Coronapatienten in vielen Krankenhäusern

So viele Beatmungsgeräte haben die Kliniken in der Region

Landkreis - Wer schwer an Covid-19 erkrankt, braucht Beatmung - doch es gibt wohl zu wenig Geräte. So sind die Kapazitäten in den Kliniken der Region. 

Die Regierung kauft 10.000 Beatmungsgeräte, die Zahl der Intensivbetten soll deutlich erhöht werden. rosenheim24.de hat Anfragen an die Kliniken im OVB24-Gebiet gestellt, wie viele Beatmungsgeräte dort verfügbar sind und wie viele "Corona-Plätze" es gibt. 


77 Intensivbetten bei Kliniken Südostbayern

Bei den Kliniken Südostbayern, ein Zusammenschluss der Kliniken in Traunstein, Trostberg, Ruhpolding, Berchtesgaden, Bad Reichenhall, Freilassing stehen nach eigener Aussage derzeit knapp 77 Intensivbetten zur Verfügung. "Davon sind unter normalen Umständen 48 als Beatmungsplätze ausgestattet", so Pressesprecher Ralf Reuter auf Nachfrage von chiemgau24.de. "Wir sind in der Lage, unsere Kapazitäten der aktuellen Notwendigkeit anzupassen. Aktuell sind die Beatmungskapazitäten bereits um circa 10 Plätze aufgestockt worden, weitere Beatmungskapazitäten werden laufend geschaffen. Alle sind grundsätzlich auch für Covid-Patienten geeignet." 

An allen Standorten seien Pflegebereiche isoliert, ausgewiesen und eingerichtet. Kurzfristig stehen an allen Standorten rund 100 Betten für die Corona-Versorgung zur Verfügung, die ständig erweitert werden.


Zwei Patienten müssen in Mühldorf beatmet werden

Die Klinik in Mühldorf wurde zum "Coronahaus" umgewidmet, wie Mike Schmitzer, Pressesprecher der Kreiskliniken Altötting-Burghausen auf Anfrage von innsalzach24.de mitteilte. Derzeit könne man dort bis zu 20 Patienten beatmen. "Drei der jetzt vorhandenen Beatmungsgeräte wurden von der Klinik Altötting in die Klinik Mühldorf verlegt", so Schmitzer. "Natürlich sind wir bestrebt, die Beatmungskapazitäten noch weiter auszubauen." 

Stand Freitag, 20. März, sind in der Mühldorfer Klinik vier bestätigte Corona-Patienten stationär untergebracht. Davon werden zwei beatmet. "Wir haben derzeit also noch ausreichend Kapazitäten für weitere Beatmungspatienten."

An der Klinik in Mühldorf können keine Coronatests bei Bürgern ohne Symptome durchgeführt werden. Lediglich Patienten, die Krankheitssymptome aufweisen und eine stationäre Behandlung benötigen, werden zur Diagnostik aufgenommen. "Alle übrigen Patienten müssen wir leider auf den kassenärztlichen Dienst verweisen", so der Pressesprecher.

Ein Foto aus dem OP Traunstein – der Inhalt spricht für sich.

Keine genauen Zahlen aus den RoMed Kliniken

Die RoMed Kliniken mit den Standorten Wasserburg, Rosenheim und Bad Aibling gaben auf Nachfrage von rosenheim24.de keine genauen Zahlen zu Beatmungsgeräten und Intensivplätzen heraus. Von Seiten der Pressestelle heißt es: "Ab sofort sind täglich Meldungen an das Innenministerium zu schicken. Abgefragt werden unter anderem die Anzahl der belegten Betten mit Covid-19-Patienten, die freien Betten und die kurzfristig verfügbaren zusätzlichen Bettenkapazitäten."

Es seien alle planbaren und nicht dringlichen medizinischen Behandlungen abgesagt und damit Platz und personelle Ressourcen für die Behandlung von Verdachtsfällen und Covid-Patienten geschaffen. "Unsere intensivmedizinischen Beatmungskapazitäten haben wir erhöht", so Pressesprecherin Lauretta Kölbl-Klein.

In den RoMed Kliniken seien bereits und werden auch weiterhin durch Umstrukturierungen/Umzüge einiger Stationen Bettenkapazitäten für Patienten geschaffen, die positiv auf Covid-19 getestet worden sind. Planungen für eine weitere Erhöhung der Bettenkapazitäten in den RoMed Kliniken laufen und werden schrittweise umgesetzt. "Wir haben an allen Standorten stationäre Patienten mit Verdacht auf eine Covid-Infektion, in den Kliniken Rosenheim und Wasserburg gibt es auch bestätigte Fälle."

Beatmungsgeräte notfalls beschlagnahmen

Der Freistaat habe zur medizinischen Versorgung 1.000 neue Beatmungsgeräte gekauft und werde weitere erwerben. "Außerdem gibt es jetzt eine Meldepflicht für Beatmungsgeräte, die in Privatpraxen und -kliniken vorhanden sind. Notfalls müssen wir auch beschlagnahmen", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU). In "unzähliger Zahl" seien Beatmungsgeräte in Bayern in privaten Praxen vorhanden.

Bundesweite Datenbank für Beatmungsgeräte

Eine neue Datenbank soll Ärzten freie Beatmungsplätze aufzeigen. Kliniken sollen diese in einem Online-Register melden. 

Informationen zu den Kapazitäten von Beatmungspatienten an deutschen Kliniken sind hier abrufbar.

So ist nun öffentlich einsehbar, in welchen deutschen Krankenhäusern freie Plätze für Patienten verfügbar sind, die beatmet werden müssen. Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Ausstattung der Kliniken mit Beatmungsgeräten sei derzeit noch kein Problem.

Lieferschwierigkeiten bei Verbrauchsmaterial

Sorgen bereiten den Kliniken Beatmungsschläuche und Kanülen sowie der Mangel an Pflegepersonal. Eine Umfrage von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" unter den großen Kliniken in Deutschland zeigt, dass es derzeit Lieferschwierigkeiten bei Verbrauchsmaterial gibt. Vor allem Beatmungsschläuche und Kanülen für Geräte, die das Blut mit Sauerstoff anreichern, so genannte ECMOs, sind schwerer zu bekommen als früher.

jb

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