Workshop am CJD in Berchtesgaden

"Ich passe nun besser auf,  was ich online mache"

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So klappt´s mit Handy, Internet & Co. - Workshop im CJD Gymnasium Berchtesgaden
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Berchtesgaden - "Mein Sohn hat kein Snapchat, der ist noch zu jung", „Meine Tochter ist nicht auf Facebook, die ist doch noch gar nicht alt genug“. Wissen wir wirklich, was unsere Kinder im Internet treiben?

Wir fanden den Vortrag richtig klasse und haben auch jede Menge erfahren, was wir vorher nicht gewusst haben“, „Ich fand es toll, dass den Workshop jemand gemacht hat, den wir kennen, da kann man viel einfacher fragen“, „Manches wusste ich schon, vieles aber auch nicht! Ich passe jetzt auf jeden Fall viel besser auf was ich tue, auch wenn jemand mal etwas Blödes in einer Whats App Gruppe schreibt

Das positive Feedback der drei Klassen nach dem Workshop zum Thema „Handy, Internet, Mobbing & Co“ war lang und sehr erfreulich. Gute drei Stunden veranstalteten zwei Eltern aus der Unterstufe einen Workshop für die 6., 7. und 8. Klasse, sowie einen Teil der Lehrerschaft. 

Selfies, Musikdownload, Bildrechte & Co. 

Das Thema Mobbing ist nicht neu und nimmt immer erschreckendere Ausmaße an. Auch unter Schülern, die immer früher ein Smartphone in die Hand gedrückt bekommen. Sei es aus Gruppenzwang oder aus Bequemlichkeit der Eltern. Smartphone, Playstation, Fernseher – alles praktische Mittel um die Kinder ruhigzustellen um sich nicht mit ihnen auseinandersetzen zu müssen

Der (Un-) sinn dieser Medien war nicht Zweck der Veranstaltung, sondern vielmehr den Kindern bewusst zu machen, wie sie verantwortungsvoll damit umgehen. Wenn es schon leider viele Eltern nicht tun. Oder sich gar nicht bewusst sind, welche Gefahren lauern, weil sie sich selber viel zu wenig mit diesem Medium auseinandersetzen. 

Mobbing 

Vor einigen Jahren wurde eine Studie veröffentlicht, dass alleine in Deutschland rund 15-20% der Selbstmorde auf Mobbing zurückzuführen sind – Tendenz steigend. 

Spannend, lustig und lehrreich war ein Freiwilligenversuch während des Workshops: Vier Schüler lasen eine kurze WhatsApp-Kommunikation vor. Herausgefunden werden sollte, ob man diese Wörter die dort über und an Klassenkameraden gerichtet wurden, wirklich so schreiben sollte

Großes Gelächter beim Vorlesen der Kommunikation - aber auch einhellige Meinung: Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort

Erstes Ziel erreicht: „Ich glaube ich überlege zukünftig, was ich wem schreibe. Das klingt gesprochen ja doch echt heftig“. So eine Schülerin in der Pause zu den Referenten. 

Von Beleidigungen bis zur Straftat 

Dieser Grat ist ganz schön schmal. Und wer glaubt, man kommt ungeschoren davon, nur weil man noch keine 14 Jahre alt ist – weit gefehlt. Bis 14 Jahre ist man strafunmündig. Eine Anzeige wird also erstmal wieder fallengelassen. Aber es gibt ein sogenanntes Bundeszentralregister. Dort werden solche Anzeigen eingetragen. 

Stellt man dann in einem Alter ab 14 Jahren etwas an, dann ist die eigene Akte schon nicht mehr so blütenweiß, wie sie sein sollte. Und eine beleidigende Streiterei in einer Whats-App-Kommunikation kann schnell zu einer Anzeige wg. Beleidigung führen, was vielen Kindern und Jugendlichen übrigens gar nicht bewusst ist. 

Porno, Gewaltvideos und mehr 

Das Recht auf das eigene Bild - Gehört haben viele Kinder schon davon. Aber was da alles drunter fällt und wie schnell ein vermeintlich lustiges Bild, was für denjenigen der abgebildet ist ganz schnell peinlich werden kann, da staunte ein Großteil der Kids nicht wenig. 

Denn auch hier ist der Grat ziemlich schmal zwischen dem lustigen Foto unter der Dusche oder nach der Party und dem darauffolgenden Spießrutenlauf durch die Nachbarschaft, Schule oder den Sportverein. Und das will eigentlich keiner. 

Auch nicht wirklich bewusst ist vielen Kindern und Jugendlichen, welche Gefahren für sie selber darin lauern, wenn sie Dateien weiterschicken. Schnell fällt das vermeintlich lustige Bild oder Video dass man macht und verschickt oder einfach nur weiterverschickt unter sexuelle Beleidigung, pornografische Schriften oder gewaltverherrlichende Schriften. 

Und das ist dann nämlich schon eine Straftat und überhaupt nicht mehr lustig. Hier warten je nach Alter nicht nur hohe Geldstrafen, sondern auch Freiheitsstrafe auf denjenigen, der so etwas verschickt. 

Wissen wir wirklich, was unsere Kinder tun? 

Was für viele Kinder und Jugendliche völlig selbstverständlich ist, löst bei einem Großteil der Erwachsenen fassungsloses Kopfschütteln aus. „Mein Sohn hat kein Snapchat, der ist noch zu jung“. „Meine Tochter ist nicht auf Facebook, die ist doch noch gar nicht alt genug“. Weit gefehlt liebe Eltern. Auf Facebook sind in der Tat wenige unserer Kinder. 

Aber nur aufgrund der Tatsache, dass wir dort so zahlreich vertreten sind. Aber bei Snapchat & Co. kann man ganz einfach sein Alter in x-beliebiger Höhe falsch eingeben und niemand kontrolliert wie alt der- oder diejenige wirklich ist. Wenn dann die Kids gedankenlos auf Kontaktaufnahmen ihnen nicht bekannter Handynummern antworten und drauflos plaudern und vielleicht sogar noch die GPS-Funktionen aktiv haben, dann kann die Panik auf einmal ganz groß werden, wenn es in so einem Chat auf einmal heißt: „Du, ich sitze übrigens in dem schwarzen Auto vor Deiner Tür, kommt doch mal raus“. 

Meine Daten gehören mir 

Bilder, Kontaktdaten, Geheimnisse – die sind noch immer am Besten im Fotoalbum oder Tagebuch aufgehoben. Denn das Internet vergisst fast nix. Sind ein Bild oder eine Info erstmal verschickt, dann hat man keine Chance mehr genau nachzuvollziehen, wo was landet und ob wirklich überall alles gelöscht wird. 

Server auf den Osterinseln haben andere Geschäftsbedingungen wie in Deutschland, Datenkraken wie Google, Facebook & Co sind weltweit vernetzt und dann kann auch jeder schnell mal eben dieses Bild oder Video auf sein Handy runterladen

„Dann kannst Du genauso gut Dein Bild aus der Umkleidekabine im Schulbus oder auf der Straße verteilen und das würdest Du ja auch nicht tun, oder?“ – großes Kopfschütteln in der Runde. 

Download, Internetkäufe und mehr 

Um es kurz zu machen, auch hier laufen die Kinder in so viele unzählige Fallen. Und mal ganz ehrlich: Wer von uns Erwachsenen liest die Geschäftsbedingungen von Anfang bis Ende? Und dann erwarten wir es von unseren Kindern? Die einfach mit dabei sein wollen, was alle machen? Weit gefehlt! Aber der Aufschrei der Eltern ist groß, wenn die Handyrechnung ins Unermessliche steigt oder etwas ins Haus flattert, was man eigentlich nicht wollte.

Passwort 

Tom2002, Lisamaus1996, diese Passwörter sind nicht wirklich sicher. Eigentlich weiß jedes Kind - und in der Tat, hier kannten sich viele der Kids aus - dass Passwörter viel zu leicht zu knacken sind, wenn man Namen, Geburtsdaten oder ähnliches verwendet. 

Toller Tipp: Satz ausdenken, Anfangsbuchstaben als Passwort nehmen und fertig.

Tipps für Kinder und Eltern 

Die Themen im Workshop waren noch länger und hätten noch viel länger sein können. Gefahren und Tipps rund um das Thema Internet, Handy & Co. könnten Tage füllen. Ganz wichtig: Einfach mal miteinander reden

Es ist nicht peinlich, den Eltern mal Chats oder Videos zu zeigen und sie zu fragen oder mit ihnen über die Inhalte zu reden. Es ist auch nicht zu viel von den Eltern verlangt, sich mal die Zeit zu nehmen, um mit ihren Kindern zu reden. Denn dafür hat man schließlich Kinder, oder? 

Mit den Eltern reden – Nein Danke? 

Dann bitte die Tante oder Onkel, Vater oder Mutter eines Schulfreundes, den Lehrer oder sonst wen ansprechen, aber bitte nicht mit sich selber ausmachen. Das geht leider häufig schief. 

Schnell sind wir dann wieder bei Mobbing, psychischen Problemen oder sonstigen Gefahren. Und leider, leider – hatten wir als Kinder mit solchen Problemen und Belästigungen mal zu kämpfen, dann leiden wir häufig ein Leben lang darunter und sind weitaus stärker selbstmordgefährdet. 

Und das muss nicht sein. Und auch wenn unser Freund und Helfer, die Polizei, sicher immer viel zu tun hat, auch sie sind stets bereit, bei solchen Dingen zu helfen und einen Rat zu geben. 

Einfach mal googeln 

Das Internet bietet viele Gefahren, aber auch viele Möglichkeiten sich zu informieren, zum Beispiel Kinderkrimis, in denen Kinder in die Fallen tappen, in die wir sie nicht schicken wollen: 

Netzangriff - der Film über Cybermobbing

Krimi.de 16 Erfurt - Chatgeflüster

Informative Portale 

Jonathan Jugendhilfe

Handysektor

Juuuport.de

Polizei

Nummer gegen Kummer

Der Workshop wurde durchgeführt von Petra Sobinger, verantwortliche Redakteurin BGLand24.de, sowie Werner Schmidbauer, Informatiker. Beide sind Elternteile zweier Schüler am CJD Gymnasium Berchtesgaden.

Quelle: BGland24.de

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