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Rosenheimer Familie über aktuelle Schulsituation: „Die Nerven liegen bei allen blank“

Einmal Wechselunterricht, einmal Präsenzunterricht und einmal Distanzunterricht - im Freistaat herrscht derzeit Unterrichts-Wirrwarr. Auch die geplante Testpflicht sorgt bei einigen Eltern für Kopfschütteln. Ihr habt uns Eure Meinungen zur aktuellen Schulsituation in Bayern geschildert:

Landkreis - Nach rund einem Vierteljahr Corona-Zwangspause dürfen seit Montag, 15. März, auch die weiterführenden Schulen in Bayern wieder öffnen - aber nur im Wechselunterricht und nur in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100.

In der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung am Dienstag, 23. März, wurden zudem neue Regeln für den Schulbetrieb nach den Osterferien vorgestellt. Ab Montag, 12. April, sollen bei einem Inzidenzwert unter 50 dann Grundschulen in den Präsenzunterricht in die Schulen zurückkehren. Liegt eine Stadt/ein Landkreis bei einer 7-Tage-Inzidenzwert von unter 100, bleibt es beim bisherigen Vorgehen: Alle Schulen und Jahrgangsstufen dürfen Wechselunterricht durchführen.

Liegt die Inzidenz in einer Stadt/einem Kreis über 100 soll dann auch endlich wieder (Wechsel-)Unterricht sichergestellt werden - und zwar für Abschlussklassen aller weiterführenden und beruflichen Schulen, der Q11 an Gymnasien sowie der vierten Jahrgangsstufen der Grundschulen. Zwei Mal pro Woche sollen Schüler und Lehrer getestet werden. Die OVB24-Redaktion hat Euch gefragt, wie Ihr über die aktuelle Schulsituation denkt.

Unterrichts-Wirrwarr und geplante Testpflicht: Eure Leserbriefe zur aktuellen Schulsituation

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und muss nicht den Ansicht(en) der Redaktion widerspiegeln.

Anonym aus Rosenheim

In unserem Fall wären wir schon über eine Achterbahnfahrt froh. Unsere größere Tochter ist sechs Jahre alt und geht seit September theoretisch in die erste Klasse einer Grundschule im Stadtgebiet Rosenheim. Im September war sie auch noch vor Ort in der Schule. Die Schule hatte den ersten Schultag draußen geplant, was trotzdem ein schöner Empfang für die Kleinen war und auch die Maskenpflicht nach 3,5 Schultagen war für sie kein Problem.

Anfang Oktober ging es aber schon mit der ersten Quarantäne für die ganze Klasse für zwei Wochen los. Bis Weihnachten wurde sie insgesamt bereits drei Mal in Quarantäne gesteckt. Für die letzte Quarantäne wurde zwar die Regelung getroffen, dass sie frei kommt, wenn der Test negativ ist, aber der Tag des Ergebnisses lag bereits in der Schulschließung. Seitdem war die Schule geschlossen und der Wechselunterricht 2021 musste auch nach zwei Wochen beendet werden, da wir über der 7-Tage-Inzidenz von 100 lagen.

Daraus ergibt sich folgende Bilanz für den Zeitraum September 2020 bis März 2021 (ohne Wochenenden und Schulferien):

- 50 Schultage Unterricht direkt vor Ort in der Schule
- 20 Schultage in der Wohnung eingesperrt in Kohorten-Quarantäne
- 54 Schultage Homeschooling, weil die Schule geschlossen ist (Schulschließung/andere Tage des Wechselunterrichts oder zu hohe 7-Tage-Inzidenz)

Unsere Tochter ist sehr wissbegierig und stellte sich begeistert den Aufgaben, aber mittlerweile ist die Luft so heraus. Unsere Lehrkraft ist motiviert und erstellt auch Videos von sich, was unserer Tochter etwas dabei hilft die Bindung nicht komplett zu verlieren. Aber meist ist es ja doch ein stupides Abarbeiten einer Liste von Aufgabenblättern. Inhaltlich hat sie damit keine Probleme, aber dass dieses Vorgehen nicht gerade motiviert und sie sich mittlerweile kaum noch aufraffen kann, finde ich nur zu verständlich.

In der zweiten Woche Wechselunterricht kam sie auch wieder mit freudestrahlenden Augen nach Hause. Da hatte sie zwei Tage hintereinander Unterricht vor Ort und erzählte begeistert, was sie alles gemacht haben. Das war allerdings der Tag, an welchem wir die 100er-Marke überschritten haben und ich ihr beibringen musste, dass sie jetzt wieder zu Hause Blätter ausfüllen muss.

Mein Mann und ich sind beide berufstätig und arbeiten nun teils auch in der Nacht und am Wochenende, um unsere Leistung erbringen und trotzdem die Tochter im Homeschooling begleiten zu können. Unserer Kleinen, welche noch in den Kindergarten geht, wollen wir ja auch genügend Aufmerksamkeit zukommen lassen. Die Nerven liegen bei allen blank, aber wir geben uns Mühe. Da es aber keinerlei greifbare Zukunftsprognose gibt, dass unsere Tochter wieder in der Schule vor Ort begeistert mit lernen kann und wir ohne Unterbrechung konzentriert arbeiten können, versuchen wir mittlerweile oberflächlich eine positive Stimmung aufrecht erhalten. Dies gelingt zunehmend weniger.

Man fragt sich, warum in Österreich bereits Lösungen mit Schnelltests bei Schülern – auch Grundschülern – im Einsatz sind und wir in Bayern noch keine haben bzw. erst jetzt und immer noch darüber diskutieren, ob so was rechtlich bei uns zulässig ist und was wir den Kindern damit antun. Was tun wir den Kindern damit an, wenn sie 75 Prozent der Schulzeit zu Hause nur Blätter ausfüllen und sich ruhig verhalten sollen, weil die Eltern arbeiten müssen?

Unsere Sechsjährige kennt die Tests ja bereits von der Quarantänezeit und findet die Stäbchen hinten im Rachen- und Nasenraum furchtbar unangenehm, aber ihre eigene Aussage war: „Ich finde die Tests doof, aber wenn ich in die Schule kann ist das okay. Die Gurgeltests sehen witzig aus.“ Am schlimmsten würde es für sie sein, wenn sie erneut zwei Wochen lang in Quarantäne muss, weil sie der Schulpflicht folgt, ohne dass dort weitergehende Vorkehrungen im Sinne von Tests getroffen wurden.

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Sabine Egner aus Tüßling

Ich empfinde die derzeitige Situation für Kinder und Eltern als Zumutung. Aus einem Rechtsstaat ist nach meinem Ermessen ein Staat der Willkür geworden. Das beste Beispiel bietet der Landkreis Altötting, in dem ich lebe. Wir waren bei einer Inzidenz von ca. 78, als sich in zwei voneinander getrennten Firmen Fälle ereigneten, welche dafür sorgten, dass der Inzidenzwert über 100 anstieg. Das war es dann nach zwei Tagen Schule und dies nach fast vier Monaten Pause vom Präsenzunterricht.

Wir sollen unsere Kinder zu verantwortungsbewussten Erwachsenen erziehen, während jene, die der Bevölkerung gegenüber verantwortlich sind und dafür von unseren Steuergeldern bezahlt werden, genau das nicht tun. Sie beziehen sich auf ein Gesetz, um den einfachsten Weg zu gehen.

Unsere Kinder müssen später nicht nur den finanziellen Schaden dieser Pandemie tragen, sondern erfahren auch, dass ein Wirtschaftsstaat wie Deutschland nicht für seine schwächsten Mitglieder kämpft. Denn das sind unsere Kinder. Haben Politiker eigentlich eine Ahnung davon, was es für die Kinder bedeutet, nicht zu wissen, ob sie zur Schule gehen können? Auch für mich als Erwachsene ist diese Instabilität schwer zu tragen. Von den Streitereien, die das Homeschooling mit sich bringt, möchte ich gar nicht sprechen.

Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, werden nun die Massentest unserer Kinder von Lehrkräften überwacht, welche ihrem ursprünglichen Auftrag sowieso schon nicht nachkommen können. Danke auch dafür, dass damit wieder wertvolle Unterrichtszeit verloren geht. Hat denn diese Regierung völlig vergessen, dass WIR durchaus ein großes Verantwortungsgefühl gegenüber unseren Kindern haben? Oder warum werden nun Lehrkräfte als Kontrolleure missbraucht?

Wenn nach einem Jahr Pandemie die Situation für Eltern und Kinder schwieriger ist als zu Beginn, so haben die Regierung beziehungsweise die Entscheidungsträger deutlich ihre Hausaufgaben beziehungsweise ihr Lernziele nicht erreicht. Mein Fazit nach einem Jahr an Herrn Söder, Herrn Spahn und Herrn Piazolo lautet deshalb: „Setzen 6!“

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Erkältete Schüler brauchen negativen-Corona-Test

In der Schule bleibt es bei der Maskenpflicht (mit Ausnahmen etwa während Stoßlüftungen) sowie den Abstands- und Hygieneregeln. Seit Montag, 15. März, müssen Kinder und Jugendliche mit einer Erkältung vor dem Schulbesuch zudem auch einen negativen Corona-Test vorweisen. Ein Selbsttest ist nicht gültig. Nötig sei ein PCR- oder POC-Antigen-Schnelltest, der im Testzentrum, in Apotheken oder bei Ärzten durchgeführt werde, teilte das Kultusministerium am Freitag, 12. März, in München mit.

Nur bei Schnupfen oder Husten mit allergischer Ursache wie Heuschnupfen ist ein Schulbesuch weiter ohne Test möglich. Eine Ausnahme gilt auch bei einer verstopften Nase ohne Fieber, gelegentlichem Husten, Halskratzen oder Räuspern.

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Schulbetrieb: Freitag ist Stichtag für die Folgewoche

Damit Schulen und Kitas nicht alle paar Tage öffnen und wieder schließen, wurde der Freitag der jeweiligen Vorwoche als Inzidenz-Stichtag festgelegt. Liegt ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt am Freitag unter der Inzidenz von 100 werden Schulen und Kitas in der kommenden Woche geöffnet - auch wenn der Wert in dem Zeitraum überschritten wird. Maßgeblich sind die Zahlen des Robert Koch-Instituts.

jg

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