Brenner-Nordzulauf: Bestandsstrecke kann ausgebaut werden

"Es geht doch auf der alten Trasse" - Kritiker stellen Studie vor

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Sie stellten die Studie für die Bestandsstrecke vor (von links): Dr. Martin Vieregg, Thomas Riedrich, Richard Mergner, Rainer Auer und Peter Kasperczyk.
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München/Landkreis Rosenheim - Kritiker der neuen Bahntrasse durch das Inntal und den Landkreis Rosenheim haben am Dienstag ein neues Gutachten vorgestellt, das belegen soll, dass die bestehende Tasse den Anforderungen an den Brenner-Nordzulauf gerecht wird.

Die alte Trasse kann die künftigen Ansprüche an den Brenner-Nordzulauf decken - so lassen sich die Aussagen von Bürgerinitiativen und Bund Naturschutz am Dienstag bei eine Pressekonferenz in München zusammenfassen. Das belegt eine von den Initiativen in Auftrag gegebene Studie des Münchner Verkehrsbüros Vieregg-Rössler (V+R). Es widerspricht damit der Studie, die Bundesverkehrsminister Scheuer vergangene Woche in Rosenheim vorgestellt hat. Scheuer sehe den wachsenden Güterverkehr über die Alpen auf lange Sicht nur durch einen neue Bahnstrecke in den Griff zu bekommen.

Anfang des Jahres hatte die Bahn von der Politik den Auftrag bekommen, eine Ertüchtigung der Bestandsstrecke im Inntal erneut zu prüfen und kam zu dem Ergebnis, dass dieser Ansatz keine zukunftsfähige Alternative zu einer Neubaustrecke darstelle. "Das Projekt Brenner-Nordzulauf soll Kapazitäten für viele Jahrzehnte schaffen. Aus Untersuchungen von Kritikern erwartet die Bahn keine neuen oder gegenteilige Erkenntnisse. Der DB liegen auch keine derartigen aktuellen Untersuchungsergebnisse vor", heißt es von Seiten der Bahn noch am Dienstag. 

Oberflächliche Betrachtung und 230 km/h nicht nachvollziehbar

Diese Aussage soll nun die Studie von Vieregg-Rössler widerlegen. Sie zeigt detailliert, wie der Verkehr auf einer ausgebauten Bestandstrasse umweltverträglicher und schneller abgewickelt werden kann. Geschäftsführer Dr. Martin Vieregg monierte die Auseinandersetzug der Deutschen Bahn und der Österreichischen Bundesbahn mit dem Thema "Ausbau der Bestandsstrecke". Sie sei sehr oberflächlich. "Es wurden keine konkreten Varianten präsentiert", so Vieregg.  

Die Planer von DB und ÖBB im Inntal verwenden laut Vieregg auch andere Entscheidungskriterien, als im Deutschen Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Insbesondere die Fixierung auf die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h, mit entsprechend großen Kurvenradien, sei fachlich nicht gerechtfertigt.

Die Kernaussagen der Studie

Außerdem seien die Verkehrsprognosen des Verkehrsministeriums bis 2050 völlig überhöht, denn die Stagnation im Schienengüterverkehr der letzten 10 Jahre sei nicht berücksichtigt, so Vieregg. Die Kernaussage seiner Studie: Die Kapazitäten der Bestandsstrecke sind deutlich höher als bislang angenommen. Die Strecke ist technisch veraltet. Die Kapazität kann kurzfristig um 15 Prozent erhöht werden. Ei Ausbau von 400-470 Züge pro Tag ist möglich. Es gibt einen Engpass am Knoten Rosenheim.

"Es wäre deutlich billiger"

Insgesamt sieht Vieregg einen zweigleisigen Ausbau auch als deutlich kostengünstiger im Vergleich zu einem Neubau auf der gesamten Strecke. „Ganz grob geschätzt wären es etwa ein Drittel der Kosten. Nicht zu vergessen, dass die Baumaßnahmen erheblich schneller beendet wären“, ergänzte er. 

Der Vortrag von Dr. Martin Vieregg im Video:

Bund Naturschutz fordert Verkehrsvermeidung und echte Verlagerung im Alpentransit

Der Bund Naturschutz moniert, dass sich die bayerische und bundesdeutsche Verkehrspolitik bisher einer konsequenten und verbindlichen Verkehrsvermeidungs- und Verkehrsverlagerungspolitik widersetzt habe. Um den Alpentransit nachhaltig zu gestalten müsse diese aber Vorrang vor der Infrastruktur Politik haben. „Wir brauchen eine verbindliche politische Lösung für eine Verkehrsverlagerung. Erst wenn die Verkehrsvermeidungs- und Verlagerungsziele und – politiken verbindliche zwischen den Alpenstaaten festgelegt sind, kann die notwendige Infrastruktur darauf ausgelegt werden“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. „Und erst wenn ein tatsächlicher Bedarf nach einem zusätzlichen dritten und vierten Gleis nachgewiesen ist kann über einen Neubau befunden werden.“

Der Vortrag von Richard Merger im Video:

"Kein unsinniges Milliardengrab wie Stuttgart 21"

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Thomas Riedrich, Vorsitzender Brennerdialog Rosenheimer Land e.V. sagte auf der Pressekonferenz, dass sich "ein unsinniges Milliardengrab wie Stuttgart 21 im Inntal nicht wiederholen" dürfe. "Am Bestand wird überhaupt nichts geplant, obwohl die Bestandstrasse nicht ausgelastet ist." Die Initiative führe laut Riedrich derzeit eine Zählung der Züge durch. Man komme bei weitem nicht auf die vom Verkehrsministerium angegebenen Zugzahlen. "Nach einem viertel Jahr kommen wir aktuell auf 150 bis 160 Züge. Wenn Scheuers Szenarien stimmen, dann bräuchten wir einen zweiten und einen dritten Brenner-Basistunnel. 

Der Vortrag von Thomas Riedrich im Video:

"Interesse der Region von großer Politik nicht vertreten"

Stephanskirchens Bürgermeister Rainer Auer (parteifrei) plädiert dafür, die Verkehrspolitik grundsätzlich neu auszurichten. "Ich sehe die Interessen der Region von der übergeordneten Politik nicht vertreten", sagt er. "Die Bürgerinitiativen streiten gemeinsam für die Region. Man möchte die Region schützen. Das ist kein St. Florians Prinzip. Es geht uns darum den Verkehr auf die Schiene zu bekommen, aber in einer sinnvollen Art und Weise und mit einer passgenauen Infrastruktur."

Rainer Ausers Vortrag im Video:

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