Die Meinungen unserer Leser

Schulöffnungen in Bayern: „Vollkommen richtig“ oder ein „absoluter Skandal“?

In Bayern startete am Montag, 22. Februar, wieder der Wechsel- oder Präsenzunterricht. Doch war das ein Schritt in die richtige Richtung? Auch unser Leser Patrick Weiß aus Waging am See äußert seine Meinung dazu.
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In Bayern startete am Montag, 22. Februar, wieder der Wechsel- oder Präsenzunterricht. Doch war das ein Schritt in die richtige Richtung? Auch unser Leser Patrick Weiß aus Waging am See äußert seine Meinung dazu.

In Bayern startete am Montag, 22. Februar, wieder der Wechsel- oder Präsenzunterricht. Doch war das ein Schritt in die richtige Richtung? In einigen Landkreisen müssen aufgrund der hohen Inzidenz die Kitas und Schulen bereits wieder schließen. Ihr habt uns euere Meinungen dazu geschickt:

Bayern - Nach Wochen des Distanzunterrichts kehrten am Montag, 22. Februar, weitere Jahrgänge in die Schulgebäude zurück. Nach den Abitur- bzw. Abschlussklassen, die bereits seit 1. Februar in der Schule sind, folgten nun die Grundschüler sowie die Abschlussjahrgänge aller anderen allgemeinbildenden Schulen wie Real-, Mittel- und Wirtschaftsschulen, sowie der Förderschulen.

Drei Landkreise gehen wieder in Distanzunterricht

Für die Schüler gibt es nun Wechsel- oder Präsenzunterricht mit Mindestabstand. Allerdings nur dort, wo die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche weniger als 100 beträgt

Im Landkreis Altötting sind die Schulen und Kitas bereits seit Montag, 1. März, schon wieder dicht, da die 100er Grenze am Wochenende überschritten wurde. Auch im Landkreis Mühldorf liegt der Inzidenzwert bei 115,6 und somit deutlich über 100 (Stand: RKI, 28. Februar, 0 Uhr). Das hat zur Folge, dass die Schulen und Kindergärten ab Dienstag, 2. März, wieder schließen müssen. Im Berchtesgadener Land gehen die Schulen landkreisweit ab Mittwoch, 3. März, wieder in den Distanzunterricht.

Der Mühldorfer Landrat Max Heimerl ist gegen den festen Inzidenzwert, an dem sich die Öffnung der Schulen und Kindergärten orientiert. In einem offenen Brief wandte er sich an den bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Im Kern des Briefes geht es darum, dass die aktuelle Regelung an die derzeitige Situation angepasst werden soll und nicht an einem festen Wert gebunden sein darf. Und das so schnell wie möglich.

Frühere Impfung von Lehrern und Erziehern

Angesichts der Schulöffnungen sprach sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) auch für eine höhere Priorisierung bei der Impfung (Plus-Artikel) von Grundschullehrkräften und Kita-Erzieherinnen aus. Auf der Gesundheitsministerkonferenz am Montag, 22. Februar, verständigten sich Bund und Länder dann darauf, dass Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen in der Impfverordnung in der Prioritätsgruppe zwei (hohe Priorität) statt in der Gruppe drei (erhöhte Priorität) eingestuft werden.

Die OVB24-Redaktion hat euch gefragt, wie eure Meinungen zu den Schulöffnungen und der früheren Impfung von Lehrern sind.

Schulöffnungen in Bayern und frühere Impfung von Lehrern: Eure Leserbriefe

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und muss nicht den Ansicht(en) der Redaktion widerspiegeln.

Andrea aus Bayern

Wir stehen als Familie dem angebotenen Präsenzunterricht für Abschlussklassen am Gymnasium äußerst kritisch gegenüber. Zuvor wurden die Klassen über Teams im Distanzunterricht unterrichtet. Dies hat hervorragend funktioniert und das Beste daran war, niemand wurde dadurch gesundheitlich gefährdet. All dies wurde von Herrn Piazolo einfach ignoriert und er schickte alle Abschlussklassen bereits ab dem 1. Februar wieder zurück in den Wechselunterricht. Eigentlich war hier mit der Kanzlerin der 14. Februar vereinbart worden. Dies wurde auch einfach komplett ignoriert.

Nun sind die 17- bis 18-jährigen Schüler wieder im Präsenzunterricht. Die versprochene Teststrategie lässt weiter auf sich warten. Wir finden es absolut unerträglich, wie die Politik mit der Gesundheit von Schülern, Lehrern und Eltern umgeht. Die mutierte Virus-Mutation hat eine höhere Mortalität und ist viel ansteckender. Gerade ältere Schüler könnten durchaus im Distanzunterricht lernen. All dies wird unseren Kindern von der Politik einfach verwehrt. Entscheidungen werden über unsere Köpfe hinweg getroffen und wir bangen nun jeden Tag um die Gesundheit unserer Kinder und um unsere eigene. Ein wirklich absoluter Skandal, dass so etwas in Deutschland überhaupt zulässig ist.

Der Staat verletzt hier seine Fürsorgepflicht gegenüber der kompletten Schulfamilie. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat komplett versagt. Immer wieder wird in den Medien bewusst der Eindruck vermittelt, wir Eltern wären froh, dass unsere Kinder endlich wieder in die Schulen dürfen. Unter den momentanen Bedingungen klingt das wie Hohn und ist keinesfalls so. Was nützt ein Abitur, wenn hinterher die komplette Familie an Covid-19 erkrankt ist?

Immer noch sind 15 Schüler pro Kurs bis zu fünf Stunden täglich in einem Klassenraum ohne zusätzliche Tests. Das ist die bittere Realität in Bayern. Hier muss sich dringend etwas ändern. Die Schüler sind es leid, dass die Politik so ihre Gesundheit gefährdet, aber niemand scheint sich wirklich dafür zu interessieren.

Patrick Weiß aus Waging am See

Unser Leser Patrick Weiß aus Waging am See äußert seine Meinung zu den Schulöffnungen in Bayern.

Es ist vollkommen richtig, dass Schulen/Kitas wieder geöffnet sind. Wer beispielsweise immer noch glaubt, Grundschulunterricht über Homeschooling stattfinden lassen zu können, der begeht einen riesigen Fehler! Wir haben schon jetzt eine Vielzahl an Kindern, die durch die Pandemie nicht richtig lesen und schreiben können – welche Auswirkungen das auf die Entwicklung und Zukunftschancen dieser Kinder hat, kann sich jeder selbst ausmalen.

Auch in den älteren Klassen stellt man fest, dass Teile der Schüler abgehängt werden – gerade dass der Bildungserfolg hier in Abhängigkeit zum Elternhaus steht, ist ein großes Problem. In diesem Punkt fehlen aktuell Konzepte, wie abgehängte Schüler wieder erreicht und gefördert werden sollen. In meinen Augen muss sich das Kultusministerium schon jetzt Gedanken darüber machen, wie diese Schüler gefördert werden können. In einem bis zwei Jahren ist es zu spät und wir haben vielleicht eine verlorene Generation.

Ein großes Problem bleibt auch die Frage, wie schütze ich die Schüler aktuell im Präsenzunterricht. Hier hätte unsere Landesregierung über zwei Monate Zeit gehabt, die Schulen darauf vorzubereiten: Luftfilteranlagen, ventilatorgestützte Zu- und Abluftsysteme für ausreichende Außenluftzufuhr und vor allem flächendeckende Antigen-Schnelltests in Reihentestungen an Schulen.

Sollten die Inzidenzen nun wieder stark steigen, so führt wohl kein Weg daran vorbei, Schulen wieder (teilweise) zu schließen. Einer bevorzugten Impfung von Lehrern und Erziehern stehe ich unter bestimmten Voraussetzungen positiv gegenüber. Sollten alle vulnerablen Gruppen schon geimpft worden sein, so macht es Sinn, Bildungspersonal sowie andere systemrelevante Berufe der restlichen Bevölkerung vorzuziehen.

Test- und Maskenkonzept für bestmöglichen Schutz

In den Schulen gelten auch zur Wiedereröffnung übrigens klare Schutz- und Hygienevorgaben. Darunter fallen unter anderem die Einhaltung des Mindestabstandes, die Beachtung der Lüftungskonzepte sowie die zusätzliche Einführung eines umfangreichen Test- und Maskenkonzepts, um Lehrer und Schüler bestmöglich schützen zu können. Alle weiteren gültigen Corona-Regeln können hier nachgelesen werden.

Sollten die Infektionszahlen in einer Region wieder über die kritische Marke steigen, müssen die örtlichen Gesundheitsämter mit der jeweiligen Bezirksregierung das weitere Vorgehen abstimmen. In den Regionen ab einer Inzidenz von 100 würde nach der Infektionsschutzverordnung auch wieder eine Ausgangssperre für die Nachtstunden greifen.

jg

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