Debatte um achtjähriges Gymnasium

Bayerns Philologen wollen mehr G9-Schüler

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In Bayern wird über eine Rückkehr zum G9 diskutiert.

München  - Der bundesweite Trend geht zum achtjährigen Gymnasium. In Bayern tut sich die Staatsregierung schwer mit dem Thema. Die Gymnasiallehrer wollen zumindest eine Teilrückkehr zum G9.

Der Bayerische Philologenverband (bpv) will wieder deutlich mehr bayerischen Gymnasiasten als bisher eine neunjährige Gymnasialzeit ermöglichen. Verbandspräsident Max Schmidt plädierte am Dienstag für eine Änderung des bayerischen Schulgesetzes, in dem die achtjährige Gymnasialzeit festgeschrieben ist. „Ich gehe auf jeden Fall davon aus, dass man das Erziehungs- und Unterrichtsgesetz ändern muss“, sagte Schmidt.

Eine Rückkehr zum alten G9 hält der Verband aber nicht für sinnvoll. Mehr als ein Viertel der G8-Schüler mache ein Einserabitur, sagte Schmidt. Diese guten Schüler sollten auch weiter die Möglichkeit haben, ein schnelleres Abitur zu machen. Etwa 30 Prozent der Abiturienten hätten aber nur einen Dreierschnitt. Für diese Schüler komme eine neunjährige Gymnasialzeit in Frage. Wie viele Gymnasiasten sich für acht- oder neunjährige Gymnasialzeit entscheiden würden, lasse sich nicht vorhersagen: „Das wäre Spekulation. Es gibt ein breites Mittelfeld, von dem wir nicht wissen, wie sich diese Schüler entscheiden würden.“

Der Philologenverband - der Berufsverband der Gymnasiallehrer - wird an diesem Mittwoch sein Konzept für eine neunjährige Gymnasialzeit vorstellen. Den Vorschlag will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zum Ausgangspunkt der weiteren Diskussion über die Zukunft der bayerischen Gymnasien machen.

Freie Wähler wollen zurück zum G9

Dabei geht es vor allem um die Frage, mit welchem Konzept die Staatsregierung in den G9-Volksentscheid der Freien Wähler geht. Diese wollen durchsetzen, dass neben dem G8 auch das G9 wieder regulär angeboten wird - mit der Langfristperspektive, das G8 ganz abzuschaffen. Im Kabinett machte Seehofer nach Teilnehmerangaben klar, dass er auf jeden Fall etwas am G8 verändern will, um dem Vorschlag der Freien Wähler etwas entgegensetzen zu können. An diesem Donnerstag soll es ein Treffen von Seehofer und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) mit Schmidt geben.

Der Philologenverband dagegen will das von Spaenle eingeführte Flexijahr am G8 und das vom Philologenverband vorgeschlagene Brückenjahr weiterentwickeln. „Wir wollen das Gymnasium nicht erleichtern, wir wollen es auch nicht erschweren“, sagte Schmidt. Spaenles Flexijahr erlaubt es den Schülern, in der Mittelstufe ein zusätzliches Jahr einzulegen und so individuell die Gymnasialzeit wieder auf neun Jahre zu verlängern. Das Brückenjahr des Philologenverbands geht ebenfalls in diese Richtung - ist aber auch für starke Schüler vorgesehen, die etwa ein Auslandsjahr einlegen wollen. Beide Konzepte hätten sich aber bislang „nicht so durchgesetzt“, sagte Schmidt.

Das neue Modell soll auf größere Gegenliebe bei Schülern, Lehrern und Eltern treffen und eine neunjährige Gymnasialzeit von vornherein zulassen. Der Philologenverband hält aber nichts davon, einen gleichzeitigen Betrieb von G8 und G9 an den Gymnasien einzuführen oder die Schulen in acht- oder neunjährigen Betrieb aufzuteilen. „Wir können keinen Parallelbetrieb anbieten, und es kann auch nicht so sein, dass sich eine Schule für das G8 entscheidet und die benachbarte Schule für das G9“, sagte Schmidt.

dpa

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