Abstürze und Kollapse in den Alpen

Weniger Unfälle aber mehr Tote - So fällt die Bergunfallstatistik aus

Wanderer auf Weg in Alpen
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Die Unfallstatistik des Deutschen Alpenvereins zeigt: Es gab weniger Unfälle, aber mehr Tote zu beklagen

Bayern - Jedes Jahr veröffentlicht der Deutsche Alpenverein die Bergunfallstatsitik. In dieser wird gezeigt, wie sich die Unfälle und Notlagen unter seinen Mitgliedern entwickelt hat. Für das Jahr 2019 fällt das Urteil eindeutig aus.

  • Die Unfallstatistik des Deutschen Alpenvereins wurde bekannt gegeben
  • Die Gesamtzahl der Unfälle und Notlagen unter den Mitgliedern ging zurück
  • Die Zahl der Toten stieg

Die wenigsten Unfälle seit 20 Jahren ereigneten sich 2019 auf die Mitgliederzahl des Vereins bezogen. Aber: die Zahl der Toten stieg im Vergleich zum Vorjahr. 1.140 Mitglieder des Alpenvereins gerieten 2019 in eine Notlage oder hatten einen Unfall, 55 weniger als noch im Jahr davor.

Beim Bergsport wurden dabei 877 Unfälle gemeldet, 102 weniger als 2018. Leider verloren auch 54 DAV-Mitglieder beim Bergsport ihr Leben und das sind immerhin 23 mehr als noch ein Jahr davor. Damit gab es 2019 so viele Tote wie schon seit 16 Jahren nicht mehr. „Die deutliche Steigerung ist für uns überraschend, vor allem, weil es insgesamt weniger Unfälle und Notfälle gab“, erklärt der Ressortleiter für Sportentwicklung im DAV, Stefan Winter auf der Seite des Alpenvereins.

Die meisten Todesfälle ereigneten sich beim Wandern (17), Hochtourengehen (9) und Alpinklettern (5). Der Anstieg der Todesraten ist in fast allen Bergsportarten zu verzeichnen, die größte Zunahme gab es beim Hochtourengehen (sechs mehr als 2018) und Outdoor-Sportklettern und -Bouldern (vier Tote mehr).

Häufigste Todesursachen beim Wandern: Stürze und Herzversagen

Beim Wandern sind vor allem Stürze und Herz-Kreislaufversagen verantwortlich für die Todesfälle, beim Klettern kamen zu dem Stürzen noch Fehler in den Seil- und Sicherungstechniken hinzu. Obwohl die Todeszahlen so hoch wie zuletzt 2003 sind, liegt die Quote nicht in einem außergewöhnlich hohen Bereich. Denn damals hatte der Verein gerade mal 686.000 Mitglieder, heute sind es doppelt so viele.

Auf der Seite des DAV wird die Statistik wie folgt erklärt: Man muss derzeit rund 2.500 Jahre ununterbrochen in den Bergen unterwegs sein, um statistisch gesehen ein Mal beim Wandern zu sterben. „Wobei Statistiken natürlich kein Trost sind, wenn man selbst betroffen ist“, gibt Winter zu.

Mehr Alarmierungen, wegen Erschöpfung oder Orientierungsverlust

Große Unfallereignisse, wie zum Beisiel Seilschaftsabstürze gab es nicht zu beklagen. Die Anzahl der Blockierungen, also all jener Notfälle, bei denen die Bergrettung gerufen werden muss, weil man zwar unverletzt ist, aber sich verlaufen hat oder zu erschöpft ist, um alleine wieder abzusteigen, stieg ebenfalls beim Wandern, Bergsteigen und Skitourengehen. Diese könne man durch eine gute Planung aber recht gut vermeiden. Beim Alpinklettern gehen die Blockierungen zurück.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren sinken die absoluten Unfallzahlen. Beim Wandern stiegen die Zahlen zwar an, bei den anderen Sportarten gingen sie aber zurück. Das erklärt sich vor allem dadurch, dass immer mehr Menschen Wandern gehen. Besonders der Wintersport verzeichnet einen großen Rückgang von Unfällen von 319 auf 258 beim Pisten- und Backountry-Fahren und von 122 auf 79 beim Skitourengehen. Das sei besonders erfreulich, weil 2019 ein sehr schnee- und lavinenintensives Jahr war.

Das Jahr 2020 stellt die Bergsportgemeinde vor allem wegen Corona vor große Herausforderungen. Denn zu Zeiten der strengsten Beschränkungen konnte kaum jemand in die Berge fahren. Mit dem Ende der Ausgangsbeschränkungen zog es mehr Menschen denn je in die Alpen, wohl auch, weil viele ihren Sommerurlaub in den heimischen Bergen statt im Ausland machen. Auf so einen Ansturm seien die Alpen nicht vorbereitet, das Unfallrisiko steige.

jv/Deutscher Alpenverein

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