Stromtrasse in Bayern:

Pfeifkonzert für Aigner bei Rossmarkt

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Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) verteidigte am Mittwoch bei der Kundgebung in Berching (Landkreis Neumarkt) das geplante Moratorium für den Bau großer Stromtrassen in Bayern.

Berching - Bei eisigen Temperaturen gerieten die etwa 120 prachtvoll geschmückten Rösser auf dem Berchinger Rossmarkt heuer in den Hintergrund. Der Grund war Energieministerin Ilse Aigner.

Traditionell stehen die Pferde beim Berchinger Rossmarkt im Vordergrund. Heuer stahl das politische Zugpferd den etwa 120 prachtvoll geschmückten Rössern jedoch die Schau - wenn auch unfreiwillig. Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (CSU) verteidigte am Mittwoch bei der Kundgebung in Berching (Landkreis Neumarkt) das geplante Moratorium für den Bau großer Stromtrassen in Bayern. Dafür erntete sie von den mehreren hundert eigens angereisten Demonstranten gegen die geplanten großen Stromtrasse von Oberfranken nach Schwaben ein minutenlanges gellendes Pfeifkonzert.

Erst nach der Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) könne die Frage geklärt werden, „ob wir die Trassen überhaupt noch brauchen“, sagte Aigner. Die Gegner überzeugte dies keinesfalls. „Der Landkreis Neumarkt hat seine Hausaufgaben gemacht und liefert bereits 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien“, sagte Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich (CSU). Nun seien auch andere Bezirke wie Nieder- und Oberbayern sowie Schaben gefordert. „Es kann nicht sein, dass nur Nordbayern die Belastung tragen soll.“ Sollte die Stromtrasse dennoch unverzichtbar sein, sollte diese zumindest unterirdisch verlegt werden.

Darum gibt es Proteste gegen die Stromtrasse

Darum gibt es Proteste gegen die Stromtrasse

Hans Pröpster von der Bürgerinitiative Pavelsbach ist dagegen überzeugt, dass die Trasse überhaupt nicht nötig ist. Überdies „wollen die Oberbayern doch nur ihr Urlaubsland verschonen“, sagte der zweite Bürgermeister der Gemeinde im Landkreis Neumarkt.

Die eigentlichen Hauptakteure gerieten dabei fast aus dem Fokus. „Es gab zwar schon immer Proteste auf dem Berchinger Rossmarkt, aber es ist nicht in Ordnung, wenn die Pferde in den Hintergrund rücken“, sagte Reinhard Buchbinder, der Organisator des größten eintägigen Wintervolksfestes in Bayern.

Viele Pferdebesitzer hatten sich tagelang auf den Rossmarkt vorbereitet, ihre Tiere gewaschen, die Mähnen geflochten und die Geschirre gewienert. „Ich bin um halb vier aufgestanden. Dieser Tag ist der Startschuss in die Pferdesaison und ich erhoffe mir weitere Aufträge“, sagte Thomas Drechsler aus Nürnberg. Zwar werden auf dem Rossmarkt seit Jahren keine Pferde mehr verkauft, aber als Attraktionen für Hochzeiten, Festumzüge oder bei Brauereifeste gebucht.

Bubi, ein siebenjähriges tschechisches Kaltblut, ist so ein besonders herausgeputztes Tier. Im Vorjahr hatte der Hengst den Preis für das schönste Pferd auf dem Berchinger Rossmarkt erhalten. Der riesige Kohlfuchs mit der 1,20 Meter langen blonden Mähne ist der ganze Stolz seines Besitzers, Markus Weismann aus Breitenbrunn (Landkreis Neumarkt). Ihn stört die politische Ablenkung nicht. Das gehöre auch zur Tradition des Rossmarktes. Der 29-Jährige zeigte auch Verständnis für die Proteste. „Ich würde auch demonstrieren, wenn die Stromleitung über meine Pferdekoppel gehen würde.“

dpa

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