Schulwesen in Zeiten von Corona mit *Voting*

Zweifel und Ungewissheit - Rosenheimer Schüler verärgert: "Söder muss kein Abi schreiben"

Bayern - Am 16. März wurden alle Schulen in Bayern in Folge der Corona-Pandemie geschlossen. Über einen Monat später, am 27. April, werden nun die Einrichtungen für Abschlussklassen zum Teil wieder geöffnet. Während sich viele Schülerinnen und Schüler über die "Zusatz-Ferien" freuen, machen sich andere ernste Gedanken. Wie sieht Bildung in naher Zukunft aus?

Aktuell erleben wir eine Welt, die wir so nicht kennen und auch nicht lieben gelernt haben. Doch ein schier unsichtbarer Gegner zwingt uns, besondere Geschütze aufzufahren und einschneidende Maßnahmen zu ergreifen. Seit Anfang März kämpft die ganze Welt gegen das neuartige Coronavirus


Auch Schulen bleiben seit dem 16. März geschlossen. Doch am 27. April sollen in Bayern, früher als in anderen Bundesländern, die Abschlussklassen wieder in die Lehrräume zurückkehren, wenngleich unter strengen Schutzvorkehrungen. 

Strenge Schutzmaßnahmen in Schulen

Beispielsweise soll der Unterricht in halber Klassenstärke mit 10 bis 15 Schülern durchgeführt werden, um in den Klassenzimmern einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Schülerinnen und Schülern gewährleisten zu können. An bestimmten Schulen kann auch ein zeitlich versetzter Schulbeginn oder Schichtbetrieb notwendig werden. Auch für das Verhalten im Schulhaus sollen Sonderregelungen getroffen werden. Wie das genau ablaufen soll, ist bisher noch relativ unklar.


Wie denken Schüler über die aktuelle Corona-Situation?

Viele Politiker und Experten sind sich weiterhin uneins. Aber wie denken eigentlich die Betroffenen selbst über die aktuelle Situation? Jonas Bettger, Schüler der Fachoberschule (FOS) Rosenheim und Redakteur des Jugendmagazins aROund Rosenheim, hat dazu einen interessanten Kommentar veröffentlicht:

"...Wie das funktionieren soll, das wissen momentan selbst die Schulleiter der einzelnen Schulen noch nicht genau, geschweige denn die Lehrer, wie sie dann ihre Schüler überhaupt unterrichten dürfen, wie die Klassen zusammengesetzt werden und wie es überhaupt um ihr eigenes Gesundheitsrisiko bestellt ist. Gemunkelt wird von Maskenpflicht, Klassenteilungen wegen zu engem Raum und und und. Wie man sich das vorstellt, 8 Stunden hinter einem dicken Stück Stoff und/oder mehreren Schichten Kohlefilter zu verbringen und dabei trotz Sauerstoffmangel in Hinblick auf das Abitur Höchstleistung abzurufen, das ist mir schleierhaft.

Exit-Strategie fehl am Platz

...Versteht mich nicht falsch, auch finde es richtig und wichtig, über ein Leben danach und einen Weg aus der Krise nachzudenken und den auch zu planen. Mir geht das nur politisch gerade irgendwie etwas zu schnell. So manche politische Forderung nach einem schnelleren Exit aus dem Shutdown, finde ich gerade etwas fehl am Platz. 

...Weder Söder, noch Merkel dürfen sich ab voraussichtlich Ende Mai in die Prüfungsräume setzen, um ihre Gesundheit bangen und dabei 6 Stunden Abitur pro Tag schreiben. Natürlich ist auch für sie die Situation nicht leicht, aber wir Schüler haben unser Leben vor uns und wollen mit dem Abitur oder anderen Schulabschlüssen unser Berufsleben einleiten und damit womöglich unsere gesamte Zukunft bestimmen.

Fehlende Transparenz?

...Maßnahmen zur Organisation von Masken, Desinfektionsmitteln, größeren Räumen und mehr Tischen (für die Einhaltung der Abstandsregel), vlt. auch Hygieneschulungen für Lehrer und Schüler oder gar mehr Reinigungspersonal für die Reinhaltung der doch massiven Infektionsquelle Gemeinschaftstoilette sind bisher nicht ausreichend öffentlich diskutiert worden.

...Ich hoffe, dass bei den ganzen Planungen und Maßnahmen auf die Schüler und Lehrer Rücksicht genommen wird und sie noch nicht in dieser wackeligen Phase einem logistisch völlig unvorbereiteten Unterricht ausgesetzt werden."

Den ausführlichen Beitrag lest Ihr hier.

Umfrage: Wie soll es an den Schulen weitergehen?

"Lernen zuhause" wird bis auf Weiteres fortgeführt

Für alle anderen Jahrgangsstufen einschließlich der Grundschulklassen wird das „Lernen zuhause“ bis auf Weiteres fortgeführt. Eine weitere Ausweitung des Unterrichtsbetriebs – zum Beispiel auf die Jahrgangsstufe 4 der Grundschule oder auf die Klassen, die im nächsten Jahr ihren Abschluss machen – ist derzeit frühestens ab dem 11. Mai vorstellbar. Hierüber wird noch gesondert entschieden.

Aufgrund der länger anhaltenden Unterrichtsunterbrechung gehe es in den kommenden Wochen vor allem darum, eine gute Basis für die Wiederaufnahme des Unterrichtsbetriebs zu schaffen. Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei – neben dem Üben und Wiederholen, das weiterhin eine wichtige Rolle spielt - ihr Wissen und Können auch erweitern und auch neue Kompetenzen erwerben – allerdings mit Augenmaß. 

Kultusminister Piazolo fordert "verlässliche Strukturen"

Dazu sollen die Lehrkräfte solche Themengebiete aus, die hinsichtlich Umfang, Schwierigkeitsgrad, Vorkenntnissen und vorhandenen Kommunikationswegen geeignet und von zentraler Bedeutung für die nächsthöheren Jahrgangsstufen sind, auswählen. 

„Wichtig ist mir, dass wir den Kindern in dieser unsicheren Zeit möglichst verlässliche Strukturen bieten und auch die Eltern nicht überfordern. Die Schülerinnen und Schüler sollen regelmäßig ein Feedback von ihren Lehrkräften erhalten. All das haben wir nun in den Hinweisen und Standards für das Lernen zuhause zusammengefasst“, erklärte Kultusminister Michael Piazolo.

Hintergrund:

Unaufhaltsam hat sich Sars-CoV-19 auf dem Globus verbreitet. Viele Menschen mussten bereits sterben. Einige Länder sind an ihre Grenzen gekommen. Auch in Deutschland ist nichts mehr wie es einmal war. 

Geschäfte, Lokale und Freizeiteinrichtungen mussten schließen. Restaurant- und Boutiquebesitzer stehen vor dem Ruin. Die Corona-Pandemie hat nicht nur in Deutschland bereits jetzt für Wirtschaftsschäden in Milliardenhöhe gesorgt.

Nun fragen sich viele, wie ein möglicher Exit-Plan nach dem Shutdown aussehen kann und wie schnell eine Rückkehr zur "Normalität" möglich ist. Am Ende seiner knapp 50-minütigen Regierungserklärung zog Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am 20. April eine Zwischenbilanz zu Corona

„Das Schlimmste haben wir hoffentlich überstanden. Es gibt aber jedoch keinen Anlass zu Leichtsinn und Schludrigkeit. Ich bitte daher um Verständnis, dass wir die Gesamtverantwortung tragen und einen Weg finden müssen, alles zusammen - Freiheit und Sicherheit - in Einklang zu bringen.“ 

mz

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