Heute ist Weltkrebstag:

„Sieht aus, als wäre da was“

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Den Krebs besiegt - hoffentlich für immer: Petra Prechtl aus Bad Reichenhall.
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Bad Reichenhall - Heute ist Weltkrebstag: Wir haben deshalb mit einer Reichenhallerin gesprochen, bei der bereits zweimal Krebs diagnostiziert wurde.

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Dass Petra Prechtl am 28. Februar ihren 45. Geburtstag gesund feiern darf, hat sie auch ihrem Kampfeswillen zu verdanken. Zweimal lautete die Diagnose „Krebs“, zweimal bösartig. Sie überstand die beiden schwierigsten Phasen ihres Lebens. Der Krebs ist besiegt, hoffentlich nicht nur vorübergehend: „Ich denke da nicht mehr viel dran, auch nicht, dass die Krankheit wiederkommen könnte“, so die Mutter zweier Kinder, der das Lachen und ihr fröhliches Gemüt trotz harter Jahre nie abhanden kam.

Ein Satz wie in Stein gemeißelt

INFO:

Der Weltkrebstag findet jährlich am 4. Februar statt und hat zum Ziel, die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Er wurde 2006 von der Union internationale contre le cancer, der Weltgesundheitsorganisation und anderen Organisationen ins Leben gerufen.

Die UICC koordiniert den Weltkrebstag, an dem sich  fast 300 Organisationen in weltweit 86 Ländern beteiligen – darunter auch die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Die erste (Brust-)Krebsdiagnose im Juni 2007 glich natürlich einem Schock: „Ich habe Krebs, ich muss sterben!“. Das war der erste Gedanke von Petra Prechtl. Wie in Trance lief sie aus der Traunsteiner Radiologie, die Unterlagen in den Händen. Sie lehnt sich desorientiert an ihr Auto: „Oh Gott, was wird nur aus meinen Kindern, meiner Ehe, wie viel Zeit bleibt mir?“. Die Fragen wollten nicht enden, wollten nicht raus, aus dem Kopf - obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar war, ob der erste Verdacht des Radiologen wirklich bestätigt würde. Und wenn, ob der Tumor überhaupt bösartig ist. „Sieht aus, als wäre da was“, - ein Satz, den Petra Prechtl lange Zeit nicht mehr los wurde.

„Bis zur Entnahme der Gewebeprobe im Reichenhaller Krankenhaus herrschte völlige Leere in meinem Kopf. Man bekommt die schlimmen Gedanken einfach nicht mehr weg“. Die Tage vergingen quälend langsam, dann die Ernüchterung: Das Geschwür ist bösartig, eine Operation unumgänglich. Petra Prechtl ist damit beschäftigt, sich an den Gedanken zu gewöhnen, fortan Krebspatientin zu sein, irgendwie - „wenngleich so etwas freilich nie zur Gewohnheit werden kann“.

Das Gefühl, nicht zu sterben

Die Reichenhallerin ist selbst Medizinische Fachangestellte, damals noch in einer Arztpraxis in der Luitpoldstraße. Sie sieht täglich Schicksale, Krankheiten, auch unheilbare. „Wenn es einen dann selbst erwischt, ist das halt doch ganz was anderes. Es macht es auf jeden Fall nicht leichter, nur weil man weiß, was in etwa auf einen zukommt“. Petra Prechtl beschließt rasch, zu kämpfen, informiert sich, liest viel: Im Internet, Fachzeitschriften, Bücher. Der von Anbeginn offensive Umgang mit der Krankheit - später weiß sie, dass es der richtige Weg war - hilft auch bei der Bewältigung, sorgt mitunter für die phasenweise „Teil-Verdrängung“. Denn mutiert der Krebs zum Dauerthema und ist allgegenwärtig, „geht man kaputt“, weiß die 44-Jährige. Und sie erkannte schnell, wie wichtig es ist, ihren Kindern das Gefühl zu geben „nicht zu sterben“. Beide befanden sich in der Pubertät.

Der Krebs kam unmittelbar nach einem Lebensumbruch: Im April zog sie zu ihrem neuen Lebenspartner nach Saaldorf-Surheim, dann die Hochzeit, keine zwei Monate später die Krankheit, Umstellungen, Entbehrungen, der Krebs als beherrschendes Thema. Doch die Familie stützt Petra Prechtl, gibt ihr Rückhalt. Eltern, Freunde, Verwandte und Bekannte helfen ihr in vielen schweren Stunden. „Das hat mich am Leben gehalten und ich wusste, dass ich kämpfen muss“.

Endlich wieder Glücksgefühle

Nur zwei Tage nach dem Befund „bösartig“ liegt die Mutter eines Sohnes (heute 21) und einer Tochter (heute 18) auf dem OP-Tisch in Bad Reichenhall, lange zwei Stunden. Petra Prechtl entschied sich bald für eine „brusterhaltende Therapie“. Das Geschwür wird vollständig entfernt, der Krebs hat nicht gestrahlt - Glücksgefühle, endlich wieder.

Bestrahlungen folgten, fast zwei Monate, parallel eine Antihormon-Therapie - „aber die habe ich nicht vertragen und Ende 2008 abgebrochen“. Die Blutfettwerte waren zu hoch, die Gefahr eines Schlaganfalls nicht mehr kalkulierbar. Es ging langsam aufwärts, Petra Prechtl fühlte sich von Monat zu Monat besser. Wenngleich die regelmäßigen Nachsorge-Termine dafür sorgten, dass der Krebs nach wie vor seine Präsenz behielt: „Je näher die Untersuchungen kamen, desto schlechter ging‘s mir - die Angst, dass der Krebs zurückgekommen ist, war immer da“.

Zweite Negativ-Diagnose viel schlimmer

Viereinhalb Jahre nach der ersten Diagnose, im November 2011, der erneute Schock - und einmal mehr dieser furchtbare Satz des Radiologen: „Da ist wieder etwas“. Ablagerungen, Mikrokalk, wieder bösartig, wie sich bald herausstellte, die gleiche Brust wie beim ersten Mal. Und jetzt muss sie amputiert werden. „Ich stand plötzlich vor einer riesigen Wand, es war fürchterlich“.

Petra Prechtl war gerade dabei, sich einmal mehr ein neues Leben aufzubauen, stand kurz vor einem weiteren Umzug, in Bad Reichenhall hatte ein gemütliches Zuhause gefunden, nah bei den Kindern, den Eltern, arbeitete mittlerweile im Ambulanten Operationszentrum in Traunstein, erlebte und sah dort fast täglich schlimme Krankheitsbilder. „Diesmal schob ich die Operation ein wenig auf. Ich wollte erst umziehen, die Möbel in der neuen Wohnung haben, einen Rückzugsort, gut überlegt Schritt für Schritt gehen - für die Zeit nach der OP“. Wieder quälen sie endlos Fragen: Würde es auch diesmal gut ausgehen?

Kein Entrinnen aus dem Schneckenhaus

„Beim ersten Mal bin ich eher passiv 'mitgeschwommen', habe alles so gemacht, wie es mir vorgegeben wurde. Ich befand mich in einem Schneckenhaus, aus dem es kein Entrinnen gab. Diesmal entschied ich mich für Aktivität, brachte viel mehr Struktur rein und ließ die Erfahrungen aus der ersten Diagnose mit einfließen“. Dr. Ingo Bauerfeind sollte es schließlich sein, der Petra Prechtl im Klinikum Landshut operiert. Zu ihm hat sie sofort großes Vertrauen, und der Chirurg großes Verständnis für sie: „Für mich war eines wieder klar: Ich werde keinen Tag ohne Brust leben - auch wenn sie weg muss. Die Amputation, das restlose Entfernen des eigenen Gewebes, wurde mit dem gleichzeitigen Wiederaufbau der Brust verbunden. Ich wollte das von Anfang an, wollte mich auch weiterhin im Spiegel anschauen können. Nach dreieinhalb Stunden ist es überstanden.

Was früher wichtig war, ist heute ganz klein

Im Herbst des vergangenen Jahres folgte „nur“ noch einmal ein kleiner Korrektureingriff in Niederbayern, wenn „man so will eine Art Schönheitsoperation“. Seitdem hat Petra Prechtl Ruhe und ist froh, dass nie Lymphknoten befallen waren. Die berechtigte Sorge, der Krebs könnte jederzeit zurückkommen, ist präsent - vor allem, wenn es hie und da mal zwickt, sich Kopfschmerzen einstellen -, aber mittlerweile nicht mehr beherrschend: „Ich habe keine Angst und kann mein Leben genießen - sogar bewusster als zuvor“. Vieles, was früher wichtig war, ist heute ganz klein, und selbst ein Spaziergang ein viel größerer Genuss als noch vor fünf, sechs Jahren: „Sich draußen bewegen, Sport treiben - das ist etwas Herrliches“.

Die Ernährung stellte sie - nicht nur aufgrund der Krankheiten - 2007 auf vegetarische Kost um und hat es nie bereut. Der gewohnte Rhythmus ist wieder da, das familiäre Umfeld hilft. Der Kampf hat sich gelohnt, war wichtig und richtig.

Neuer Lebenstraum Jakobsweg

Petra Prechtl möchte mit ihrem Lebensgefährten den Jahresurlaub 2014 am Stück „opfern“: Sechs Wochen für den spanischen Jakobsweg, über 800 Kilometer in 42 Tagesetappen, von den Pyrenäen bis Santiago de Compostela. Erholen in der Mühsal, die Grenzen ausloten - „das reizt uns beide“, sagt Petra Prechtl voller Lebensfreude. Die kann der Krebs, der immer mal wieder im Kopf umherschwirrt, keinesfalls rauben. Ende Februar wird 45. Geburtstag gefeiert - gesund, und wie.

Brustkrebs - Anleitung zur Selbstuntersuchung

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Hans-Joachim Bittner

Quelle: BGland24.de

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