Brandstiftung am Rosenheimer Brückenberg - Urteil gefallen

Haus mit schlafenden Bewohnern angezündet: Jahrelange Haft

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Rosenheim - Im Juni 2018 brannte es in einem Haus am Brückenberg, die Bewohner schliefen - es war nicht nur Brandstiftung, sondern auch versuchter Mord, wie das Gericht jetzt feststellte.

Update 11 Uhr: Urteil wegen versuchten Mordes

Für neun Jahre muss der 26-jährige Bosnier ins Gefängnis, urteilte das Landgericht Traunstein am Donnerstagvormittag. Er wird verurteilt wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung. "Er hatte Frust über seine Arbeit, die Zustände im Haus und über seine Mitbewohner", so der Vorsitzende Richter Erich Fuchs. 

Zwei Brände - in seinem Zimmer und im Treppenhaus - hat der junge Mann gelegt, dann ging er seelenruhig hinaus auf die Straße und machte sich aus dem Staub. Währenddessen befanden sich zehn Bewohner in dem Haus, die größtenteils schliefen. Das Zimmer brannte vollständig aus, das Feuer im Treppenhaus konnte noch von den Bewohnern selbst gelöscht werden. 

Die Bewohner hatten Glück, viel passierte ihnen nicht. Alle konnten unproblematisch das Haus verlassen, fünf mussten mit Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Am Gebäude entstand ein Schaden in Höhe von 37.000 Euro. "Das war keine spontane und unüberlegte Tat", so Richter Fuchs. Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer 13 Jahre Gefängnis, die Verteidigung acht Jahre.

Unser Vorbericht vom Donnerstagmorgen

Die Plädoyers im Prozess gegen einen 26-Jährigen Bosnier sind durch. Die Staatsanwaltschaft sieht seine Tat als erwiesen an, und fordert 13 Jahre Haft. Die Verteidigung beantragte eine Haftstrafe von acht Jahren

Laut Anklageschrift soll der 26-Jährige in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 2017 aus Verärgerung über die Zustände im Haus und das Verhalten der Mitbewohner ein Feuer in seinem Zimmer im 2. Stock des Anwesens am Rosenheimer Brückenberg gelegt haben, indem er die auf dem Boden liegenden Matratzen anzündete. Zum Zeitpunkt des Brandes haben sich im Haus laut Staatsanwaltschaft insgesamt 24 Personen befunden, darunter drei Kinder.

Am ersten Verhandlungstag räumte der 26-Jährige die Tat bereits ein, äußerte sich jedoch nicht zu seinem Motiv. Auch der psychiatrische Gutachter Dr. med. Stefan Gerl, Chefarzt der forensischen Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum, konnte über die Motivlage bei der Begutachtung des Angeklagten nichts weiter herausfinden. „Aus meiner Sicht geht’s um irgendwelche Kränkungen und Frustrationen, das hat man häufiger bei Brandstiftungen. 

Polizei ging damals schon von Brandstiftung aus

Nach dem Brand des Mehrfamilienhauses ging die Polizei kurz nach dem Vorfall schon von Brandstiftung aus. Gegen den verdächtigen Angeklagten wurde damals Haftbefehl erlassen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nun beginnt am Landgericht Traunstein vor der 5. Strafkammer der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Mann wegen versuchten Mordes in zehn Fällen in Tateinheit mit Versuch der Brandstiftung mit Todesfolge. 

Durch die alarmierten regionalen Feuerwehren konnte der Brand damals relativ rasch unter Kontrolle gebracht werden. Das Gebäudwar komplett verraucht und konnte nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, teilte die Polizei mit. Fünf Personen mussten mit Verdacht auf Rauchgasintoxikation ins Krankenhaus gebracht werden.

Nachdem die Ermittler zahlreiche Zeugen vernommen und diverse Spuren ausgewertet haben, musste von vorsätzlicher schwerer Brandstiftung ausgegangen werden, teilte die Polizei mit. Der Tatverdacht erhärtete sich im Zuge dieser Ermittlungen gegen den angeklagten 26-jährigen Bosnier, der ebenfalls kurze Zeit in dem Mehrfamilienhaus gewohnt hatte und sich am Tag nach dem Brand offenbar in seine Heimat absetzen wollte.

Der Gebäudeschaden beträgt etwa 45.000 Euro.

Quelle: chiemgau24.de

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