Leser-Meinungen zu verschärften Einreisekontrollen

Kinder aus Tirol dürfen nicht in bayerische Schule - Mutter: „In welcher Welt leben wir?“

Die verschärften Einreisekontrollen nach Deutschland beschäftigen zahlreiche Pendler. Auch eine Mutter aus Tirol hat ihre Erfahrungen geschildert.
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Die verschärften Einreisekontrollen nach Deutschland beschäftigen zahlreiche Pendler. Auch eine Mutter aus Tirol hat ihre Erfahrungen geschildert.

Seit über einer Woche gelten verschärfte Einreiseregelungen an den Grenzen zu Tirol und Tschechien. Ihr habt uns eure Meinungen und Erfahrungsberichte zu den neuen Grenzregelungen geschickt.

Bayern/Tirol - Seit Sonntag, 14. Februar, sind die Grenzen nach Tschechien und Tirol weitestgehend dicht. Nach den neuen Vorgaben dürfen aus den betroffenen Gebieten nur noch Deutsche sowie Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltserlaubnis in Deutschland einreisen. Außerdem gibt es Sonderregeln für medizinisches Personal, Transit-Passagiere und den Warenverkehr (Plus-Artikel). Am Dienstag, 23. Februar, wurden die Grenzkontrollen dann bis zum 3. März verlängert.

Ab sofort braucht jeder Arbeiter, der aus Tirol oder Tschechien nach Deutschland einreist, neben einem negativen Coronatest (nicht älter als 48 Stunden) auch eine amtliche Bescheinigung des zuständigen Landratsamtes – sonst kann ihn die Bundespolizei zurückweisen. Diese amtliche Bescheinigung dürfen die Landratsämter nur für Personen ausstellen, die gemäß den Leitlinien der EU-Kommission systemrelevante Tätigkeiten ausüben.

Die OVB24-Redaktion hat euch gefragt, wie eure Meinungen zu den neuen Grenzregelungen sind.

Verschärfte Einreiseregelungen nach Deutschland: Eure Meinungen und Erfahrungsberichte

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Birgit Schindlholzer aus Tirol

Diese Regelung ist einfach nur mehr traurig. Ich bin Mutter von drei Kindern, zwei davon haben Beeinträchtigungen. Wir haben den Wohnsitz in Tirol. Unsere beiden Mädchen, welche die Beeinträchtigungen haben, besuchen in Oberaudorf die zweite und vierte Schulstufe der Inklusionsschule. Mein Mann arbeitet in Tirol in einem systemrelevanten Beruf und ich habe ziemliche gesundheitliche Probleme. Leider ist das der Politik egal! 

Meine Kinder können nicht in die Schule, obwohl sie noch der Schulpflicht unterliegen. Meine Kinder können keinen realen Kontakt zu ihren vertrauten Lehrkräften und ihren Freunden aus der Klasse haben. Sie leiden sehr darunter! Es ist also nicht schon genug, dass sie beeinträchtigt sind und es eh nicht so leicht haben, nein, jetzt wird ihnen auch noch diese Stabilität genommen!

Als Erwachsener kann man es vielleicht noch eher verstehen bzw. verkraften, dass es jetzt halt mal so ist, aber als Kind? Meine Töchter sind neun und elf Jahre alt und momentan sehr traurig. Sie können es nicht verstehen, wie auch? Aber das interessiert niemanden! Beim Landratsamt hieß es nur: „Ihre Kinder dürfen nicht in die Schule.“ In welcher Welt leben wir, dass man so mit der psychischen Gesundheit der Kinder umgeht?

Weitere Leser-Meinungen: Freundin wohnt in Bayern - Innsbrucker: „Hoffen, dass sich menschenunwürdige Situation ändert“ (Plus-Artikel)

Michael Seethaler aus Tirol

Als gebürtiger Deutscher, fünf Jahre in Bayern und nun seit 20 Jahren in Tirol lebend, kann ich mich für die bayerisch-deutsche Politik nur schämen. Das Thema Grenzpendler kann man mit einem Wort zusammenfassen: Chaos! Ich bin als leitender Angestellter eines Unternehmens in der Energiewirtschaft unterwegs. Wir betreuen verschieden Kunden wie Stadtwerke und große Energieversorger im Bereich der Fernwärmeversorgung. Bis heute habe ich aber keine Bestätigung oder Nachricht seitens der zuständigen Behörden, ob ich in Zukunft einreisen darf.

Am Sonntag, 14. Februar, kam ich letztendlich nur über die Grenze bei Kiefersfelden, weil ich deutscher Staatsbürger bin (mit Wohnsitz in Tirol). Die Tiroler Ausreisekontrolle (Corona-Test-Kontrolle) ist gut organisiert und schnell erledigt. Auf deutscher Seite stand ich eine Stunde und war damit noch einer der Schnelleren. Es war nur eine Spur geöffnet. Aber man musste doch wissen, dass es hier bei vielen Fahrzeugen zu längeren Kontrollen kommt, da die gesetzlichen Vorgaben erst sehr kurzfristig kamen bzw. noch gar nicht öffentlich waren.

Diese Szenen, die sich hier abspielten, erinnerten mich sehr stark an die innerdeutsche Grenze BRD/DDR vor über 30 Jahren. Ich mache hier keinen Vorwurf an die Grenzpolizisten. Die machten ihren Job so gut wie es ging und waren sehr höflich. Als Grenzpendler habe ich mittlerweile einen Ordner mit allen wichtigen Papieren dabei. In den 80er/90er/00er Jahren reichte mal ein Ausweis (wenn überhaupt) um diese Grenze zu passieren. Den Vorwurf mache ich der Bayerischen Staatsregierung, die letztendlich diese Grenzschließung (aus politischen Gründen) wünschte, und der deutschen Bundesregierung, die dieser Bitte nachkommt. Durch diese Maßnahme hat Deutschland und besonders Bayern innerhalb der EU sehr viel Schaden angerichtet und Vertrauen verspielt.

Letztendlich ist diese Schließung außer meiner Sicht mit keiner angeblichen Gesundheitsgefahr oder andere Punkten zu erklären und stellt in ganzer Linie einen Rechtsbruch dar. Dieser wird Folgen in der weiteren Zusammenarbeit mit Deutschland auf EU-Ebene haben. Und das nicht nur im Zusammenhang mit Österreich, sondern mit allen betroffenen Staaten. Zumal auch einfach die Route über das große Deutsche Eck gesperrt wurde ohne Vorankündigung, was nochmaligen Rechtsbruch bedeutet. Alles im Allem hat hier Bayern bzw. die Bayerische Staatsregierung gezeigt, welche geringe Bedeutung die Europäische Union hat. Aber noch wichtiger: welche geringe Bedeutung die Beziehungen zu Österreich haben.

Weitere Leser-Meinungen zu den Einreisekontrollen: „Mit Machtspielen aufhören“ und „Familien und Paare leiden genauso wie Grenzpendler“ (Plus-Artikel)

Rosemarie Hunklinger aus Bayern

Jeder spricht von Tirol und schimpft auf Bayern. Ich stehe jeden Tag an der Grenze zu Österreich und da kontrolliert kaum einer. Da braucht man auch eine Einreisebestätigung und das jede Woche neu, das könnte man für Pendler auch einfacher machen.

Auch interessant: „Kurzum: eine Katastrophe“ - so leiden örtliche Unternehmen durch die Grenzschließungen (Plus-Artikel)

Schickt uns eure Leserbriefe zum Thema verschärfte Einreisekontrollen

Seid ihr Grenzpendler und möchtet von euren Erfahrungen berichten? Hattet ihr bereits Probleme bei der Einreise nach Deutschland? Seid ihr Lkw-Fahrer und habt durch die regelmäßigen Corona-Tests einen höheren Zeitaufwand? Erachtet ihr die verschärften Einreiseregeln als sinnvoll? Gerne könnt ihr uns von euren Erfahrungen berichten. OVB24 ist auf eure Meinungen gespannt. Schickt uns euren Leserbrief zum Thema per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: „Grenzpendler“ im Betreff).

Bitte sendet uns neben euren Zeilen auch unbedingt euren Namen und euren Wohnort - auch ein Foto von euch könnt ihr gerne mitschicken. Die Redaktion veröffentlicht eure Leserbriefe samt kompletten Namen und Wohnort anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

jg

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