Wollte Münchner Mann aus Raum Rosenheim töten?

Im Auto von psychisch krankem Mitfahrer verletzt – Unterbringung in der Psychiatrie

Prozess gegen 22-Jährigen wegen versuchten Mordes nach einem Weinfest in Bruckmühl/Högling
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Ein junger Mann aus München soll versucht haben einen 20-Jährigen aus dem Raum Rosenheim zu töten.

Traunstein/Frasdorf - In der Nacht auf den 28. Januar kam es im Raum Frasdorf zu einem versuchten Tötungsdelikt. Ein damals 18-Jähriger soll einen jungen Mann schwer verletzt haben. Dem mittlerweile 19-jährigen Beschuldigten wird seit Dienstag, 13. Oktober der Prozess gemacht. Am Freitag soll das Urteil fallen.

Update, 18 Uhr - Urteil gefallen

Die Jugendkammer Traunstein als Schwurgericht ordnete die zeitlich nicht begrenzte Unterbringung des 19-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik an und versagte Bewährung.

Vorsitzende Richterin Heike Will erkannte im Urteil auf eine „gefährliche Körperverletzung“, nicht auf einen ursprünglich angeklagten „versuchten Mord“. Der nicht ausschließbar schuldunfähige Täter könne nicht bestraft werden. Außerdem sprach das Gericht dem 20-Jährigen 10 000 Euro Schmerzensgeld zu.

Update, 15.10 Uhr - Plädoyers werden gehalten

Nachdem sich die Nebenklagevertretung und der Beschuldigte darauf geeinigt hatten, dass der Beschuldigte beziehungsweise sein Vater dem Ofer ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro zahlt, werden die Plädoyers verlesen.

Laut Staatsanwalt Oliver Mößner liege nach Durchführung der Hauptverhandlung nur eine gefährliche Körperverletzung vor, kein versuchter Mord. „Die Voraussetzungen zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus sind aber gegeben“, so der Staatsanwalt. Er sei der Auffassung, dass der Beschuldigte in einem Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt habe. Er sehe jedoch nicht, wie der Vater des Beschuldigten bewerkstelligen möchte, dass der Beschuldigte seine Medikamente nimmt. Mößner beantragt daher eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen.

Die Nebenklagevertretung sei nicht ganz mit den Ausführungen d‘accord. Bei einem so massiven Vorgehen im Bereich des Halses sei ein Tötungsvorsatz gegeben. Auch sei der Beschuldigte nicht freiwillig von seiner Tat zurückgetreten. Zwei Mordmerkmale seien erfüllt. Die Tat habe der Beschuldigte auch nach Auffassung der Nebenklage im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen. Eine beschützende Therapie sei notwendig, diese könne aber nur in einer stationären Unterbringung erfolgen.

Verteidiger Alexander Esser schließt sich bei der Auffassung, es handle sich bei der Tat um eine gefährliche Körperverletzung, der Staatsanwaltschaft an. Er fordert für seinen Mandant eine Unterbringung ausgelegt zur Bewährung. 

Update, 11.11 Uhr - Jugendgerichtshilfe sieht gute Prognose für Beschuldigten

Rechtsanwalt Alexander Esser, der den Beschuldigten vertritt, bringt am dritten Verhandlungstag vor Gericht den Instagram-Account des Geschädigten an. Hier soll er gepostet haben, dass er keine psychischen Folgen durch den Vorfall davongetragen habe. Opferanwalt Christian Pusch erklärt das damit, dass sein Mandant durch den Post weiteren Fragen zu der Tat aus dem Weg gehen sollte.

„Niemand weiß wie schlecht es mir zu der Zeit ging“, sagt der Geschädigte. Er habe wieder der Alte sein wollen. „Wirklich jeder im Dorf hat das mitbekommen. Ich wollte mit dem Post mit der Sache abschließen“, sagt er. Er nimmt auch die Presse in die Kritik, die ihn einen Tag nach der Tat kontaktiert und um Statements gebeten habe. „Ich habe mich damals geäußert, aber das war ein Fehler.“ Er scheint von dem Vorfall immer noch sehr mitgenommen.

In ihrem Bericht führt eine Vertreterin von der Jugendgerichtshilfe aus, dass sie davon ausgehe, dass die Voraussetzungen für eine Unterbringung vorliegen. Eine sehr schwierige Entscheidung sei, ob diese Unterbringung zur Bewährung ausgelegt werden soll. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was für den Beschuldigten das Beste wäre“, so die Vertreterin. „Ich denke schon, dass man davon ausgehen kann, dass die meisten Patienten in der Forensik Schwierigkeiten hatten, was beim Beschuldigten nicht der Fall ist. Er hat sich dort gut eingelebt.“

Sie habe den Eindruck bekommen, dass der Beschuldigte eine Krankheitseinsicht habe. „Den Streit mit seinem Vater sieht er als Auslöser.“ Er habe aber bisher keine negativen Erfahrungen gemacht im Leben, komme aus einem guten Elternhaus und sei selber noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten. „Es gibt hier eine günstige Prognose, er braucht aber therapeutische Hilfe. Aus meiner Sicht kann die Unterbringung unter Auflagen zur Bewährung ausgesetzt werden.“

„Da muss man ja hellseherische Fähigkeiten haben, um zu sagen, da wird nie mehr etwas sein“, so Staatsanwaltschaft Oliver Mößner. Die Vertreterin der Jungendgerichtshilfe verteidigt ihre Aussage damit, dass sie nur eine Einschätzung abgebe.

Vorbericht, 6.29 Uhr

Er soll auf einen damals 19-Jährigen hinterrücks mit einem Messer eingestochen haben, der dadurch erhebliche Verletzungen davon geteragen hatte. Deshalb muss sich nun seit dem 13. Oktober ein 19-Jähriger Münchner wegen versuchten Mordes  vor der Jugendkammer des Landgerichts Traunstein verantworten. Das Gericht setzte drei Verhandlungstage an. Am 16. Oktober soll das Urteil fallen.

Am ersten Verhandlungstag wurden verschiedene Zeugen und Gutachter gehört. Darunter auch das Opfer, das von einem „Kampf um Leben und Tod“ gesprochen hat. Der Geschädigte hat hat den Beschuldigten über ein Mitfahrerportal zwei Personen aus Zürich nach Deutschland in seinem Fahrzeug mitgenommen. Auf einem Parkplatz in Frasdorf soll der 19-Jährige dann zu dem tätlichen Angriff auf den Fahrer aus dem südlichen Landkreis Rosenheim angesetzt haben. Mit einem Messer soll er auf den Hals des Opfers eingestochen haben und dann mit dessen Auto weggefahren sein. Sein ursprünglicher Plan sei gewesen, mit dem Fahrzeug des Opfers Suizid zu begehen.

Auf diesem Seitenstreifen im Gemeindegebiet von Frasdorf soll ein 19-jähriger Münchner versucht haben, einen 20-jährigen Mann aus dem südlichen Landkreis Rosenheim zu töten. In der Nacht von Montag auf Dienstag kam es dort gegen 1.30 Uhr zu einem tätlichen Angriff.

Er habe die Schulter des Geschädigten treffen wollen, damit dieser die Lage ernst nehme und aus dem Auto aussteigt. „Das hat in Gedanken ganz harmlos ausgeschaut. Aber dann hat er sich gewehrt. Ich glaube ich habe ihn am Hals getroffen weil er weggezuckt ist“, sagte der Beschuldigte am zweiten Verhandlungstag unter Tränen vor Gericht aus.

In seinem forensisch-psychiatrischen Gutachten führte Dr. Stefan Gerl vom Inn-Salzach-Klinikum aus, dass der Beschuldigte im Tatzeitraum vermindert steuerungsfähig oder seine Steuerungsfähigkeit ganz ausgesetzt gewesen sein könnte. Der Beschuldigte befindet sich seit der Tat in forensisch-psychiatrischer Behandlung.

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