Frau (50) stirbt bei Lawinenabgang am Kehlstein

Fegg: "Schneerutsch, der nicht durch Beteiligte ausgelöst wurde"

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Lawinenabgang am Kehlstein
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Berchtesgaden - Der starke Neuschnee hat bei der Polizei Berchtesgaden und der Bergwacht zu einem aufwendigen Einsatz am Kehlstein gesorgt. Dabei ist eine Einheimische gestorben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Starker Schneefall hat Sonntagnachmittag eine Lawine am Kehlstein ausgelöst.
  • Eine Einheimische (50) wurde 150 Meter von den Schneemassen mitgerissen und verstarb noch am Unglücksort an ihren schweren Verletzungen.
  • Der Einsatz für die Rettungskräfte ist aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse aufwendig gewesen.
  • Aktuell warnt der Deutsche Wetterdienst vor weiterem Schneefall in den Berchtesgadener Alpen. Bis zu 25 Zentimeter Neuschnee sind in exponierten Lagen möglich.

Update, 21.15 Uhr: Gespräch mit Polizei-Bergführer Jörg Fegg

Das Lawinenunglück am Sonntag ist nicht das erste in diesem Jahr gewesen. Bereits nach dem ersten größeren Schneefall Ende September ist eine Lawine abgegangen. Damals war eine vierköpfige niederländische Familie auf den Weg in Richtung Gotzenalm beziehungsweise Wasseralm. Sie machten gerade Urlaub im Chiemgau und hatten sich zuvor extra noch darüber informiert, ob der Weg sicher sei.

Am Nachmittag, gegen 15 Uhr, gingen sie von der Gotzenalm über die Regenalm ins Landtal. Sie querten unterhalb der Laafeldwände auf etwa 1.650 Höhenmetern auf einem Steig ins Landtal hinein. Kurze Zeit später erfasste ein Schneerutsch den als letzten gehenden 24-jährigen Sohn und riss ihn mit.

Der junge Mann stürzte daraufhin sechzig bis achtzig Meter in felsigem Gelände ab und war sofort tot, da er sich schwerste Kopfverletzungen bei dem Absturz zugezogen hatte.

Im Interview erklärt der Polizei-Bergführer der Berchtesgadener Inspektion, Jörg Fegg, was am Sonntag am Kehlstein passiert ist und wie die die aktuelle Situationen bezüglich Lawinen in den Berchtesgadener Alpen ist.

Interview

Update, 20.30 Uhr: Pressemeldung des BRK

Eine einheimische 50-jährige Skitourengeherin ist am Sonntagmittag auf der Dalsenwinkelstraße am Kehlstein in rund 1.630 Metern Höhe im Bereich der Querung zur Buswendeplatte in der dortigen steilen Rinne von einer Lawine erfasst worden, die sie rund fünfzig Meter bis zur Felskante und dann rund hundert Meter durch steiles, felsdurchsetztes Gelände mitriss. Weitere Tourengeher und die Berchtesgadener Bergretter versuchten die Frau zu finden und wiederzubeleben, konnten sie aber nicht mehr retten.

Die Einheimische war mit Tourenskiern und sendendem Verschüttetensuchgerät (LVS) vom Ofnerboden aus über die Nordostseite des Bergs auf der Dalsenwinkelstraße unterwegs. In rund 1.630 Metern Höhe ging in einer  steilen Rinne eine Lawine ab, wobei sie beim Absturz tödliche Verletzungen erlitt und nur oberflächlich verschüttet am Wandfuß liegen blieb. Vorausgehende Tourengeher - darunter auch ein Ramsauer Bergretter - hatten den Unfall mitbekommen, einen Notruf bei der Leitstelle Traunstein abgesetzt und sofort versucht, die Frau zu finden.

Frau (50) stürzt bei Lawine am Kehlstein ab - tot

Als gegen 12.40 Uhr der erste Notruf einging, schickte die Leitstelle sofort die Bechtesgadener und Ramsauer Bergretter, den Traunsteiner Rettungshubschrauber "Christoph 14", die Lawinenhundestaffel der Bergwacht-Region Chiemgau, die Reichenhaller Bergwacht mit ihrem Notarzt und ihrem Kerosin-Anhänger und den Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht los. Wegen schlechter Handyverbindung war zunächst nicht klar, wo genau sich die Unfallstelle befindet und ob die Frau verschüttet ist. "Christoph 14" flog die Nordostseite des Bergs ab, konnte die Einsatzstelle aber nicht finden, kein LVS-Signal orten und wegen tief hängender Wolken auch nicht höher als 1.600 Meter aufsteigen.

Die Besatzung nahm dann am Zwischenlandeplatz am Kempinski-Hotel in Hintereck ein Lawinenhundeteam auf und schaffte es, beide am Berg abzusetzen. Wegen der sehr schlechten Sichtflugbedingungen machten sie zwei Mannschaften - darunter auch die Bergwacht-Notärztin - mit Fahrzeugen und Schneeketten vom Ofnerboden aus auf den Weg und stiegen dann weiter zu Fuß auf, wobei die ersten Retter kurz nach 13.30 Uhr bei der Abgestürzten eintrafen und sofort mit Wiedebelebungsversuchen begannen. Trotz aller Bemühungen schafften es die Retter nicht, die Frau ins Leben zurückzuholen. Sie transportierten die Verstorbene bodengebunden durchs Gelände bis zum Weg und brachten sie dann ins Tal.

Der KID kümmerte sich vor Ort um betroffene Angehörige. Ein Bergführer der Berchtesgadener Polizei nahm in Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Lawinenwarndienst Bayern die Ermittlungen zum Unfall auf. 29 Kräfte der Bergwachten Berchtesgaden, Ramsau und Bad Reichenhall, der Lawinenhundestaffel und des KID sowie mehrere Polizeibergführer und der Traunsteiner Rettungshubschrauber waren teilweise bis in die Abendstunden im Einsatz.

Pressemitteilung des Bayerischen Roten Kreuzes - Kreisverband Berchtesgadener Land

Update, 18.50 Uhr: Wetterprognose

Aktuell gibt es laut dem Lawinenwarndienst Bayern eine Lawinenwarnung für die Berchtesgadener Alpen. Diese bedient das Gebiet zwischen Saalachtal und Hohem Göll. Höchster Gipfel ist der Watzmann mit 2.713 Metern. Ein Großteil der Gipfel erreicht Höhen zwischen 2.400 und 2.600 Meter.

Aktuelle Daten zur Wetterlage fehlen derzeit auf der Internetseite. Allerdings sind dort Schneehöhen vom 19. November nachzulesen:

  • Reiteralpe: 42 Zentimeter
  • Kühroint/Funtenseetauern: 29 Zentimeter
  • Jenner: 31 Zentimeter.

Laut Deutschem Wetterdienst gibt es aktuell eine Warnung vor Schneefall im Landkreis Berchtesgadener Land. Diese gilt bis Montag, 4 Uhr. Demnach tritt oberhalb von 1.000 Metern Schneefall mit Mengen zwischen zehn und zwanzig Zentimetern auf. In Staulagen werden Mengen um 25 Zentimeter erreicht. Verbreitet wird es glatt.

Zudem soll es oberhalb von 800 Metern leichten Schneefall mit Mengen zwischen fünf und zehn Zentimetern geben. In Staulagen werden Mengen bis zu zwanzig Zentimetern erreicht. Auch in niedrigeren Höhen kann es glatt werden.

Des Weiteren gibt es Warnungen vor Glätte, Frost und Windböen mit Geschwindigkeiten um die fünfzig Stundenkilometer aus westlicher Richtung. Diese gelten bis Montagmorgen. Oberhalb von 1.500 Metern Höhe sind Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis zu 85 Kilometern pro Stunde aus südwestlicher Richtung möglich, in exponierten Lagen sogar bis zu 100 km/h.

Update, 17.15 Uhr: Pressemeldung der Polizei

Am Sonntag um die Mittagszeit ereignete sich im Bereich des Kehlsteins ein Lawinenabgang, bei dem eine Person tödlich verletzt wurde. Eine einheimische, 50-jährige Skitourengeherin war vom sogenannten Ofnerboden aus in Richtung Kehlstein unterwegs.

Im Bereich einer Querung in Richtung Buswendeplatte des Kehlsteins auf etwa 1.630 Höhenmetern kam es in einer steilen Rinne zu einem Lawinenabgang, der die Frau zirka fünfzig Meter bis zu einer Felskante und anschließend hundert Meter über steiles, felsdurchsetztes Gelände mitriss. Die Frau erlitt dabei tödliche Verletzungen.

Durch vorausgehende Tourengeher, die den Unfall mitbekamen, wurde die Rettungskette in Gang gesetzt. Die Ersthelfer vor Ort und die alarmierten Rettungskräfte versuchten vor Ort noch, die Frau zu reanimieren. Ihre Bemühungen blieben jedoch erfolglos.

Die Ermittlungen vor Ort zur Unfallursache werden von einem Polizeibergführer der Polizeiinspektion Berchtesgaden in Zusammenarbeit mit dem Lawinenwarndienst Bayern übernommen.

Im Einsatz waren 29 Kräfte der Bergwachtbereitschaften Berchtesgaden und Ramsau sowie des Kriseninterventionsteams der Bergwacht. Weiter waren noch mehrere Polizeibergführer der Alpinen Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd und der Rettungshubschrauber Christoph 14.

Pressemeldung der Polizeiinspektion Berchtesgaden

Erstmeldung

Der starke Schneefall hat am Sonntagnachmittag zu einem Lawinenabgang am Kehlstein Richtung Ofner Boden/Wanderparkplatz geführt.Bergwacht und Polizei waren rund zwei Stunden im Einsatz.

Eine Frau ist dabei verunglückt. Wie Sprecher Jürgen Thalmeier vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd bestätigt, ist die Frau bei einer Tour verstorben, nachdem sie von den Schneemassen erfasst worden ist. Der Einsatz ist aktuell abgeschlossen. Die Polizei ermittelt weiter zu dem Unglück.

Problematisch bei dem Einsatz ist gewesen, dass der Rettungshubschrauber wegen des schlechten Wetters nicht direkt starten konnte, erklärt Jürgen Thalmeier. Zwei Tourengeher informierten die Bergwacht über die Lawine und die verunglückte Wanderin. Sie stammt aus der Region.

Weitere Informationen sowie ein Interview folgen dazu in Kürze auf BGLand24.de

Quelle: BGland24.de

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