Stichwort Online-Unterricht

Corona-Krise: Haben die Lehrer ihre Hausaufgaben gemacht?

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Einige Schulen in der Region rüsten bereits auf rund 5000 Euro teuren digitalen Tafeln um, wie sie Bettina Vogl und Josef Harlander bereits am Altöttinger Medienzentrum verwenden können. Interaktive Inhalte gibt es bereits zu Hauf.

Altötting/Mühldorf - Das Wort Online-Unterricht wird dieser Tage bemüht, wenn es um die Sicherstellung der Bildung unserer Schüler geht. Wie stellt sich die Situation in Bayern dar?

„Äußere Krisen bieten große Chancen, sich zu besinnen“, hat Viktor Frankl, der weltberühmte und 1997 verstorbene Professor für Logotherapie einmal gesagt. Ein unsichtbares Virus bietet nun vielleicht die Chance für das bayerische Bildungssystem, das nachzuholen, was es die letzten Jahre verpasst hat: da wurde immer von der Notwendigkeit der Digitalisierung gesprochen und dass die Kinder das alles schon früh lernen müssten. Getan hat sich auch bei uns bisher wenig. 


Gescheitert ist es vor allem auch daran, dass Lehrer mit langjähriger Berufspraxis nicht auf einmal ihren Unterricht umstellen wollten oder konnten. „Seit 5-6 Jahren gibt es dieses Angebot, aber es wurde bisher nur spärlich angenommen“, sagt die Mühldorfer Medienpädagogische Beraterin für digitale Bildung Bettina Vogl. Neben ihrer Lehrtätigkeit an der Mühldorfer Mittelschule ist sie die Medienbeauftragte für die Landkreise Altötting und Mühldorf in Sachen digitaler Bildung. Zwar seien beispielsweise über die Städte und Gemeinden jederzeit größere Summen an Fördergeldern der Staatsregierung abrufbar, doch an vielen Schulen gibt es immer noch nicht die passende Ausrüstung, um die Online-Angebote überhaupt sinnvoll zu nutzen. Jedoch gibt es immer wieder einzelne Schulen, an denen es vorwärts geht, „wie zum Beispiel momentan in Buchbach oder Kirchweidach“, erklärt Bettina Vogl. 

Auf der einen Seite gibt es das bayernweite Schulungssystem Mebis, in dem man Online-Unterricht vorbereiten, archivieren und an die Schüler verteilen kann. In den Kreishauptstädten Altötting und Mühldorf gibt es aber beispielweise auch die Medienzentren, die neben Ausleihmedien auch umfangreiches online-Lehrmaterial zur Verfügung stellen können. „Jetzt dürfen wir die Links fünf Tage zur Verfügung stellen“, erklärt Josef Harlander. Er ist Leiter des Altöttinger Medienzentrums und Vorsitzender des „Vereins Bildungsmedien on Demand“, in dem sich insgesamt 20 bayerische Landkreise mit ihren Medienzentren zusammengeschlossen haben. Aus urheberrechtlichen Gründen durften die Online-Medien bisher immer nur für etwa eine Unterrichtsstunde bereitgestellt werden, das hat sich jetzt durch Corona geändert. 


Damit bliebe den Lehrern jetzt genug Zeit, um beispielsweise über das Mebis-System Übungen oder Hausaufgaben mit passendem Lehrmaterial anzulegen, das sie dann den Schülern direkt dort weiterreichen können. Der Vorteil im Vergleich zu den beispielsweise bei vielen Lehrern verbreiteten E-Mail-Verteilern ist, dass die Materialien anschließend nicht „verloren“ gehen. „Die Lehrer können da virtuelle Klassenräume anlegen, Materialien zur Verfügung stellen und sogar Prüfungen machen“, erklärt der kurz vor dem Ruhestand stehende Schulamtsdirektor Harald Kronthaler aus Altötting. Wie bei einem Online-Spiel setzen die Kinder bei jedem Login genau dort fort, wo sie aufgehört haben. „Und der Lehrer kann genau sehen, wann welche Schüler sich womit beschäftigt haben“, erklärt Bettina Vogl. Da die Materialien auf allen möglichen Endgeräten nutzbar sind, könnte bestenfalls ein großflächiger Stromausfall eine gute Ausrede für die Schüler abgeben. 

Aufpassen sollten Lehrer, Eltern und Schüler hingegen generell bei der Wahl ihrer Kommunikationsmittel, denn bestimmte Cloudservices oder Messengerdienste sind nicht geeignet, um die Lerninhalte sicher und gezielt zu übermitteln, nicht zuletzt auch weil sie zu alltäglich geworden sind. Andere Anbieter hingegen nutzen die Krise sogar, um mit kostenlosen Lockangeboten auf ihre Services hinzuweisen. Genauere Informationen und Empfehlungen findet man auf der Homepage. Den Lehrerkollegen bietet Bettina Vogl sogar Videokonferenzen an, bei denen dann die Erfahrungen ausgetauscht werden können.

Peter Becker

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