Von Fruchtbarkeitsschlägen, schwarzen Gesichtern und mehr

Der Nikolaus und seine Kramperl - Tradition oder wilde Prügelei?

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Berchtesgaden - Scheppernd ziehen sie durch die Straßen, Mädels flüchten schreiend um den Fruchtbarkeitsschlägen und dem Ruß zu entkommen, den die wilden Gesellen mit sich führen. Was hat es damit eigentlich auf sich?

Zunächst einmal - ganz schwieriges Thema. Nicht einheimisch und dann über diese uralte Tradition schreiben wollen? Und dann noch so weit wie möglich zusammengefasst, bzw. auf das wesentliche reduziert? Das kann doch eigentlich nur schief gehen, oder? Nun - daher fangen wir als Erstes mit den absoluten "No-Go`s" an:

Vorsicht: So bitte nicht!

Wer zumindest ansatzweise mitreden möchte, der darf vorher erst einmal Vokabeln lernen. So zum Beispiel bei dem Wort "Larve".  Rutscht einem das Wort Maske versehentlich heraus, dann ruft dieser Faux-Pas definitiv ein erstes Stirnrunzeln hervor! Ebenfalls aufpassen sollte man bei dem zottigen Fell der Kramperl tunlichst nicht von einem Kostüm sprechen. Und genausowenig laufen Strohmänner sondern Buttenmandl übers Land. Und eine Gruppe ist es auch nicht, die während der Zeit durch die Straßen und über Felder zieht, sondern eine Bass. Immerhin, bei den Engerln und dem Nikolaus läuft der Traditionsunkundige relativ wenig Gefahr sich wortwörtlich in die Nesseln zu setzen. Eventuell birgt das Nikoloweibi, dass mancherorts mitläuft noch die ein oder andere Gefahr.

Darum geht es in dem Brauch

"Begleitet von Schreckgestalten, wie den Ganggerln und Krampein und den, eigentlich gute Naturgeister verkörpernden Buttenmandln, zieht der heilige Nikolaus am Abend des 5. und 6. Dezember  von Haus zu Haus", so heißt es in dem Buch von Martin Hallinger "Der Nikolaus und seine Buttenmandl" aus dem Plenk Verlag. Und weiter: "Er hört sich die Gebetln und Liadln der Kinder an, liest aus seinem Buch ihre guten und schlechten Taten vor und beschenkt sie mit Kleinigkeiten". Der Nikolaus ist festlich gekleidet und tritt im Berchtesgadener Talkessel mit großem Gefolge auf. 

Dieses sind in der Regel die Buttenmandl, die Krampein und die Ganggerln. Der Nikolaus ist die wichtigste Person in der Bass und nur das Ganggerl darf vor ihm laufen, alle anderen müssen ihm folgen. Ganz am Ende laufen noch die "Ruatntroger", die Rutenträger. Das sind junge Burschen, die traditionsgemäß noch keine 16 Jahre alt sind und eine Kraxn, Zistl oder alten Rucksack dabei haben, in denen sie die Ruten der Buttenmandl und Krampein tragen.

Erst einmal zum Gebet

Wenn alle Buttenmandl und Kramperl im Stroh, bzw. Fell stecken holen die "wilden Gesellen" mit lautem Geschrei den Nikolaus ab und ziehen zum Gebet. Dabei stellen sich die Buttenmandl im Kreis auf, neben dem Nikolaus steht die Bäuerin des Hofes, wo das Gebet stattfindet. Während des Gebetes darf die "Larve" nicht getragen werden. Nach dem Gebet besprengt die Bäuerin jedes einzelne Buttenmandl mit einem Tannenzweig, dem sogenannten Daxersteirei, mit Weihwasser. Es folgt ein kurzes Gespräch zwischen dem Buttenmandlmeister und dem Nikolaus und dann bläst der Buttenmandlmeister in sein Ochsenhorn, bzw. schreit zu seiner Bass: "Auf geht´s Buttenmandl". Damit sind die beiden Tage offiziell eröffnet.

Die Ruten dürfen übrigens erst nach dem Gebet zum Einsatz kommen und auch der Ruß muss solange in den Beuteln bleiben. Erst dann darf geschwärzt werden, was das Zeug hält. Bös wirds, wenn manche Bassn statt Russ eine Art Schuhcreme nehmen. Dann hat der oder diejenige, die ihn im Gesicht hat, doppelt Spaß. Beim "Eingeschwärzt werden" und beim "wieder abwaschen". Ist der Startschuss gefallen, hat die Bass einen langen Weg vor sich. Rund 20 bis 30 Familien warten auf den Besuch der Bass. Traditionsgemäß wird vor den Häusern, in denen auf die Bass gewartet wird immer kurz Halt gemacht. Dann geht es los, das "gscheids Gleit", das laute Scheppern mit den Glocken, mit dem auf das Haus zugelaufen wird.

Der Einkehrbrauch

Dieser hat nichts mit der Einkehr in eine Wirtschaft zu tun, auch wenn den Bassn immer wieder nachgesagt wird, dass nicht unerheblich viel Alkohol im Spiel ist. Unter dem Einkehrbrauch versteht man den Besuch der Bass im Haus. Je lauter das Geschepper wird, desto näher kommen die wilden Gesellen, die schon manchem Kind das Fürchten gelehrt haben. Der Besuch im  Haus startet in der Regel mit einem "Gelobt sei Jesus Christus" und dann kommen als Erstes die "bösen oder guten Taten" der anwesenden Kinder zur Sprache. Die Kramperl drohen dabei grimmig mit der Rute und verteilen ab und an auch den ein oder anderen Schlag. Zur Widerherstellung der guten Stimmung heißt es dann schnell ein Gedicht aufsagen und am besten noch ein kleines Lied singen, um den Nikolaus und seine Kramperl wieder friedlich zu stimmen, damit er doch endlich seinen Sack öffnet und die Geschenke herausholt. Auch zum Abschied erklingt wieder lautes Geschepper und schon ist der "Spuk" wieder für ein Jahr vorbei.

Noch mehr Wissenswertes

Nach altem Brauch sind eigentlich immer nur maximal zwölf Kramperln pro Bass unterwegs. In den letzten Jahren hat sich das ein wenig gewandelt und mancherorts ist die Gruppe größer. Die Zahl Zwölf hat traditionell mit den Rauhnächten zu tun. Lief ein 13. mit, so galt diese Anzahl als ein Garrant für Unglück. 

Und noch etwas ist den traditionsbewussten Berchtesgadenern ganz wichtig. Hier handelt es sich nicht um einen kommerziellen Umzug. Das ist wahre Tradition liebe Nicht-Einheimischen und hat nichts, aber auch garnichts mit einem Faschings- oder sonstigem Umzug zu tun, der gar noch nur für die Touristen veranstaltet wird.

Wilde Prügelei oder Tradition - Was ist dran an den Vorwürfen?

Ausschreitungen, Schlägereien, Notrufe so lautete die Zusammenfassung des Krampustreibens vor zwei Jahren in Bad Reichenhall. Im Salzburger Land sind die wilden Gesellen sogar noch wilder oder auch "härter", wie die Jugendlichen die Umgangsformen der Bassn nennen. Um solche Zwischenfälle zu vermeiden gibt es seit einier Zeit ausführliche Gespräche zwischen den Bassn, der Polizei und den Gemeindevertretern, in denen es darum geht, den traditionellen Lauf nicht in eine wilde Prügelei ausarten zu lassen. 

Fakt ist, das Nichterkanntwerden durch die Maske mag den ein oder anderen sicherlich schon einmal dazu verführt haben, mit der Rute ordentlich auszuholen beim Verteilen der Fruchtbarkeitsschläge oder beim Abwehren der Kinder und Jugendlichen, die es sich zum Spaß machen, den Bassn hinterherzujagen. Das ist Aufgabe der Kramperl, da diese wesentlich bewegungsfreudiger sind, wie die in Stroh eingebundenen Buttenmandl. Der traditionelle Gedanke sollte aber eigentlich immer im Vordergrund stehen.

Auch der Vorwurf des nicht unerheblichen Alkoholgenusses steht immer wieder im Raum. Bei der sogenannten Mutprobe, um erst einmal in die Bass aufgenommen zu werden und auch während des Laufes der Bassn am 5. und 6. Dezember. Die Aufnahmerituale haben sich nach einigen allzu starken Alkoholexzessen der Neulinge in letzter Zeit ein wenig relativiert und auch ist nicht jede Bass volltrunken unterwegs. Im Gegenteil, das schwere Gewicht des Fells und vor allem der Glocken lässt manches Kramperl oder Buttenmandl ganz schön leiden, sodass bei den Stationen häufig lieber zum gereichten Wasser gegriffen wird, statt zum nächsten Schnapserl.

Wütender Angriff auf Buttenmandl

Nicht wirklich leise geht es zu, wenn die Bassn mit den Glockn scheppern und das laute "Auf geht´s Buttenmandl" durch die Straßen ertönt. Das störte vor einigen Jahren einen 22-jährigen sogar so sehr, dass er völlig erböst zwei Brandkörper aus seinem Fenster auf die untenstehende Bass warf. Der  Täter wurde anschließend zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Über 40 Bassn

Weit gefehlt wer der Meinung ist, dass nur eine Bass in dieser Zeit ihr Unwesen treibt, in jeder Gemeinde gibt es gleich mehrere davon. Welche Bassn es alle im Umkreis von Berchtesgaden gibt, lesen Sie in einem weiteren Artikel auf BGLand24.de

Kramperl oder Perchten?

Wer die Berchtesgadener Kramperl als Perchten bezeichnet, der begeht übrigens ebenfalls einen Fehler. Die Perchten gibt es in Österreich, im Chiemgau und an vielen anderen Orten. Im eigentlichen Berchtesgadener Talkessel gibt es sie  nicht. In der Nachbargemeinde Bad Reichenhall kommen im Januar die Weißen Perchten, bzw. die sogenannten Karlsteiner Perchten. Diese ziehen ganz in weiß gekleidet, mit einem Gürtel mit Kuhglocken, aber ohne Ruß im Gesicht und ohne Masken von Haus zu Haus und wünschen den Bewohnern Glück.

Auch hier dürfen in Anlehnung an die 12 Rauhnächte maximal 12 Karlsteiner Junggesellen laufen und auch die Anzahl der Läufe jedes Einzelnen ist auf 12 Teilnahmen begrenzt. Angeführt werden sie von der Perchtnmuatta (Perchtenmutter). Darunter versteht man den Percht der von allen am öftesten gelaufen ist. Dieser Lauf geht auf einen alten heidnischen Brauch zurück, der seit dem 17. Jahrhundert gepflegt wird.

Verschiedene Termine

Der Großteil der Bassn läuft am 5. und 6. Dezember. Ein paar Ausnahmen gibt es, wie zum Beispiel in Loipl, dort ist der Nikolaus mit seinem Gefolge bereits am 1. Advent unterwegs und in der Maria Gern kommt er am Heiligen Abend. Weitere Informationen über den Nikolaus finden Sie in dem Buch "Der Nikolaus und seine Buttenmandl" von Martin Hallinger oder  "Der Heilige Nikolaus und seine Kramperln und Buttenmandl" von Willi Meilinger. Beide Bücher sind im Plenk Verlag erschienen.

BGland24.de berichtet heute übrigens um 14 Uhr auf Facebook live über die Buttenmandln des Gebirgsjägerbataillons der Strub. 

Quelle: BGland24.de

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