+++ Eilmeldung +++

Die Polizei durchsucht Wohnungen

Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

Die ersten Gerüste sind schon abgebaut

Zwischenbilanz des großen Shut Down bei OMV

+
Während des Shut Down wird jedes Detail des Werksgeländes von OMV unter die Lupe genommen
  • schließen

Burghausen - 34.000 Flanschverbindungen, 3400 externe Mitarbeiter auf dem Gelände und zwei neue Fackelköpfe: Die Mammutaufgabe des Shut Down bei OMV nähert sich dem Ende.

Vor etwa einem Monat wurden alle Anlagen runtergefahren, seit Anfang Oktober läuft nun schon der Kern-Shut-Down bei OMV in Burghausen. Auf dem 132 Hektar großen Werksgelände ist seitdem vieles anders als sonst: Viel mehr Arbeiter sind vor Ort, einzelne Anlagenteile liegen draußen gekennzeichnet und sortiert auf dem Boden oder in Containern, und die Anlagen selbst sind von Gerüsten umhüllt. Keine Überraschung, schließlich wird jedes Detail des Werks bei dem alle sieben Jahre wiederkehrenden Großereignis "Shut Down" unter die Lupe genommen.

Für Werke wie das von OMV in Burghausen sind Shut Downs unverzichtbar. Viele Elemente der Anlage sind schließlich im laufenden Betrieb nicht voll zugänglich, eine komplette Wartung ist also nur im siebenjährlichen Stillstand möglich. Für die Wochen des Shut Down hat die OMV insgesamt 3400 Partnerfirmenmitarbeiter vor Ort, ausgewiesene Spezialisten aus etwa 30 Ländern, die von Shut Down zu Shut Down ziehen. Nachdem die Spezialisten die Anlagen überprüft haben - und einzelne Komponenten gegebenenfalls erneuert wurden - werden alle Anlagen noch vom TÜV abgenommen.

"Der Shut Down ist erfolgreich, wenn nichts passiert"

Martin Pipek (stehend rechts) und Dr. Gerhard Wagner (dritter von links) erläuterten am Mittwoch den aktuellen Stand beim Shut Down

Bislang ist alles nach Plan verlaufen. "Jetzt ist schon nicht mehr so viel los", erzählt Martin Pipek, OMV Gesamtprojektleiter Shut Down 2014. Anfang November werden die Anlagen bereits wieder hochgefahren, alleine 34.000 Flanschverbindungen sind dann Pipek zufolge überprüft worden. Größere Zwischenfälle gab es bislang keine, für Dr. Gerhard Wagner, Geschäftsführer der OMV Deutschland GmbH, ein besonders wichtiger Aspekt. "Der Shut Down ist dann erfolgreich, wenn nichts passiert", so Wagner. Kosten und die Einhaltung des Zeitplans seien zwar auch wichtig, doch wenn sich jemand ernsthaft verletzen sollte, bleibe dies nachhaltig im Gedächtnis.

Auf das Thema Sicherheit während des Shut Down hat sich die OMV ein Jahr lang vorbereitet. Während der Wartungsphase überwacht ein etwa 40 Mitarbeiter starkes Sicherheitsteam alle Abläufe. Trägt jemand auf dem Gelände keinen Helm, schreiten die Sicherheitsleute sofort ein. Für den Fall der Fälle haben sie sogar kleine Gasmelder mit dabei und können gegebenenfalls Alarm schlagen. Wagner zufolge ist das Sicherheitskonzept bislang erfolgreich. Bis jetzt gab es nur gelegentlich kleinere Vorfälle, bei denen die Verletzung des Arbeiters schnell, beispielsweise mit einem Pflaster, versorgt werden konnte.

Arbeitsgruppe Steckscheiben hat 500 Scheiben im Blick

Ein großer Teil der Arbeiten ist inzwischen erledigt, einzelne Gerüste sind bereits wieder abgebaut. Allerdings sind noch immer viele Anlagenteile auf dem Werksgelände verteilt. Zudem stehen unzählige Container auf dem Areal, in einigen von ihnen arbeiten beispielsweise die Planer des Shut Down. So gibt es im Petrochemie-Bereich des Werksgeländes einen eigenen Container für die Arbeitsgruppe "Steckscheiben". 500 Stück dieser Scheiben unterschiedlicher Größe müssen während des Shut Down gewartet werden.

Im Container der zuständigen Arbeitsgruppe hängen nummerierte Anhänger an der Wand, jeder von ihnen steht für eine Steckscheibe. So sehen die Experten auf einen Blick, welche Scheibe bereits gewartet wurde. Fehlt ein Anhänger, wird die Scheibe gerade gewartet. Hängt der Anhänger an der Wand, ist dies bereits geschehen.

70.000 Liter Freigetränke für die Arbeiter

Der Shut Down bei OMV ist ein Projekt in zumeist riesigen Dimensionen. Schon die Größe des Areals stellt eine eigene Herausforderung dar. Jeder Mitarbeiter hat sein eigenes Fahrrad, mit dem er die weiten Strecken bewältigen kann. Für die Mitarbeiter gibt es außerdem im Schnitt etwa 2500 Essen pro Tag und während des gesamten Shut Down gibt OMV 70.000 Liter Freigetränke heraus (zusätzlich zu den Getränken freilich, die die Arbeiter selbst mitbringen).

Auch die 38 für den Shut Down aufgestellten Kräne haben zum Teil enorme Ausmaße. Ein Spezialkran etwa kann mehrere hundert Tonnen heben. Weil so ein Gerät gerne mal über Jahre ausgebucht ist, muss ein Shut Down auch immer mit großem Vorlauf geplant werden.

Das Gelände wird um Butadien-Anlage erweitert

Das gesamte Projekt kostet etwa 42 Millionen Euro und ist erforderlich, um die gesetzlichen Auflagen im Rahmen der Betriebssicherheitsverordnung zu erfüllen. Nach den Kontrollen des TÜV erhalten die Anlagen eine Betriebsgenehmigung für die kommenden Jahre.

Traditionell nutzt OMV diesen kosten- und zeitintensiven Stillstand auch zu Investitionen in das Werksgelände. Zu keinem anderen Zeitpunkt lassen sich schließlich neue Anlagen einfacher in den Gesamtkomplex integrieren. 2014 wird das Werk um eine Butadien-Anlage (Investitionsvolumen: 200 Millionen Euro) erweitert. Butadien ist ein Grundstoff in der Reifenindustrie und bei der Produktion von Reifen mit geringem Rollwiderstand - und damit verbrauchsarmen Reifen - gefragt. OMV hat bei Butadien in erster Linie die gute Nachfrage auf dem Weltmarkt und die Margenträchtigkeit im Blick. Kurz gesagt: Absatz- und Gewinnmöglichkeiten scheinen OMV bei Butadien attraktiv.

Bilder vom Werksgelände während des Shut Down:

Das Gelände von OMV während des Shut Down

Zwei neue Fackeln für weniger Ruß

So sieht er aus, der neue Fackelkopf von OMV

Die Markenzeichen des Werksgeländes, die beiden Fackeln, werden während des Shut Down auf den neuesten Stand gebracht. Gibt es im laufenden Betrieb überschüssige Gase, werden diese in speziellen Behältern unterhalb der Fackeln gesammelt. Wird das Staugas einmal dennoch zu viel, wird es über die Hochfackeln verbrannt. Inzwischen liegen die beiden alten Fackelköpfe auf dem Boden des Werksgeländes, künftig kommen bei OMV Köpfe zum Einsatz, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Sowohl die Ruß- als auch die Lärmentwicklung soll so minimiert werden.

Läuft alles weiterhin nach Plan, werden die Anlagen zum 1. November wieder angefahren. Ab 9. November soll die Produktion dann wieder aufgenommen werden. Insgesamt rund 40 Tage hat der Shut Down bei OMV dann gedauert - hinter dem Werk liegt dann ein Großprojekt, das erst in sieben Jahren wieder ansteht.

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser