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„Neue Eskalationsstufe“

Schaf in Vorgarten in Oberbayern gerissen: Immer mehr Wölfe und Scheu immer geringer

Wölfe breiten sich weiter aus
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Wolf (Symbolbild)

Die Zahl der Wölfe wächst in Deutschland stetig - und gleichzeitig die Zahl der Attacken auf Nutztiere. Das sorgt vor allem in „Wolfs-Bundesländern“ immer wieder für heftige Debatten und Abschussforderungen. Im November wurden sowohl im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld als auch in einem Weiler bei Böbing im Landkreis Weilheim-Schongau wieder Schafe gerissen. Die Debatte nimmt wieder Fahrt auf.

Bayern - Anfang November hat ein Wolf nahe einem Wohnhaus in einem Weiler bei Böbing im Landkreis Weilheim-Schongau ein Schaf gerissen, das wurde mittlerweile mit Hilfe einer Genprobe vom Landesamt für Umwelt bestätigt. Der Wolf hatte am helllichten Tag zugeschlagen - in einem Garten, nur etwa 20 Meter von einem Wohnhaus entfernt.

Der Weiler liegt zwar abseits - nur ein einzelner Hof mit angrenzendem Wald. Dennoch scheint die Scheu der Raubtiere kontinuierlich abzunehmen. Joseph Grasegger, der Vorstand des Bayerischen Schafhalterverbandes, sprach von einer neuen Eskalationsstufe.

Auch im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld wurden drei Schafe von einem großen Beutegreifer verletzt. Ein Tier wurde tot gefunden, ein weiteres von seinem Leiden erlöst, wie das Landesamt für Umwelt erklärt. Auch hier wurden die Kadaver genetisch untersucht.

Wölfe breiten sich weiter aus

Der Wolf breitet sich seit seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1998 langsam weiter aus. Im Wolfsjahr 2021/2022 (1. Mai bis 30. April) sei die amtlich bestätigte Zahl der Wolfsrudel bundesweit auf 161 (Vorjahr 158) gestiegen. Die Zahl der Wolfspaare legte auf 43 (Vorjahr 35) zu, die Zahl der Einzelwölfe blieb mit 21 (Vorjahr 22) annähernd konstant, teilten das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Bonn mit.

Wolfsvorkommen in Deutschland (Monitoring: Mai 2022 bis April 2022)

Das ist ein natürliches Wachstum und ein etwas geringerer Anstieg als in den Vorjahren“, sagte die Leiterin des Fachgebietes zoologischer Artenschutz beim BfN, Sandra Balzer. Grundlage der Zahlen sind Erhebungen der Länder mit wissenschaftlich abgesicherten Nachweisen etwa durch Genspuren und Kamerafallenbilder, wie BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm betonte.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) plädierte dafür, den Schutzstatus des Wolfes abzusenken. „Rudel dürfen sich im urbanen Bereich, entlang von Deichen oder im alpinen Bereich nicht ansiedeln, das Konfliktpotenzial ist zu groß“, sagte Verbandssprecher Torsten Reinwald. Tiere, die dort leben, sollten entnommen, sprich abgeschossen werden.

Schein-Debatten und Wolf-Populismus

Dem widersprach die Tierschutzorganisation WWF: „Die aktuellen Zahlen zum Wolfsbestand zeigen es deutlich: Deutschland muss weiterhin in flächendeckenden wolfsabweisenden Herdenschutz investieren. Schein-Debatten und Wolfs-Populismus um Obergrenzen oder No-Go-Areas für Wölfe helfen hingegen niemandem“, sagte Moritz Klose, Programmleiter Wildtiere beim WWF Deutschland.

Für öffentliche Diskussionen über den streng gegen Abschuss geschützten Wolf sorgen immer wieder Attacken auf Nutztiere, vor allem auf Schafe und Ziegen. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 975 Angriffe von Wölfen mit 3374 verletzten, vermissten oder getöteten Nutztieren gemeldet. Im Vorjahr waren es 942 Attacken.

Staatliche Zuschüsse für den Herdenschutz

Für die Nutztierhalter gibt es in Deutschland allerdings in fast allen Bundesländern mit etablierten Wolfsvorkommen staatliche Zuschüsse für den Herdenschutz. Empfohlen werden etwa 1,20 Meter hohe Elektro-Zäune und - je nach Einzelfall - auch Hütehunde. Bundesweit seien dafür 2021 gut 16,6 Millionen Euro ausgegeben worden, heißt es in dem Bericht. Außerdem zahlten Behörden 2021 knapp eine halbe Million Euro Schadenersatz an Eigentümer von Nutztieren.

Ein flächendeckender Herdenschutz sollte möglichst vorbeugend erfolgen, bevor Wölfe sich an das Reißen von Schafen und Ziegen oder sogar kleineren Rindern und Fohlen als vermeintlich „leichte Beute“ gewöhnen, rät das Bundesamt. Eine allgemeine Bejagung von Wölfen ist dagegen aus Sicht der Fachleute keine geeignete Maßnahme gegen Nutztierschäden. Der WWF nannte Vorschläge zu einer Bejagung des Wolfes „reine Augenwischerei“. Damit würden Mensch-Tier-Konflikte nicht nachhaltig gelöst.

Brandenburg ist Wolf-Hotspot

Die meisten Wolfsrudel lebten laut dem Bericht 2021/2022 in Brandenburg (47), gefolgt von Niedersachsen (34) und Sachsen (31). Im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen waren es zwei Rudel. Bundesweit wird die nachweisbare Zahl der Wölfe in den bekannten Wolfsgebieten für das Wolfsjahr auf 1175 beziffert, wobei der Gesamtbestand unter anderem wegen der viele Kilometer weiten Wanderungen der Tiere nicht seriös beziffert werden kann. Es gibt auch keine Vergleichszahl zum Vorjahr.

Wölfe stehen in Deutschland als streng geschützte Art unter Naturschutz. Ein Abschuss ist verboten, es sei denn, die eigentlich Menschen gegenüber scheuen Wölfe verhalten sich in der Begegnung mit Menschen aggressiv. Dann erlaubt das Bundesnaturschutzgesetz einen Abschuss. Ein solcher Fall unprovoziert aggressiven Wolfsverhaltens ist seit 1998 laut dem Bericht aber noch nicht aufgetreten.

148 Wölfe wurden laut dem Bericht in dem erfassten Wolfsjahr tot gefunden. Die meisten davon (102) starben bei Verkehrsunfällen. Immerhin 13 wurden aber auch illegal unter Missachtung des Bundesnaturschutzgesetzes getötet.

mz/dpa

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