Als "German Doctor" im Entwicklungsland - Teil 3

"Die größte Gefahr lauert im Verkehr"

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Dr. Michael Hohlfeld
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Berchtesgaden - Als Arzt im Entwicklungsland. Traum oder Alptraum? Der Berchtesgadener Dr. Michael Hohlfeld berichtet über sein Leben als German Doctor. Im dritten Teil spricht er über die Gefahren, die einen vor Ort erwarten:

Als German Doctor in Nairobi

Die Koffer sind schon wieder ausgepackt und der Alltag hat ihn bereits wieder. Der Berchtesgadener Dr. Michael Hohlfeld fährt jedes Jahr als German Doctor für sechs Wochen in ein Entwicklungsland um dort unentgeltlich Kranke zu behandeln. Philippinen, Indien, Ruanda und nun schon das dritte Mal in Nairobi. BGLand24.de hat den Kinderarzt getroffen und mit ihm gesprochen. In unserer insgesamt dreiteiligen Interviewserie erzählt Dr. Hohlberg von seiner Tätigkeit als "German Doctor" und über die Erlebnisse und manchmal auch Schicksalsschläge, die er dort tagtäglich erlebt.

BGLand24.de im Interview mit Dr. Michael Hohlfeld

Wie und wo wohnen die Ärzte während ihrer Tätigkeit als German Doctor?

Wir wohnen etwas außerhalb in einem Haus, dass die Organisation für uns gemietet hat und haben jemand der uns fährt. Die letzten Meter gehen wir aber eigentlich immer zu Fuß durchs Dorf, weil es einfach dazu gehört und auch Spaß macht, die Menschen zu sehen. Und diese freuen sich auch immer uns zu sehen!

Außerdem ist es schließlich auch wichtig zu erfahren, wie die Patienten leben. Darum gehen wir auch immer mit einer Sozialarbeiterin durch die Slums zu den Leuten nach Hause, um zu sehen, wie sie leben. Wenn man das sieht, dann ändert man automatisch auch sein Verhalten und seine Einstellung. Wo man in Deutschland vielleicht nicht so schnell ein Antibiotikum verschreiben würde, machen wir das hier schon eher, weil einfach die hygienischen Verhältnisse ganz anders sind.

Haben Sie schon einmal gefährliche Situationen erlebt?

German Doctor Michael Hohlfeld in Nairobi

Nein, nicht wirklich. Klar, man sollte sich auch an gewisse Regeln halten, wie zum Beispiel nicht Nachts alleine durch bestimmte Gebiete laufen. Dann sollte man natürlich auch nicht mit irgendwelchen teuren Sachen provozieren oder ähnliches. Aber das ist ja klar. Ansonsten ist es natürlich auch dort so, dass die Gegend in der wir wohnen oder in denen reichere Leute wohnen, anders sind wie die Slums. Dort wo wir wohnen wird mehr abgesperrt und teilweise auch bewacht. Aber das gefährlichste ist eigentlich wie bei uns daheim der Verkehr auf den man aufpassen muss. Und generell gilt sicherlich auch, dass keine ängstlichen Leute solche Projekte machen sollten, denn man sollte immer flexibel und spontan sein können.

Kommt man mit den Einheimischen auch neben der medizinischen Versorgung in Kontakt

Nein, eher weniger. Schwerpunktmäßig treffen wir uns mit den anderen Deutschen oder Österreichern die dort auch arbeiten. So machen wir zum Beispiel an den Wochenenden häufig gemeinsame Ausflüge.

Und gefährlich im Sinne der Ansteckungsgefahr?

Nun, es ist natürlich schon, dass Tuberkulose eigentlich fast weg war, aber durch die Aids-Erkrankungen kommt die Tuberkulose leider wieder zurück. Das liegt daran, dass HIV das Immunsystem schwächt. Und da müssen wir natürlich auch aufpassen. Aber generell haben wir ja bei den Untersuchungen immer Handschuhe an und passen natürlich schon auf.

Mit welchen Haupttodesursachen werden Sie dort im Alltag konfrontiert?

Die Haupttodesursachen sind in der Regel Pneunomien, also Lungenentzüdungen. Dann leider auch häufig starke Durchfälle oder Erbrechen. Viele Kinder kommen auch total ausgetrocknet zu uns und wir versuchen dann hier mit Infusionen zu helfen. 

Ändert solch ein Einsatz die Sicht, bzw. den Spaß in solch ein Land in den Urlaub zu fahren? 

German Doctor Michael Hohlfeld in Nairobi

Man braucht eigentlich nicht in den Urlaub zu fahren finde ich. Ich finde das Leben, bzw. die Arbeit dort wahnsinnig interessant und es macht parallel auch wahnsinnig viel Spaß. Ich bin einmal gefragt worden, warum ich nicht stattdessen zu den Flüchtlingslagern fahre. Klar, das könnte ich auch machen, aber in einem Entwicklungsland ist so eine Arbeit noch einmal anders. Und dann kommt natürlich auch noch das Wetter dazu, die Leute, einfach das pulsierende Leben an sich, das dort herrscht. 

Fahren Sie immer alleine dorthin?

In diesem Jahr hat mich mein Sohn begleitet. Er hat sein Examen gemacht und wir sind dann gemeinsam auf den Kilimandscharo. Das war schon ein wirklich tolles Erlebnis für uns Zwei.

Warum auf den Kilimandscharo?

Auf dem Kilimandscharo

Nun, der Kilimandscharo ist ja ein überragender Berg, der höchste Afrikas. Letztes Jahr las ich einen Artikel im Alpenvereinsheft von Dr. Maria Furtwängler. Sie ist Schauspielerin, Ärztin und Presidentin des Kuratoriums für German Doctors. Sie ging mit Mutter und Tochter auf der Lemosho Route auf den Kilimanjaro. So kam ich auf die Idee und nach Beendigung der Arbeit in Nairobi bin ich dann mit meinem Sohn, der das letzte Medizin Staatsexamen Anfang Dezember bestanden hatte, auf dieser Route ebenfalls zum Kilimandscharo gegangen. Dies ist eine wunderschöne Route, die insgesamt 8 Tage dauert. Man geht sie mit Zelten, Träger, Bergführer und Koch. Man geht dabei von 2.200 m durch verschiedene Vegetationszonen bis auf knapp 6.000m. 

Anschließend haben wir zum Abschluss noch einen Tag gemeinsam in unserem Slum in Nairobi als Ärzte gearbeitet.

Wie ist das Verhältnis der Ärzte untereinander?

Wir verstehen uns alle immer sehr gut. Sogar so gut, dass ich mit Begeisterung gemeinsam mit den Austrian Doctors gerne nebenbei Würstel auf dem Christkindlmarkt verkaufe. Zumindest wenn ich um diese Jahreszeit einmal daheim bin.

Über die German Doctors 

German Doctor Michael Hohlfeld in Nairobi

Die German Doctors leisten freiwilllige und unentgeltliche Arzteinsätze in Entwicklungsländern. Die Organisation ist nicht regierungsgesteuert und arbeitet in Projekten auf den Philippinen, in Indien, Bangladesch, Kenia und Sierra Leone. Die Ärzte arbeiten in ihrem Jahresurlaub oder im Ruhestand für einen Zeitraum von 6 Wochen und verzichten dabei auf jegliche Vergütung. Seit 1983 wurden so bereits über 6.700 Einsätze mit über als 1.300 Medizinern durchgeführt.

Mehr zu den German Doctors lesen Sie unter www.german-doctors.de

Quelle: BGland24.de

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