeigen. Daher werden wir die Polizeipräsenz bei Demonstrationen deutlich erhöhen, wo es notwendig ist", so Herrmann.

jg

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