Aus der Facebook-Gruppe: "Das ärgert uns im Berchtesgadener Land"

"Es macht mich traurig, wie wir Menschen mit der Natur umgehen"

+
Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert
  • schließen

Berchtesgaden - Seit dem Frühsommer werden die Kehlsteinwege am Obersalzberg saniert. Schon vor der Sanierungsphase wurde das Für und Wider heiß diskutiert. Nicht minder heftig sind nun die Diskussionen zum Ende der Sanierungsphase:

Anfang Juni fiel der Startschuss zur Sanierung der Kehlsteinwege. Mittlerweile sind die Sanierungstrupps bereits im Endstal angelangt. Dieser Bereich fällt in das Gebiet vom Nationalpark Berchtesgaden und in das Wasserschutzgebiet.

Neue Wege für die Bayerischen Staatsforsten

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Um die Quellen und das Grundwasser zu schützen, mussten besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Diese haben dazu geführt, dass ein bestehender Wanderweg zu einer breiteren Forststraße ausgebaut wird, der zukünftig von den Bayerischen Staatsforsten für forstliche Tätigkeiten genutzt werden kann. Die bisherige Forststraße soll dafür zukünftig nicht mehr vom Schwerlastverkehr genutzt werden, sondern nur noch für Rettungsfahrzeuge, bzw. für Bergsportler zu Fuß oder auf dem Rad. "Der Vorteil dabei ist, dass wir zukünftig den Schwerlastverkehr aus dem Endstal und dem Wasserschutzgebiet heraushalten", so Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller im Gespräch mit BGLand24.de. Seitens der Bevölkerung sind nicht wirklich alle mit diesem Vorgehen einverstanden.

"Ein Drama, was sich in unserem Wald abspielt"

Sanierung der Kehlsteinwege - So wird derzeit saniert

Kaum hatte die Bayerische Forstverwaltung damit begonnen, diese neue Wegführung in Angriff zu nehmen, hagelte es die ersten Beschwerden. "Das ist der absolute Wahnsinn. Hier wird Geld vernichtet und gleichzeitig alles kaputt gemacht. Nur dass dann mit riesigen Maschinen gearbeitet werden kann. Der giftige Teer wird nur als Vorwand verwendet", so macht ein Facebook User seinem Unmut in der Facebookgruppe "Das ärgert uns im Berchtesgadener Land" Luft. 

Aber nicht nur die finanziellen Ausmaße werden kritisiert, auch der Eingriff in die Natur- und Tierwelt stößt den Kritikern auf "Ein Drama was sich in unserem Wald abspielt und wehe wenn die Rehe die Spitzen von den Tannen abknabbern", so eine Userin. 

Und ein anderer betont: "Das sind definitiv Auerhahn und Haselwildbiotope".

Rückfrage beim Landratsamt Berchtesgadener Land

BGLand24.de hat beim Landratsamt Berchtesgadener Land nachgefragt, wie es mit dem Auer- und Haselwildbestand in diesem Bereich aussieht:

Kommen im Bereich der Scharitzkehlstraße geschützte Arten wie zum Beispiel Auer- und Haselwild vorkommen?

Im Bereich des Vorhabens liegen der Unteren Naturschutzbehörde weder entsprechende Auerwildkartierungen vor noch befinden sich andere artenschutz- bzw. biotopkartierte Flächen im Eingriffsbereich. Diese Informationen kann jedermann über die Anwendung FinWeb im Bereich "Planungsgrundlagen" einsehen. 

Wurde eine Umweltverträglichkeitsprüdung durchgeführt?

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung wurde nicht durchgeführt und ist auch nicht notwendig. Besonders geschützte Bereiche sind wie oben erwähnt nicht betroffen. Die rechtlichen Grundlagen für die Zulassung von Waldwegen wurden in einer gemeinsamen Bekanntmachung der Bayerischen Staatsministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie für Umwelt und Gesundheit erarbeitet.

Diese und weitere allgemeine Informationen sind auf unserer Internetseite lra-bgl.de zu finden. Im vorliegenden Fall wurde der Eingriff zudem dahingehend minimiert, als dass die neue Forststraße zum großen Teil auf einem schon lange bestehenden Rückeweg entsteht. Eine großflächige Rodung war daher nicht nötig ist. Zudem kann mit dieser Maßnahme der bestehende Weg, der durch das Wasserschutzgebiet und auch durch den Nationalpark führt, zurückgebaut werden.

Wird die neue Straße später auerwildgerecht gebaut?

Der neue circa 3 m breite Forstweg wird als Rohplanum mit Spitzgraben und einer kiesgebundenen Bauweise errichtet, eine Barrierewirkung für Auerwild oder negative Auswirkungen auf den Lebensraum sind durch den Wegebau aus fachlicher Sicht nicht zu erwarten.

Tierfreunde laufen Sturm

Auerwild am Obersalzberg

Mit fortschreitender Erweiterung der neuen Straße, laufen allerdings immer mehr Tierfreunde Sturm: "Das ist eindeutig Auer- und Haselwildgebiet. Ich habe dort selber schon Tiere beobachtet", so ein Berchtesgadener, der dort regelmäßig mit seinen Hunden spazieren geht. "Es sind die Wälder meiner Kindheit. Jeden Tag hab ich dort verbracht, habe viele Tiere beobachtet. Auerhuhn, Auerhenne mit Kleinen, Haselhuhn, Rehe, Gämse, und alle Spechtsorten zu sehen war nichts Aussergewöhnliches, sondern an der Tagesordnung. Oft bin ich mit meiner Oma auf der Salzwandbank gesessen und wir haben Brotzeit gemacht. Der Blick ging über unglaublich weite Wälder und unberührte Natur. Da macht es einfach traurig, wie wir Menschen mit der Natur umgehen", so eine Spaziergängerin per Leserbrief an BGLand24.de.

Aber welche Lebensräume brauchen Auer- und Haselwild überhaupt?

Lesen Sie am Nachmittag auf BGLand24.de welche Lebensräume Auer- und Haselwild brauchen und was der Bayerische Staatsforst zu den Vorwürfen sagt.

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser