Bergwachtler erzählt: So lief das Höhlendrama

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Berchtesgaden - Es war die aufwendigste Rettungsaktion jemals in den Alpen: Stephan Bauhofer erzählte von der Rettung Johann Westhausers in der Riesending-Höhle - "ich war im Maschinenmodus."

728 Retter waren an Pfingsten 2014 im Einsatz, als der Höhlenforscher Johann Westhauser aus der Riesending-Schachtel im Untersberg verletzt befreit wurde - doch Stephan Bauhofer von der Bergwacht war mit der erste, der sich hinunterwagte. In einem aufregenden Vortrag berichtete Bauhofer am Sonntag im Berchtesgadener Kongresshaus und zeigte bisher unveröffentlichte Aufnahmen, Ton- und Videomitschnitte.

"In der Höhle gelten andere Gesetze"

"Normalerweise machen wir viele Klettereinsätze. Höhlenrettungen sind sehr sehr besonders. Dort laufen die Gesetze anders als am Berg", stellte Bauhofer gleich zu Beginn klar. Es war der Pfingstsonntag 2014, 14.30 Uhr, als er alarmiert wurde: "Das Wetter war schön. Ich hab' mir noch überlegt, was ich mit dem tollen Tag anfangen soll." Doch als ein Begleiter Westhausers seinen Notruf vom Untersberg in der Rettungsleitstelle Traunstein absetzte, war auch für Bauhofer erstmal nichts mehr, wie bisher:

Live-Mitschnitt vom abgesetzten Notruf

"Einem Kameraden ist ein schwerer Stein auf den Kopf gefallen. Er hat eine Platzwunde am Kopf, ungefähr vier Zentimeter lang. Er ist ansprechbar, spricht aber nur schleppend. Er konnte sich auf eine Iso-Matte robben. Eine Person ist bei ihm. Wir sind 1000 Meter unter Tage!" Der abgesetzte Notruf vom Stöhr-Haus, den Westhausers Kamerad absetzte, und der im Kongresshaus vor etwa 500 Besuchern abgespielt wurde, war klar, deutlich und alles andere als panisch.

"Ich war im Maschinenmodus"

Die Bergwacht stellte schnellstmöglich einen Voraustrupp zusammen und aktivierte Georg Zagler. Der Salzburger Höhlenforscher kannte die Riesending-Schachtel bereits. Dann begann der Weg ins Unbekannte für den Berchtesgadener Bauhofer: "Oben am Berg war Hektik, drin in der Höhle war dann absolute Ruhe. Man arbeitet einfach nur noch - ich war im Maschinenmodus." Doch in der Höhle ticken die Uhren anders, berichtete Stephan Bauhofer:

Fotos: Vortrag über die Riesending-Rettung

Eine höhere Verletzungsgefahr, Enge, vier Grad Kälte, Nässe - und Dreck: "Man begegnet zwar immer wieder Wasserfällen oder Bächen, aber wo es trocken ist, ist's einfach nur dreckig und schlammig in solchen Höhlen", erzählte der Bergwachtler. Gleich nach den ersten Schritten in die Höhle wartete der erste Schacht auf die Retter - 180 Meter senkrecht in die Tiefe: "Man leuchtet da runter, aber es ist nur schwarz." Was Bauhofer in den zwölf Tagen der Rettung erlebte, ließ ihm teils den Mund offen stehen lassen: "Man sieht da Felsformationen, wo man dachte, sowas gibt's nicht."

Nach acht Stunden wurde Westhauser erreicht

Dossier der Rettung von Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle

Als Stephan Bauhofer und seine Mannen nach acht Stunden Abseilen und Klettern beim Höhlenforscher Johann Westhauser ankamen, galt es zunächst Erste Hilfe zu leisten: "In erster Linien mussten wir ihn wärmen, haben ihn in einen Schlafsack gelegt." Über ein Langwellen-Gerät schrieb man Nachrichten nach oben. So konnten die Retter kommunizieren, was los war und was drinnen gebraucht wurde. Die fünf Biwaks in der Riesending-Höhle waren recht gut ausgestattet, Verpflegung für die Retter war fürs Erste da.

Währenddessen wurde am Höhleneingang die Rettungsbasis aufgebaut - "wie ein kleines Dorf", erzählt Bauhofer. Holzknechte und Helfer richteten unter anderem einen Hubschrauberlandeplatz am Höhleneingang ein. Für Bauhofer und die anderen Höhlenretter aus der Schweiz, Kroatien, Österreich und Italien sollte die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnen. Westhauser wurde in eine Spezialtrage gelegt, doch Bauhofers Hauptsorge: "Wie lange hält ein Mensch das aus, so eingespannt in einer Trage liegen zu können?"

"1000 Meter über mir nur Gestein!"

Westhauser auf seiner Trage Stück für Stück hinaufzuziehen war ein Kraftakt sonders gleichen. Die Passagen waren zum Teil dermaßen eng, dass ihm sein großer Schutzhelm abgenommen und gegen einen kleineren ausgetauscht werden musste - "sonst hätten wir ihn dort nicht durchgebracht", erzählt Bauhofer. In Zwölf-Stunden-Schichten wechselten sich die Retter ab. Wer gerade nicht arbeitete, ruhte sich im Biwak aus. An Schlafen war kaum zu denken: "Allein die Vorstellung: 1000 Meter über mir ist nur Gestein." Die Bilder und Videos der Höhlenrettung konnten jeden Besucher im Kongresshaus die Enge im Schacht fühlbar werden lassen.

"Den letzten 180-Meter-Schachte haben wir dann in nur zwei Stunden überwunden. Dann waren wir wieder draußen - aber die Arbeit war für uns erst vorbei, als Westhauser im Hubschrauber war", erzählt der Berchtesgadener. Realisiert, dass die Rettung nun vorbei gewesen sein, habe es keiner so schnell. Und: "Kein Auge blieb trocken. Keiner wusste, was er sagen sollte."

Höhlen-Drama: Neue Bilder der Rettungsaktion

Rettungsaktion Riesending: Fotos vom 5. Tag

Video aus dem Archiv:

xe

Quelle: BGland24.de

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