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Eure Erfahrungen mit den Folgen einer Corona-Erkrankung

Wenn die Symptome über Monate bleiben - Das Leben mit Long-Covid: „Täglich Todesängste“

Wie Elli aus dem Landkreis Mühldorf erging es mehreren unserer Leser nach einer Corona-Erkrankung. Über Monate hinweg kämpfen auch in der Region Menschen mit den Folgen einer Covid-Infektion.
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Wie Elli aus dem Landkreis Mühldorf erging es mehreren unserer Leser nach einer Corona-Erkrankung. Über Monate hinweg kämpfen auch in der Region Menschen mit den Folgen einer Covid-Infektion.

Das sogenannte Post-Covid-Syndrom - besser bekannt als Long-Covid - stellt Forscher weltweit vor diverse Rätsel. Ihr habt uns eure Erfahrungen im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung geschickt.

Bayern - Dass man nach einer Krankheit nochmals ein bis zwei Wochen braucht, bis man wieder vollständig erholt ist, ist etwas, das wohl jeder am eigenen Leib zumindest einmal erfahren musste. Was manche jedoch nach einer Erkrankung mit Covid-19 erleben und teilweise über Monate mit sich tragen müssen, unterscheidet sich von dem, was wohl fast jeder kennt, der einmal eine Grippe hatte.

Die Schilderungen von lang anhaltenden Beschwerden, dem Gefühl nur schwer Luft zu bekommen, dauerhaften Schmerzen und ständiger Müdigkeit auch Wochen und Monate nach einer Corona-Erkrankung finden sich nicht nur in Studien. Erschreckend vergleichbare Erfahrungen machen auch ehemals Erkrankte in der Region.

Noch im Sommer 2020 gab ein rosenheim24.de-Interview einen kleinen Einblick, wie unangenehm langwierig die Folgen einer Corona-Erkrankung (Plus-Artikel) sein können. Im Gespräch erzählte Alex M. von fehlender Kondition, einem Zusammenbruch beim Versuch zu joggen und der Hilflosigkeit der Ärzte. Nach seiner Corona-Erkrankung im März war er noch im Juli 2020 nicht wieder wirklich fit. Wir haben Euch gefragt, welche Erfahrungen Ihr nach einer Corona-Erkrankung gemacht habt.

Wie ging es nach Corona weiter? Das sind Eure Leserbriefe zum Thema:

Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und muss nicht den Ansicht(en) der Redaktion widerspiegeln.

Elli Hellfeuer aus dem Landkreis Mühldorf

Elli aus dem Landkreis Mühldorf hat seit ihrer Corona-Erkrankung im März mit den Folgen zu kämpfen.

Ich hatte im März meine Covid Erkrankung. Ich war schlapp, kraftlos, hatte Gliederschmerzen, konnte eine Woche nichts essen und hatte furchtbar Angst um die Familie, besonders die Eltern - welche wir ja auch alle angesteckt haben.

Nach gut einer Woche wurde es langsam besser, sodass ich wieder aufstehen und was essen konnte. Langsam ging es aufwärts, wobei man natürlich noch schlapp war. Aber ich war zuversichtlich, konnte spazieren gehen und war guter Dinge. Nach weiteren drei Wochen bemerkte ich beim Spaziergang, dass ich plötzlich nur noch langsam gehen konnte.

Es brannte in der Brust (fast ständig) als ob ich einen Marathon gelaufen wäre. Dazu kam dann ein Dauer-Druck auf der Brust und starke Muskelschmerzen am Rücken. Beim Hausarzt hieß es, einfach langsam machen und Yoga machen da es wohl Verspannungen sind.

Trotzdem gingen diese Symptome nicht mehr weg. Ich wurde immer schlapper, war immer müde, konnte nur noch das Nötigste erledigen. Nach dem Einkaufen musste ich mich zwei Stunden hinlegen. Bad putzen war sehr anstrengend und mehr hab ich am Tag nicht geschafft und Treppen steigen hab ich vermieden so gut es geht. Dazu kam dann noch die ständige Ungewissheit und vor allem Angst, warum man so ein Brennen und einen Druck in der Brust hat.

Man hat ständig das Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen. Beim Arzt war aber Sauerstoffsättigung und EKG alles in Ordnung. Man zweifelt dann schon langsam an sich selbst.

Zudem ist man vergesslicher als sonst - ich war sehr zerstreut und nicht mehr strukturiert. Stimmungsschwankungen kamen auch noch hinzu, sodass man tageweise nur noch in Tränen ausbricht. Ich und fast depressiv? Konnte ich nicht glauben. Als ich Kartoffeln schälen wollte - musste ich zwischendurch aufhören da ich plötzlich keine Kraft mehr hatte in den Armen. Alle Symptome sind immer so im Wechsel gekommen und die Ärzte sagen nur: Abwarten.

Im Mai haben wir dann einen Termin in der Long-Covid Sprechstunde vereinbart: Ende August ist dieser. Die Wartezeiten sind extrem. Dort kann man dann endlich mit einem Spezialisten reden und alle Fragen stellen, die einem bis dahin täglich Todesängste machen.

Solange bin ich halt zu Heilpraktiker und Osteopathin gegangen und man versucht einfach alles, was man so aufschnappt. Vitamin C, Magnesium, Yoga mit viel Dehnen gegen die Muskelschmerzen, Meditationskurs, so viel Ruhe gönnen wie möglich und Stress komplett vermeiden, denn jeglicher Stress und jede Überanstrengung wirft einen wieder Tage zurück. Man wird total schnell ausgebremst, wenn man mal etwas mehr gemacht hat.

Bei vielen kommen noch Geschmacksverlust oder Geruchsverlust, Haarausfall und so weiter dazu. Das hab ich Gott sei Dank nicht. Nichtsdestotrotz gibt es 200 verschiedene Symptome bei Long-Covid und ich habe mich dann einer Selbsthilfegruppe in Facebook angeschlossen. Dort gibt es 4000 Leidensgenossen und dort habe ich dann endlich erfahren, dass meine Muskelschmerzen keine „Verspannungen“, sondern typisch für Long-Covid sind.

In der Selbsthilfegruppe kann man sich austauschen, anderen Mut zusprechen oder einfach Tipps bekommen, was die anderen machen. Seitdem fühle ich mich nicht mehr so „alleingelassen“ und man hat kompetentere Ansprechpartner (Leidensgenossen) als die Hausärzte vor Ort.

Ich lasse meinen Haushalt ziemlich links liegen und versuche wirklich nur noch das Nötigste zu machen. Vermeide Stress und so lange geht es gut und wird es zumindest nicht schlimmer.

Seit April geht es kaum merklich aber in Mini-Schritten vielleicht etwas aufwärts, wobei es wirklich sehr langsam geht und es einem sofort wieder zurückwirft, wenn man mal bisschen mehr macht. Ich mache mir so schnell keine Hoffnungen, dass es bald besser wird, denn es wird dauern. In meiner Gruppe sind manche schon über ein Jahr in der Situation.

Man sieht es mir nicht an - aber Long-Covid steckt in mir und seitdem ist nichts mehr wie es vorher war.

Miriam Nikolic aus Haag

Ich hatte Anfang April Corona kein leichter aber auch kein schwerer Verlauf. Ich habe in der Quarantänezeit Panikattacken bekommen und leide seitdem unter Depressionen und Angststörungen. Ich bin 31 Jahre alt und habe seit dieser Zeit auch Probleme mit den Bronchien.

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun. Corona hat mein Leben geprägt. Wer weiß wie lange noch. Da Corona ein Virus ist, kann das leider in den Kopf gehen. Das ist meine Erfahrung mit Corona.

Thomas Koch

Ich habe im April 2021 Corona gehabt, war sechs Wochen krank und bin immer noch nicht richtig genesen. Konzentrationsschwächen, Atemnot und körperlich noch nicht so belastbar wie vorher. Die Ärzte sagen immer nur, das braucht Zeit.

Eine anonyme Leserin aus Traunstein

Ich bin 25 Jahre alt und arbeite als Krankenschwester in Traunstein. Mitte Dezember bekam ich Corona. Ich hatte eigentlich keine großen Symptome nur etwas Husten, leichten Druck in der Brust und mein Geruchs- sowie Geschmackssinn war weg. Einen Tag vor Weihnachten war ich dann auch negativ.

Doch mein Husten wurde in den nächsten Wochen immer schlimmer und schlimmer und bekam bei den Hustenanfällen kaum noch Luft. Ich bin von Arzt zu Arzt gelaufen und jeder meinte nur es sei Long-Covid und bekam ein Asthmaspray und wurde krankgeschrieben.

Mitte Februar bin ich dann endlich wieder in die Arbeit gegangen. Geruchs- und Geschmackssinn waren weiterhin weg und der Husten wurde etwas besser - hatte ihn nur noch Abends. Jetzt sieben Monate später kommt ganz leicht mein Geschmackssinn wieder. Der Geruchssinn ist immer noch kaum da, nur paar bestimmte intensive Gerüche kommen allmählich wieder. Meine Husten-Attacken kommen alle paar Tage. Dann ringe ich um Luft.

Andreas D.

Ich bin am 25. Oktober 2020 positiv auf Corona getestet worden. Am 28. bin ich ins Krankenhaus eingeliefert worden. Nach vier Tagen ging es mir immer schlechter, und ich wurde auf Intensiv verlegt. Nach einem weiteren Tag wurde ich ins Koma gelegt und weitere zwei Wochen versuchte man mich aus dem Koma zu holen. Leider wurde ich erst am 1. Januar 2021 wieder wach. Dann folgten weitere fünf Wochen Intensivstation in einem anderen Krankenhaus.

Dann folgten zwei Monate Reha, wo ich alles vom Schlucken übers Gehen und Sonstiges wieder lernen musste, das ich hier nicht alles aufzählen möchte. Am 1. April wurde ich aus der Schön Klinik Berchtesgaden entlassen. Es folgten drei Monate mit Sauerstoffzuführung und Ergo- sowie Physiotherapie sowie viele Arztbesuche.

Heute haben wir den 30. Juli und ich leide immer noch unter erheblichen Atemproblemen, was mich hindert jegliche Art von Sport zu betreiben. Ich habe heute noch Schmerzen in den Händen und den Gelenken. Außerdem leide ich noch unter enormer Müdigkeit. Jetzt weiß man was Corona alles anrichten kann.

Long-Covid: Forschung steht vor einem Rätsel

Bei Long-Covid können unter anderem starke Leistungseinschränkungen weit über den eigentlichen Krankheitsverlauf hinaus anhalten. Eine zum Teil vor Monaten überstandene Corona-Erkrankung kann in diesem Phänomen auch neurologische Funktionsstörungen mit sich bringen. Die Forschung hierzu ist noch jung, die Erkenntnisse stimmen jedoch nachdenklich. Es geht nicht nur um das Ausstehen einer vergleichsweise kurzen Krankheit, sondern auch um langfristige Folgeschäden, die nicht genau einzuschätzen sind und offenbar sehr individuell ausfallen können.

mda

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