Sanierungsarbeiten im Endstal 

Bald fertig? - Kehlsteinwege in Kürze wieder begehbar

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Aktuelle Sanierungsmaßnahmen auf den Kehlsteinwegen
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Berchtesgaden - Die Sanierungsmaßnahmen auf den Kehlsteinwegen nähern sich ihrem Ende. BGLand24.de war während der letzten Arbeitstage noch einmal exklusiv auf der Baustelle um die letzten Schritte zu begleiten:

Ist es bald soweit? DieSanierungsmaßnahmen auf den Kehlsteinwegen liegen in den letzten Zügen und sollen zeitnah abgeschlossen werden. Pünktlich zum Regenwetter am Wochenende lagen die letzten abgetragenen Deckschichten sauber verpackt auf dem Parkplatz an der Scharitzkehl, bzw. in einem der Zwischenlager. 

Weiter geht es dann mit den Arbeiten, wenn sich das Wetter wieder bessert. 

Und wie schauen die Wege aktuell aus?

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Wandert man von der Scharitzkehl linkerhand in Richtung Kehlsteinwege, so verläuft der Weg zunächst wenige Meter über den alten Weg und biegt dann recht schnell in die neue Straße ein, die von den Kritikern "Forst-, bzw. Waldautobahn" genannt wird. Hauptkritikpunkt sind hier neben der Breite die neuen, serpentinenartigen Kehren, über welche die Trasse wieder auf die alte Kehlsteinstraße stößt. Vor allem dieses neue Stück mit seinen überdimensional groß wirkenden Serpentinen sind den Kritikern ein Dorn im Dorn. Und in der Tat, aktuell schaut dieses Stück nicht wirklich schön aus:

"Das wächst ganz schnell wieder zu. Im nächsten Sommer ist das alles wieder grün," so Dr. Daniel Müller von den Bayerischen Staatsforsten. Und ergänzt: "Früher hat man solche Stellen mit einem Bitumengemisch bespritzt, um neuen Samen einen besseren Halt zu verschaffen. Mittlerweile hat man festgestellt, dass sich in diesen Bereichen wahre Kleinbiotope befinden und entwickeln. Mit jeder Menge Insekten, Käfern, etc. Wie bei einer alten Kiesgrube. Das ist ein wahres Paradies".

Wie ist der aktuelle Stand bei den ausgebauten Wegen?

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Nach wenigen Metern nähert man sich dann der Kreuzung, wo die neue Trasse auf die alten Kehlsteinwege trifft. Weit gefehlt, wer denkt, die Trassen gehen hier einfach so ineinander über. "Eigentlich wollten wir die neue Strasse ein wenig weiter führen und dann auf den alten Weg treffen lassen. Das war aber aufgrund des Wasserschutzgebietes nicht möglich. Darum waren wir gezwungen schon früher einschwenken und die Wege eher miteinander verbinden. Dadurch mussten wir hier leider jede Menge aufschütten, weil die Straße sonst zu steil für unsere LKWs geworden wäre", so Daniel Müller.

Und der Kreisverkehr?

Ein Kreisverkehr am Berg? In der Tat. Denn dort wo die beiden Trassen aufeinander stoßen, entsteht derzeit etwas, das einem Kreisverkehr signifikant ähnelt. Wenn auch nicht ganz so groß wie im öffentlichen Straßenverkehr. 

Der Grund dafür ist recht einfach, "nicht nur in der aktuellen Bauphase herrscht hier oben reger Verkehr, der ansonsten kaum Chancen hätte, einander auszuweichen.

Bilder: Sanierung der Kehlsteinwege nähert sich dem Ende

Der 'Mehrfuhrenbetrieb' kann schneller altes Material wegzubringen und parallel Neues. Das wird mit Abschluss der Sanierungsmaßnahmen zwar zeitnah vorbei sein, aber auch die Forstfahrzeuge, bzw. Holzlaster die hier zukünftig verkehren sollen, haben so bessere Chancen einander auszuweichen, bzw. die 'Kurve besser zu bekommen', so der Forstbetriebsleiter.

Auf der Zielgraden

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Folgt man im weiteren Verlauf wieder der alten Trasse bergab in Richtung Scharitzkehlalm, dann wird der Weg wieder schmaler, heimeliger und romantischer. Circa zwei Meter breit und mittlerweile mit einer ersten Tragschicht versehen. Diese Tragschicht besteht aus mineralischem Kiesgrubenmaterial in einer Stärke von 0 bis 56 mm. Diese wird auf die sanierten Flächen aufgetragen und verdichtet. Dabei muss darauf geachtet werden, dass ein Abfallwinkel von 3% zur Talseite des Weges eingehalten wird. Dadurch läuft das Wasser bei starkem Regen ins Tal ab. "Das ist bei Wanderwegen so", erläutert Dr. Müller. Und ergänzt: "Würden wir eine Forststraße bauen, dann müssten wir die so bauen, dass das Wasser von der rechten Fahrspur nach rechts abläuft und von der linken Spur nach Links. Dort würde das Wasser jeweils in eine Art Graben laufen, in der das Wasser dann in Rohren ablaufen kann".

Lediglich dort, wo sich die historischen Mauerwerke befinden, darf das Wasser zukünftig nach links, also Richtung Berg ablaufen. Das liegt daran, dass das Regenwasser ansonsten in die historischen Mauerwerke einsickern und diese mit der Zeit beschädigen würde

Mit dem Staubsauger über die Kehlsteinwege

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Bevor der Kies aber aufgeschüttet werden kann, geht noch der Ingenieur und Geologe Dr. Hornung die Wege mehrmals aufmerksam ab. "Von morgens 7 bis abends 7", erzählt Dr. Hornung schmunzelnd. Zusammen mit einem kleinen Saugwagen und zwei Kollegen sorgt er dafür, dass alle letzten alte Teerreste verschwinden. Dazu gehören kleine Teerkrumen oder kleine Steine, die eventuell noch letzte Reste der PAKs enthalten. Mit einem chemischen Schnelltest aus der Spraydose kann der Geologe direkt vor Ort sehen, ob Steine verunreinigt sind oder nicht. Ein chemischer Schnelltest bringt hier schnelle Ergebnisse. Einfach den Stein ansprühen und schon bekommt man das Ergebnis. Wird der Stein weiß, ist alles ok, wird er gelb, dann sind noch Spuren der PAKs vorhanden

Alle weiteren Proben werden im Labor durchgeführt. Hierzu nimmt Dr. Hornung alle 25m eine Probe und hält den Fundort per GPS fest, damit er zukünftig wiedergefunden werden kann - falls nötig. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn im Labor die Proben zu hohe PAK-Werte ergeben würden.

Blick über den Teller-, bzw. Wegesrand

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Aber nicht nur die Steine auf dem Weg werden aufgelesen. "Dadurch, dass das Material hier schon so lange liegt, ist auch der ein oder andere Brocken im Laufe der Zeit den Berg hinunter gerollt. Darum kontrollieren wir auch neben den Wegen und sammeln auch Material ein, dass ein Stück unterhalb des Weges im Wald liegt", so Dr. Hornung.

Der Großteil der historischen Pfeiler konnte stehengelassen werden. Nur einige wenige mussten entfernt werden, an denen "einfach zu viel Teer war. Aber es ist gut, dass wir das ganze Material nun abgetragen haben. Einfach nur überasphaltieren wäre keine dauerhafte Lösung gewesen. Dann hätten wir das Problem nur an die nachfolgenden Generationen abgegeben", so der Geologe.

Aber nicht nur die belasteten Stellen weisen sich durch ihre schwarze Farbe schon auf den ersten Blick aus. "Wenn Sie sich die schwarzen Stelle dort genau anschauen", so Dr. Hornung, "dann bitte nicht mit Teer verwechseln. Wir haben hier auch viele Kohlestücke gefunden, die natürlich ebenfalls schwarz sind. Die Kohle findet man hier, weil die Teerkocher mit Kohle geheizt wurden. Die verbrauchte Kohle wurde dann einfach auf die Wege gekippt".

Und wie war das mit dem Boden für die Rauhfußhühner?

Ist die erste Schicht, also die sogenannte Tragschicht aufgetragen und verdichtet, dann kommt die Deckschicht. 

Diese besteht aus mineralischem Kiesgrubenmaterial mit einer Stärke von 0 bis 20mm. Das schaut dann nicht nur eher aus wie ein Wanderweg, sondern die kleinen Steine werden zum Beispiel auch vom Auerwild benötigt, als sogenannte Magensteine

Mit denen sorgen die Magenmuskeln dafür, dass die Nahrung im Magen zermalmt und aufgenommen werden kann.

Und wie geht es nun weiter?

"Wir gehen davon aus, dass wir Ende dieser Woche mit diesen Arbeiten fertig sind", so Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller. 

"Aber wir müssen jetzt das Regenwetter erstmal abwarten und dann können wir schätzungsweise am Mittwoch wieder starten und die Sanierungs- und Widerherstellungsarbeiten so weit abschließen, dass wir die Wege freigeben können.

Quelle: BGland24.de

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