Um Infektionswege auszuschließen oder zu unterbrechen

Coronavirus im Berchtesgadener Land: "Das öffentliche Leben muss eingeschränkt werden"

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Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Karl-Werner Tiling, Landrat Georg Grabner und der Leiter des Schulamtes, Klaus Biersack (v.l.) haben über die aktuelle Situation bezüglich des Coronaviruses im Berchtesgadener Land informiert.

Berchtesgadener Land - Am Mittwochabend sind die ersten Coronavirus-Fälle im Berchtesgadener Land bekannt geworden. Der Freistaat Bayern hat außerdem die Schließung aller Schulen beschlossen. Was genau das im Landkreis bedeutet, erläuterte das Gesundheitsamt in einem Pressegespräch.

Seit Mittwochabend ist auch das Berchtesgadener Land vom Coronavirus betroffen. Eine Frau aus Schönau am Königssee war mit ihren beiden Kindern und ihrem Lebensgefährten aus Bischofswiesen in Südtirol im Urlaub. "Zu diesem Zeitpunkt war Südtirol noch nicht als Risikogebiet eingestuft und alle vier zeigten bei der Rückkehr keinerlei Symptome", betont der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Karl-Werner Tiling, in einer Pressekonferenz. "Alle vier haben sich absolut richtig verhalten!"

Zwar waren die Kinder nach der Rückkehr aus Südtirol symptomfrei in die Schule gegangen, doch sobald Südtirol als Risikogebiet eingestuft worden sei, hätten sich alle vier freiwillig testen lassen. Mittwochabend dann die Gewissheit, alle vier sind am Coronavirus erkrankt und befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Coronavirus im Berchtesgadener Land: "Es gilt, die Welle der Schwerkranken abzufangen"

"Derzeit gibt es 30 Kontaktpersonen der engeren Art", so Tiling. "Sie befinden sich in häuslicher Quarantäne, dürfen das Haus nicht verlassen." Das gelte für zwei Wochen. Außerdem hat das Gesundheitsamt täglich Kontakt zu den betroffenen Personen, die regelmäßig ihre Temperatur messen. Außerdem werden Kontrollabstriche durchgeführt.

"Es gilt jetzt, die Welle der Schwerkranken abzufangen", appelliert der Leiter des Gesundheitsamtes. Deshalb begrüßt er die Entscheidung des Freistaates Bayern, alle Schulen und Kindertageseinrichtungen zu schließen. Gemeinsam mit den Bürgermeistern des Landkreises hat sich Landrat Georg Grabner außerdem abgestimmt, größere Versammlungen und Veranstaltungen, die nicht unbedingt zwingend stattfinden müssen, zu verschieben oder abzusagen, um mögliche Infektionswege ausschließen oder unterbrechen zu können. "Das öffentliche Leben muss eingeschränkt werden", so der Landrat.

Firmen, die aufgrund der ergriffenen Maßnahmen und des Coronaviruses Probleme haben, dürfen sie sich an das Wirtschaftsservice Berchtesgadener Land wenden. Städte und Gemeinden haben sich außerdem darauf verständigt, dass Firmen, die Umsatzeinbußen haben, einen Antrag auf Stundung der Gewerbesteuer stellen können.

Coronavirus: Infektionsgefahr vor allem bei Husten und Schnupfen

Dr. Udo Langenhorst ist sich sicher, dass viele Krankheitsfälle dazukommen werden. Deshalb sei es wichtig, sich an Regeln zu halten. Bei Symptomen wie Husten oder Schnupfen sowie Fieber vorher bei den Ärzten und Krankenhäusern anrufen. Die Praxen nicht einfach betreten, damit sie nicht geschlossen werden müssen. Jeder sei aufgerufen, das zu beachten.

Eine Infektionsgefahr bestehe vor allem bei Husten und Schnupfen. Mit diesen Symptomen sollten sie den öffentlichen Raum unbedingt meiden, "auch wenn sie sich gesund fühlen", betont Langenhorst. Es helfe außerdem: "Wenn wir die Verhaltensregeln von Influenza noch mal mehr beherzigen."

Schulamtsdirektor Klaus Biersack konnte bezüglich der Schulschließung im Landkreis auch nicht mehr sagen, als Ministerpräsident Markus Söder am Freitagvormittag (13. März) verkündet hatte. "Wir müssen flexibel, kreativ reagieren auf Dinge, die sich Tag für Tag entwickeln", so Biersack. Auf alle Fälle würden die Schulen für die Kinder, deren Eltern in einem so genannten System relevanten Beruf (wie Ärzte, Pflegepersonal, Polizei, Feuerwehr,...) arbeiten, eine Notbetreuung einrichten. Genauere Informationen erhalten die Eltern bei der jeweiligen Einrichtung direkt.

Infektionsrisiko bei Kommunalwahl gering

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Die Kommunalwahl am Sonntag (15. März) wird wie geplant stattfinden. "Das Infektionsrisiko ist als gering anzusehen", sind sich die Verantwortlichen sicher. Die Räumlichkeiten würden nach der Wahl ausreichend gesäubert und desinfiziert. Zur eigenen Sicherheit darf ein eigener Stift mitgenommen werden. Genauere Hinweise werden vor Ort ausgehängt. Sollten die Wahllokale in Pflegeeinrichtungen sein, werden die Wähler gebeten, sie schnellstmöglich wieder zu verlassen.

Abschließend gibt Landrat Georg Grabner zu, auch die Kreistagssitzung fast abgesagt zu haben, "aber es geht um den Haushalt, der muss beschlossen werden." Noch gebe es Überlegungen, die Räumlichkeiten zu wechseln um allen Kreisräten mehr Platz zu bieten. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Sicher sind sich aber alle, dass uns der Coronavirus noch eine ganze Zeit begleiten und beschäftigen wird. Aber: "mit gemeinsamer Anstrengung werden wir die Situation meistern."

Live-Ticker zum Nachlesen:

11.42:

Die Pressekonferenz ist beendet. BGLand24.de wird die Ergebnisse noch ausführlich bekannt geben.

11.39:

Vereinssitzungen, Musikproben und viele anderen Veranstaltungen sollten verschoben worden, bittet Dr. Langenhorst.

Georg Grabner ergänzt, dass er schon überlegt habe, die Kreistagssitzung abzusagen, aber es gehe um den Haushalt, der beschlossen werden müsse. Deshalb werde eine Verlegung an einen anderen Ort überlegt, der mehr Platz bietet und näheren Kontakt reduziert.

"Mit gemeinsamer Anstrengung werden wir die Situation meistern", ist sich der Landrat sicher.

11.37:

"Wir schließen keine Hotels aus Infektionsgründen, aber die Hotels können mitwirken. Händedesinfektionsmittel vor dem Speisesaal ist eine Maßnahme, die Gäste nicht zu nah zusammenzusetzen, so können die Betriebe mitwirken", erläutert Dr. Tilling die Situation für die Beherbergungsbetriebe in der Region.

Auch die Empfehlung, alle größeren Ansammlungen jetzt nicht unbedingt stattfinden zu lassen, geht vom Gesundheitsamt aus.

11.33:

Wahrscheinlich kann der ausgefallene Unterricht nicht nachgeholt werden. "Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder in dieser Zeit gefördert werden", so der Schulamtsdirektor. "Es gibt auch Plattformen, über die Schulmaterial zur Verfügung gestellt werden können. Diese Möglichkeit werden wir prüfen und nutzen."

11.31:

Eine Schließung von Sehenswürdigkeiten kann nicht angewiesen werden. "Wir können nur sensibilisieren, informieren, an die Eigenverantwortlichkeit appellieren", betont Georg Grabner.

11.29:

Der Bayerische Staat ist für die Seenschifffahrt zuständig, aber die Bootsführer haben keinen direkten Kontakt. Deshalb bleibt der Betrieb vorerst aufrecht. Beim Ticketkauf dürfen aber offensichtlich kranke Personen abgewiesen werden.

11.27:

Schulbusse fahren nicht, ansonsten wird der Öffentliche Personen Nahverkehr bestehen bleiben. Er sei wichtig, damit die Leute zur Arbeit kommen. Aber er sei nicht mehr so belastet, da unnötige Fahrten mehr und mehr vermieden würden.

11.26:

Schulen werden heute abfragen, wo wirklich Betreuung benötigt wird. "Es gibt klare Vorgaben, welche Berufsgruppen davon betroffen sind, die Entscheidung liegt bei der Schule", erläutert der Landrat das weitere Vorgehen zur Kinderbetreuung. "Im öffentlichen Dienst können wir betroffene Mitarbeiter bis zu zehn Tage freistellen."

11.24:

Dr. Langenhorst appelliert, Desinfektionsmittel zu sparen. "Hände waschen ist völlig ausreichend."

11.21:

Das Infektionsrisiko ist bei Kommunalwahl als gering anzusehen. Danach werden die Räumlichkeiten ausreichend gesäubert und desinfiziert.

Zur eigenen Sicherheit darf ein eigener Stift mitgenommen werden.

Entsprechende Hinweise werden vor Ort ausgehängt.

Sollten die Wahllokale in Pflegeeinrichtungen sein, sollten die Wahllokale schnellstmöglich wieder verlassen werden.

11.19:

"Mögliche Infektionsketten sollen mit diesen Maßnahmen unterbrochen werden", appelliert der Landrat.

11.17:

Lehrer und Mitschüler der erkrankten Kinder werden angeschrieben, aber vorerst nicht getestet. Aber alle sind instruiert, wenn jemand krank wird, geht die Meldung an den Hausarzt und dann das Gesundheitsamt informiert. Daraufhin soll so schnell wie möglich ein Abstrich gemacht werden. Die Entscheidung darüber liegt aber bei Hausarzt und Gesundheitsamt.

11.15:

Quarantäne ist etwas, was das Gesundheitsamt anordnet. Bei Schulschließungen sind nicht alle Kinder unter Quarantäne, sie sind angehalten, zuhause zu bleiben. "Ich nenne es lockeren Hausarrest", so Langenhorst.

11.14:

"Die Situation ist neu. Ich bin krank und es gibt Corona. Deshalb müssen die Möglichkeiten der Diagnostik abgestuft eingesetzt werden", erläutert Dr. Langenhorst. "Wenn ich keinen Kontakt hatte, brauche ich nicht in Panik verfallen, aber falls ich doch einen Arzt brauche, erst einmal telefonisch abklären, wie das weitere Vorgehen sein soll."

11.12:

"Wir wollen keine Panik oder Hysterie verbreiten. Einfach daran denken: keine Hände schütteln, Abstand halten, Hände sehr häufig waschen", betont Landrat Georg Grabner. Kinder die nicht in Quarantäne sind, seien nicht eingesperrt, sollten aber keine großen Treffen veranstalten.

11.10:

Das Schulamt wird heute nähere Angaben an die Schulen weitergeben und ist jederzeit erreichbar.

11.09:

Nähere Anforderungsbestimmungen werden noch bekannt gegeben. "Wir müssen flexibel, kreativ reagieren auf Dinge, die sich Tag für Tag entwickeln", so Biersack. Er spricht beispielsweise die Schuleinschreibung an, die in den kommenden Wochen stattfinden sollte. Eine Regelung dafür müsse noch gefunden werden.

"Wir werden sicher Möglichkeiten finden, die Kinder zu betreuen, deren Eltern in Pflegeeinrichtung arbeiten und die keine Symptome zeigen."

11.06:

Klaus Biersack, Schulamtsdirektor: "Uns ist auch seit 9 Uhr erst bekannt, dass alle Schulen geschlossen werden. Darum kann ich noch keine ausführliche Antwort geben. Aber die Entscheidung heute ist ein klarer Schnitt."

11.05:

"Was ist jetzt ansteckender Influenza oder Corona? Wenn wir die Verhaltensregeln von Influenza noch mal mehr beherzigen, ist es richtig", beantwortet Langenhorst eine viel gestellte Frage.

11.03:

Zwei Tage vor dem ersten Husten kann ein Patient infektiös sein. Jeder muss hier sein Verhalten jetzt beachten!

11.02:

Gesunde Kontaktpersonen können Erreger nicht übertragen. Infektionsgefahr besteht vor allem bei Husten und Schnupfen. Mit diesen Symptomen öffentlichen Raum unbedingt meiden, "auch wenn sie sich gesund fühlen".

11:00:

Wichtige Maßnahmen, um die nächste Wochen halbwegs verträglich zu gestalten. Dr. Udo Langenhorst ist sich sicher, dass viele Krankheitsfälle dazukommen werden. Das Gesundheitsamt kann Beratung nicht mehr leisten.

Bei Symptomen vorher bei den Ärzten und Krankenhäusern anrufen, sie nicht einfach betreten, damit keine Praxis geschlossen werden muss. Jeder ist aufgerufen, das zu beachten.

Gesundheitsatteste kann das Gesundheitsamt nicht ausstellen. Die Testung für Gesunde ist nicht vorgesehen.

10.57:

Die Virusgrippe Influenza fordert ca. 20.000 Tote im Jahr. "Der Coronavirus wird schlimmer sein", ist sich Tilling sicher. "Es gilt jetzt, die Welle der Schwerkranken abzufangen." Da müssen alle an einem Strang ziehen. Die Schulschließung komme genau zur richtigen Zeit.

10.55:

Inkubationszeit zwei bis 14 Tage. Die auf den Coronavirus positiv getesteten Kinder waren in der Schule, dass die Schließung der Einrichtung die einzige Lösung war.

Schüler sollen nach Möglichkeit im Familienbereich bleiben, vor allem Kontakt zu Risikopatienten meiden.

10.50:

Dr. Tilling begrüßt die Entscheidung des Freistaates, die Schulen zu schließen. Dort lege oft die Quelle, von der die Krankheit verteilt wird.

Zu dem ersten Corona-Infektionsfall: Familie, die in Südtirol beim Skifahren war. Sie sind gesund zurückgekommen, es gab keinerlei Krankheitsanzeichen, deshalb waren Kinder in der Schule. Nachdem Südtirol zum Krisengebiet wurde, hat sich die Familie testen lassen. Am Mittwochabend nach dem positiven Befund wurden sie unter Quarantäne gestellt.

Derzeit gibt es 30 Kontaktpersonen der engeren Art. Sie befinden sich in häuslicher Quarantäne, dürfen das Haus nicht verlassen. Das gilt für zwei Wochen. Die Personen werden täglich abgefragt, messen Temperatur und Kontrollabstriche werden durchgeführt.

10.48:

Dr. Karl-Werner Tilling vom Gesundheitsamt wird zu den vielen Fragen Stellung nehmen, die derzeit im Gesundheitsamt aufschlagen. Die Infektionsraten sollten nicht zu steil ansteigen, um Kliniken und Ärzte nicht zu überfordern.

10.46:

"Jeder kann seinen Beitrag leisten, wenn er soziale Kontakt bestmöglich meidet", so der Appell von Georg Grabner.

10.45:

Viele Betriebe im Landkreis davon zum Teil erheblich betroffen. Wenn Firmen Probleme haben, dürfen sie sich an das Wirtschaftsservice Berchtesgadener Land wenden. Städte und Gemeinden haben sich darauf verständigt, dass Firmen, die Umsatzeinbußen haben, sie einen Antrag auf Stundung der Gewerbesteuer stellen können.

Der Landrat ist den Bürgermeistern sehr dankbar, dass man in großer Einigkeit Maßnahmen beschlossen hat, wie zum Beispiel alle Turnhallen zu sperren. "Das bedeutet eine Einschränkung des Vereinslebens, aber das sind wir der Gesundheit schuldig", so der Landrat.

Therme oder Hallenbäder könnten auch geschlossen werden. Das entscheiden die zuständigen Bürgermeister mit den Verantwortlichen noch heute.

10.42:

In einer außerordentlichen Bürgermeisterrunde haben sich Bürgermeister und Landrat darauf verständigt, größere Versammlungen und Veranstaltungen, die nicht unbedingt zwingend stattfinden müssen, zu verschieben oder abzusagen, um mögliche Infektionswege ausschließen oder unterbrechen zu können.

10.40:

Der Landkreis will alle Möglichkeiten nutzen, um eine Verbreitung zu verlangsamen und einzuschränken. Alle Schulen werden geschlossen. Betretungs- und Besuchsverbote in Krankenhäusern und Altenheimen sind angeordnet. Das öffentliche Leben muss eingeschränkt werden, dafür bittet Landrat Georg Grabner um Verständnis, dass das ein oder andere derzeit nicht stattfinden kann.

Erstmeldung:

Vier Personen sind im Berchtesgadener Land am Coronavirus erkrankt. Die CJD Christopherusschulen sind seit Freitag (13. März) geschlossen. Am Montag folgen alle weiteren Schulen in Bayern. Welche Maßnahmen im Landkreis noch ergriffen werden und wie man sich verhalten soll darüber wird das Staatliche Gesundheitsamt Berchtesgadener Land informieren. Auch die aktuelle Situation und die bisher getroffenen Maßnahmen werden dabei thematisiert.

Die wichtigsten Infos aus dem Pressegespräch werden Sie hier in einem Live-Ticker mitlesen können. Im Anschluss werden wir hier alle Informationen zusammenfassen.

cz

Quelle: BGland24.de

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