Sexueller Übergriff in Berchtesgaden?

"An den Brüsten gepackt": Urteil im Buttenmandl-Prozess

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Berchtesgaden/Laufen - Über 40 Bassn gibt  es im Berchtesgadener Talkessel. Nach einem alten Brauch, ziehen sie zusammen mit dem Nikolaus, den Ganggerln und Krampein von Haus zu Haus. Wegen eines Falles aus dem Dezember 2016 stand einer der Fellbuttnmandln am Montag vor Gericht.

UPDATE, 12.45 Uhr - Urteil gefallen

Nachdem weitere Zeugen gehört wurden, ist am Mittag auch gleich das Urteil gefallen. Das Gericht befand den Angeklagten für schuldig und verurteilte den Mann zu einer neunmonatigen Gefängnisstrafe. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Mann 1.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

*Weitere Informationen folgen!*

UPDATE, 11.50 Uhr - Aussage der zweiten Geschädigten

Kurz darauf sagte die zweite Geschädigte aus: "Nach dem offiziellen Teil bin ich raus vor die Tür. Ich habe diese Tradition schon mehrmals mitbekommen, ich bin jetzt das vierte Jahr in Berchtesgaden. Ich bin ganz normal rausgezogen worden, mit der Rute um die Hüfte und es wurde getanzt. Es gab ein Busserl auf die Wange, das war auch alles okay.

Dann bin ich Richtung Tor gezogen worden, meine Kollegin lag bereits auf der Wiese und auf ihr saß einer drauf. Bis dahin war für mich noch alles in Ordnung. Dann hatte ich auf einmal ganz viele Hände auf mir und zwar überall. Ich hatte ein Hemd an, das war aufgeknöpft. Gottseidank hatte ich noch ein Unterhemd drunter. Aber die Hände waren auch unter meinem Unterhemd an meinen Brüsten. Mir hat sogar einer in die Jeans gegriffen, gottseidank nicht in die Unterhose.

Ich habe dann zu meiner Kollegion rübergeblickt und ihr Blick hat mir gesagt, dass sie das nicht will. Ich fand das auch nicht in Ordnung, dass ich überall abgeknutscht werden sollte. Ich habe ihre Hand gegriffen und sie festgehalten. Mir hat einer die Zunge in den Mund gesteckt. Wenn der Zungenkuss beim Tanzen passiert wäre, dann wäre das ja in Ordnung gewesen, aber nicht wenn man auf dem Boden liegt und festgehalten wird. Vorbei war es dann, als jemand den Namen meiner Kollegin rief und sie rausgezogen hat. Kurz danach konnte ich auch aufstehen."

Der Richtet erwidert: "Der Angeklagte schildert das aber ganz anders. Er meint, er hätte sich zwischen allen durchgeschlängelt und sich schützend auf sie beide gelegt".

UPDATE, 11.40 Uhr:

Jetzt hat die erste der beiden Geschädigten ausgesagt. "Während der Nikolaus noch im Haus war, war ich noch mit den Kindern drinnen. Dann kam ein Kramperl und hat mich rausgeholt. Mir wurde vorher schon gesagt, dass mir das passieren kann. Ich wurde dann in den Hof gebracht. Dort warteten ein paar Buttnmandln. Die sind da rumgesprungen, das fand ich eigentlich noch ganz lustig und okay

Ich bin dann von einem Fellbuttnmandl aus der Menge herausgezogen worden, wurde auf die Wiese gedrückt und es sich jemand auf mich draufgelegt. Dann hat sich ein weiterer draufgelegt und ich habe gerufen, dass ich keine Luft mehr bekomme."

Anschließend führt sie weiter aus: "Ich wohne jetzt seit drei Jahren in Berchtesgaden, aber sowas habe ich noch nie erlebt. Der Mann hat dann mein T-Shirt runtergezogen und meine Brüste gepackt. Als er seine Zunge in meinen Mund stecken wollte, habe ich meinen Kopf hin und her gedreht, er hat es nicht geschafft. Meine Arbeitskollegin lag neben mir auf der Wiese. Ich habe dann nach rechts gegriffen und ihre Hand genommen. Dann kam einer von der Bass und hat meinen Namen gerufen. Ich habe "hier" gerufen und er hat mir aufgeholfen. Ich bin dann zur Einrichtung zurückgelaufen, wo auch mein Chef und mein Freund waren."

Auf Nachfrage des Richters konnte die Geschädigte den Angeklagten nicht eindeutig identifizieren.

UPDATE, 11.05 Uhr - Angeklagter hatte zwischen drei und fünf Bier

"Als die Damen aus dem Haus gerissen wurden, stand ich etwas außerhalb. Sie sind dann in der Menge verschwunden, da habe ich mir nix bei gedacht. Ich habe mich zu den Dirndln hingekniet und gefragt ob etwas ist. Dann kam der Zeuge und hat gesagt, wir sollen sie wieder zum Haus zurückbringen. Dann haben wir eine Weile geratscht und dann sind wir wieder weiter", so schildert der Angeklagte den Vorfall aus seiner Sicht.

Im weiteren Verlauf begründet er sein Hingehen damit, "dass mit den Glocken schon öfters etwas passiert sei. Die beiden Damen lagen auf der Wiese und ich habe mich dann auf die zwei drauf gesetzt und gefragt ob alles in Ordnung war. Dann kam der Zeuge und hat einer der Geschädigten aufgeholfen. Ich habe der anderen aufgeholfen."

"Da stehen Sie mit ihrer Aussage aber ziemlich alleine da. Die entspricht nicht derjenigen der beiden Damen oder von dem Herrn M.", entgegnet der Richter auf die Aussage des Angeklagten.

Dieser erwiderte: "Das kann ich nicht ändern!" Auf die Frage des Richters, wie viel Alkohol der Angeklagte an diesem Tag getrunken habe, erwiderte er "nur so drei bis fünf Bier". Zu "mehr" sei keine Zeit gewesen, außerdem sei er selber davor krank gewesen, sagt der Angeklagte.

Der Richter erwähnt: "Ich habe mir die Örtlichkeit mal angeschaut. Der Platz ist ja ziemlich übersichtlich. So um die zehn auf zehn Meter, da muss man doch etwas gesehen haben. Da waren keine Büsche oder Bäume im Weg."

Als Zeugen sollen jetzt dann die beiden Geschädigten, der Nikolaus, der Buttnmandlmeister, ein Gangkerl und ein Polizist gehört werden.

UPDATE, 9.10 Uhr:

Um 9 Uhr hat der Prozess begonnen. Unter Begleitung seines Verteidigers Jürgen Tegtmeyer hat der Angeklagte auf der Anklagebank platzgenommen.

Der Vorbericht:

"Auf geht´s Buttenmandl" - so lautet der Ruf, der alljährlich rund um den Nikolaustag schallt. Denn dann sind sie wieder unterwegs, die Bassn aus dem Berchtesgadener Talkessel. Über 40 Bassn gibt es, bestehend aus Krampein, Ganggerln, Buttnmandl und natürlich Nikolaus, Rutenträgern und dem ein oder anderen Engerl. 

Kleine Kinder fürchten sich häufig vor den finsteren Gesellen, Mädchen und junge Frauen nehmen häufig schreiend reißaus. Gefürchtet werden vor allem die Rutenschläge der Krampein, die gelegentlich sicher auch einmal etwas heftiger ausfallen können, aber eigentlich nur Fruchtbarkeitschläge darstellen sollen.

Manch wilde Geschichte kursiert um die wilde Horde, so zum Beispiel von allzu schmerzenden Schlägen, alkoholischen Exzessen insbesondere im Rahmen von Aufnahmeritualien neuer Mitglieder oder Vorwurf, dass sie wie betrunkene Horden durch die Gassen ziehen.

Die Tradition von Buttnmandl, Krampein und Co.

Aber sind sie wirklich solch wilde Gesellen? "Begleitet von Schreckgestalten, wie den Ganggerln und Krampein und den, eigentlich guten Naturgeister verkörpernden Buttenmandln,zieht der heilige Nikolaus am Abend des 5. und 6. Dezember von Haus zu Haus", so heißt es in dem Buch von Martin Hallinger "Der Nikolaus und seine Buttenmandl" aus dem Plenk Verlag. 

Und weiter: "Er hört sich die Gebetln und Liadln der Kinder an, liest aus seinem Buch ihre guten und schlechten Taten vor und beschenkt sie mit Kleinigkeiten. Der Nikolaus ist festlich gekleidet und tritt im Berchtesgadener Talkessel mit großem Gefolge auf".

Und genau dieses Gefolge besteht aus Buttnmandl und Co. Einem altem Brauch zufolge sind eigentlich immer nur maximal zwölf Kramperln pro Bass unterwegs. In den letzten Jahren hat sich das ein wenig gewandelt und mittlerweile ist mancherorts die Gruppe auch größer.

Zugegebenermaßen geht es mancherorts ab und an mal ein wenig wilder zu. Allerdings nicht nur seitens der Bassn, sondern auch seitens diverser Kinderscharen, die einen Heidenspass daran haben, den Bassn hinterherzujagen oder diese zu ärgern. Der traditionelle Gedanke sollte aber eigentlich immer im Vordergrund stehen.

Amtsgerichtprozess um ein Fellbuttnmandl

Eines der Fellbuttnmandl aus dem Berchtesgadener Talkessel steht nun wegen sexueller Nötigung vor dem Amtsgericht Laufen. Der Beschuldigte soll am 5. Dezember 2016 zusammen mit seiner Bass eine Einrichtung in Berchtesgaden in der Oberschönauer Strasse besucht haben. Nach dem offiziellen Teil des Besuches der Bass, soll das Opfer zusammen mit einer Kollegin von den Fellbuttnmandln nach draußen gezogen worden sein.

Nach Aussage der Geschädigten soll sie von dem Angeklagten entgegen ihres Willens zu Boden geworfen worden sein. Als sie am Boden lag, soll sich dieser dann zusammen mit einem anderen Fellbuttnmandl auf sie gelegt haben.

Da das Opfer lautstark protestiert habe, sei das obere Fellbuttnmandl wieder aufgestanden. Der Angeklagte soll sich dann auf sie draufgesetzt haben, ihr das T-Shirt heruntergezogen und ihr gegen ihren Willen an die Brust gefasst haben. Außerdem hätte er versucht dem Opfer die Zunge in den Mund zu stecken, was ihm aber aufgrund ihrer heftigen Gegenwehr aber nicht gelungen sei. Daraufhin habe ihr der Angeschuldigte das ganze Gesicht abgeleckt, obwohl er genau gewusst habe, dass sie damit nicht einverstanden gewesen sei.

Erst als ein Zeuge dazugekommen sei, hätte der Beschuldigte von der Geschädigten abgelassen.

Der Prozess beginnt heute am Amtsgericht Laufen. BGLand24.de berichtet aus dem Gerichtssaal.

Quelle: BGland24.de

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