Zahlen lösen massive Besorgnis aus

Bayerns Polizei schlägt Alarm: „Pornselfies“ unter Jugendlichen stark verbreitet

Bayern - Mit großer Sorge beobachten Ermittler des Landeskriminalamts Bayern die zunehmende Verbreitung von Pornografie unter Jugendlichen. Vor allem das Versenden von Pornselfies habe im vergangenen Jahr stark zugenommen.

Es sind alarmierende Zahlen, welche die Kriminologische Forschungsgruppe (KFG) im Bayerischen Landeskriminalamt veröffentlicht. Einer am Montag veröffentlichten Auswertung zufolge zufolge stieg die Zahl der Straftaten im Bereich der „Verbreitung pornografischer Schriften“ gegenüber 2018 im Vorjahr um 54,7 Prozent „erheblich“ an. Die Entwicklung ist vor allem auf die gestiegenen Fallzahlen bei der Verbreitung von Kinderpornografie unter den Jugendlichen zurückzuführen. Im Klartext: Pornografische Darstellungen anderer Minderjähriger oder gar Kinder finden bei Jugendlichen weite Verbreitung.

Michael Laumer (KFG), der das Phänomen näher untersucht, stellt fest, dass unter den Jugendlichen die männlichen und deutschen 14- bis 15-jährigen Tatverdächtigen hervorzuheben sind, die größtenteils die Mittelschule besuchen und mit ihren Smartphones pornografische Abbildungen abspeichern und häufig in Chatgruppen verbreiten.

Die inkriminierten Dateien beinhalten hauptsächlich kinderpornografische Abbildungen, die sich im Schwerpunkt auf selbst gefertigte Nacktaufnahmen und Masturbationshandlungen konzentrieren.

Dateien meist ohne Wissen der Mädchen weitergeleitet

Diese sogenannten Pornselfies werden zum Problem, wenn die überwiegend 13- bis 15-jährigen Mädchen ihre Selbstaufnahmen zunächst mehr oder weniger freiwillig an ihren männlichen Partner versendeten. Häufig käme es nach Beziehungsende vor, dass die Burschen ohne Wissen der Mädchen die Fotos oder Aufnahmen an Dritte weiterleiten. Gleichsam belastend für die überwiegend weiblichen Betroffenen ist es, wenn die Nacktaufnahmen oder die Sexszenen vom männlichen Partner heimlich aufgenommen werden, und dann anschließend in einer Chatgruppe gepostet werden.

Der größte Anteil der Straftaten im Zusammenhang mit der Verbreitung von Pornografie unter Jugendlichen wird im Rahmen von Großverfahren oder anderweitigen polizeilichen Ermittlungsverfahren aufgedeckt. Weniger häufig erfolgt die Anzeigenerstattung durch die Betroffenen selbst, sei es aus Gründen des Schamgefühls oder der Angst, sich gegenüber den Eltern und der Polizei zu offenbaren. Aber auch Schuldgefühle dürften hierbei eine nicht unerhebliche Rolle spielen, da die Betroffenen die Nacktaufnahmen überwiegend selbst gefertigt und versendet haben.

Nicht zu unterschätzen waren die damit einhergehenden emotionalen Belastungen, die bei einem Teil der Betroffenen ausgelöst wurden und nicht selten darin mündeten, dass sie die Schule wechseln mussten. In einem Extremfall war die psychische Belastung offensichtlich so hoch, dass die Betroffene sich durch Ritzen in den Unterarm absichtlich selbst verletzte.

dp/Pressemitteilung Bayerisches Landeskriminalamt

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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