"Vom Sprit allein kannst nimma leben"

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Landkreis - Es gibt derzeit kaum ein größeres Aufreger-Thema als die horrenden Spritpreise. Aber was bedeuten die eigentlich für die Tankstellenpächter? Wir haben mal nachgefragt:

"Mir steht das Wasser bis zum Hals", berichtet uns ein Tankstellen-Pächter aus Traunstein. "Die Preise steigen immer mehr, immer weniger Leute kommen zum Tanken." Für ihn eines der größten Probleme der regionalen Tankstellen: Der "Tank-Tourismus" ins nahegelegene und günstigere Österreich.

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Das spricht beim Telefoninterview auch ein Tankstellenpächter aus Burghausen an. Burghausen liegt gerade mal rund sechs Kilometer von der nächsten osterreichischen Tankstelle entfernt. Der langjährige Pächter sagt: "Es gibt immer noch Leute, die in Deutschland tanken. Und wer in Deutschland tankt, wird auch weiterhin hier tanken." Aber er stellt auch klar: "Vom Spritgeschäft allein können wir schon lange nicht mehr leben." Immer wichtiger wird stattdessen der Tankstellen-Shop. "Der Reifenverkauf und die Werkstatt halten uns über Wasser. Auch der Backshop hilft." Er als Privatmann sei froh, dass er nahe an seiner Tankstelle wohne und selbst nicht viel Benzin brauche. Und er persönlich hoffe auch, dass die hohen Benzinpreise die Automobilbranche dazu zwingen werden, mehr benzinsparende Autos herzustellen. "Irgendwo muss man ja mit dem Umweltschutz anfangen."

Ein völlig anderes Bild hat ein Tankstellen-Betreiber in Rosenheim. "Ich merke nicht, dass weniger Leute tanken als früher," sagt er uns. Und er ist auch zuversichtlich, dass Österreich bald auf dem deutschen Preis-Niveau angekommen sein wird. Der Pächter stellt klar: "Für mich stehen die Öl-Konzerne zu unrecht am Pranger. Die sind nicht schuld an den hohen Benzinpreisen. Die Ölscheichs und die Regierung streichen doch alles ein." Bei ihm deckt das Spritgeschäft noch die Stromrechnung. Aber auch er bemerkt: Der Shop wird immer wichtiger. Und der Tankstellenbetreiber hat beschlossen: "Ich höre hier sofort auf, wenn ein bestimmtes Preis-Niveau erreicht ist. Bis nächstes Jahr werden die Preise die zwei-Euro-Marke erreichen. Jetzt ist die Autoindustrie gefordert!"

In Bad Reichenhall leiden die Tankstellen offenbar am stärksten unter dem österreichischen Tank-Tourmismus. Ein Pächter sagt uns am Telefon: "Unser Geschäft ist mit den österreichischen Benzinpreisen direkt verbunden. Sind die Preise dort etwas höher, tanken die Leute mehr bei uns. Ist es über die Grenze günstiger, haben wir kaum Kunden." Auch für ihn ist es der Shop, der das nötige Geld abwirft. Als Privatperson gefragt, hält der Tankstellen-Betreiben die Spritpreise für unzumutbar. "Das geht ganz schön ans Geld, das kann sich eigentlich keiner mehr leisten." Auf's Fahrrad werde er zwar nicht umsteigen können. Aber: "Man fährt nur noch, was man unbedingt muss. Urlaubsfahrten sind nicht mehr drin." Trotzdem würde der Pächter seine Tankstelle nicht dicht machen, wenn die Preise weiter steigen. "Wir haben ja noch den Shop."

tj/ds

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