Psychologin: So besiegen Sie den Wiesn-Burnout!

München - Die Wiesn 2010 ist aus und vorbei – und viele Besucher fallen nach dem Fest in ein seelisches Loch. Diplom-Psychologin Brigitte Veiz nennt Mittel gegen den Wiesn-Burnout.

Servus, Wiesn! So mancher Gast hat am letzten Abend bei „Sierra Madre“ und einem Meer aus Wunderkerzen ein Tränchen verdrückt. Die Wiesn 2010 ist aus und vorbei – und viele Besucher fallen nach dem Fest in ein seelisches Loch.

Der triste Alltag mit all seinen Problemen und Problemchen hat uns schnell wieder im Griff. Zuletzt haben wir Ihnen gezeigt, wie Sie Ihren Körper durch Entgiften wieder fit machen. Lesen Sie diesmal, wie Sie auch Ihr seelisches Gleichgewicht wiedererlangen:

Brigitte Veiz, Diplom-Psychologin und Buchautorin („Das Oktoberfest – Masse, Rausch und Ritual“) beobachtet bei vielen Gästen eine Art Wiesn-Burnout. Ihre Erklärung: Im Wiesn-Getümmel gehen die Menschen aus sich heraus, flirten, singen und tanzen mit dem wildfremden Tischnachbarn. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl endet mit dem letzten Wiesn-Tag abrupt. „Das wirft einige in eine depressive Stimmung“, sagt Veiz.

Dabei spielt auch die körperliche Verfassung eine Rolle: Sind wir erschöpft und ausgebrannt, begünstigt das die Schwermut der Seele. Manche sind auch traurig, weil sich ihre Erwartungen nicht erfüllt haben – aus dem Wiesn-Gspusi ist nichts Ernstes geworden oder sie haben sich im Bierzelt heftig mit dem Partner gestritten.

„Die Wiesn psychisch zu verdauen, ist wichtig. Akzeptieren Sie, dass Ihre Seele etwas länger dafür braucht“, sagt die Psychologin und rät: „Schauen Sie sich den Wiesn-Abbau an. Mit eigenen Augen zu sehen, wie die Wiesn langsam verschwindet, hilft beim Verarbeiten.“

Aus is! Bilder vom Wiesn-Abbau

Aus is! Bilder vom Wiesn-Abbau

Ziehen Sie Ihre persönliche Bilanz – ob im Geiste oder niedergeschrieben auf Papier: Was habe ich erlebt? Was war gut, was schlecht? „Vielleicht gibt es etwas, was Sie in den Alltag retten möchten?“, regt die Psychologin an. Sie tanzen gern? Tanzschulen gibt es genug! „Ziehen Sie sich nicht in Ihr Schneckenhaus zurück, gehen Sie weiter unter Leute.“

Ihnen gefällt die Fröhlichkeit und Geselligkeit auf der Wiesn? Setzen Sie sich beim nächsten Lokalbesuch zu anderen Gästen an den Tisch, vielleicht entsteht ja ein lustiges Gespräch. Oder machen Sie – wie während der Wiesn auch – Ihrem Gegenüber in der U-Bahn ein nettes Kompliment …

Sie haben eher schlechte Erinnerungen an die Wiesn? Vielleicht, weil Sie zu sehr über die Stränge geschlagen haben und sich im Nachhinein dafür schämen? „Sich hinterher für einen Ausrutscher zu bestrafen, macht ihn nicht ungeschehen. Das bringt nichts“, sagt Veiz.

So schön war die Wiesn 2010

So schön war die Wiesn 2010

„Hinter jedem Überkonsum – ob in puncto Bier, Essen oder Sexualität – steckt eine Unterversorgung.“ Eine Leere, die wir im Wiesn-Rausch zu füllen versuchen. „Akzeptieren Sie auch diese Seite an sich“, rät die Psychologin. „Jeder Mensch hat einen triebhaften Teil. Je mehr wir ihn unterdrücken, desto explosiver bricht er irgendwann hervor.“

Oft ist es gut, mit einer Vertrauensperson darüber zu sprechen. „Wir Menschen brauchen das Feedback von anderen, um mit Dingen fertig zu werden und sie abzuschließen.“ Sich selbst zu vergeben fällt oft leichter, wenn es ein Dritter „erlaubt“.

„Die Wiesn ist eine Zeit der Extreme“, resümiert Brigitte Veiz. „Aber in der Mitte ist der Mensch am gesündesten. Nutzen Sie die Zeit nach der Wiesn, um zurück in Ihre Mitte zu finden oder neu auszuloten, wo Sie stehen.“

Simone Herzner

Quelle: Oktoberfest live

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser