Vorräte, Bunker, Überlebenstraining

Bereit für das Weltende: "Prepper" in Bayern und der Region

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Landkreis - Sie bereiten sich auf Katastrophen und gar den Untergang der Zivilisation vor, horten Lebensmittel, bauen Bunker - Ist die sogenannte Prepper-Szene auch in unserer Region aktiv? 

Bei „Preppern“ (abgeleitet von to be prepared – vorbereitet sein) handelt es sich um Personen, die sich auf ein erhebliches Großschadensereignis bis hin zu einem Untergang der Zivilisation vorbereiten. Sie bezweifeln nämlich, dass zum Beispiel im Falle eines Krieges, einer Naturkatastrophe oder eines Terroranschlages die staatliche Krisenvorsorge funktioniert. Dabei ist die Szene nicht auf Deutschland beschränkt. Die Vorbereitungen können die unterschiedlichsten Ausprägungen haben. Sie reichen vom Anlegen von Vorräten bis hin zum Bau von Bunkern oder Training von entsprechenden Überlebensfähigkeiten in speziellen Kursen. 

Zumindest Teile der Szene scheinen auch den Umgang und den Besitz von Waffen in diese Vorbereitungen mit einzubeziehen. Dabei ist nach jetzigem Kenntnisstand von einer sehr heterogenen Szene auszugehen, die sich in unterschiedlichstem Maße auf eventuelle Krisenszenarien vorbereitet. 

Unter den „Preppern“ stellen die „Doomer“ eine Sonderform dar. Sie bereiten sich auf den kompletten Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation vor. Als Ursache dieses Zusammenbruchs werden z.B. die derzeitigen ökologischen Entwicklungen gesehen. Dabei handelt es sich nicht um ein vorübergehendes Ereignis wie etwa einen Stromausfall, für den es reichen würde, Vorräte in Form von Lebensmitteln, Wasser oder etwa Kerzen anzulegen. Für ein derartiges Krisenszenario werden speziellere Formen von Überlebenstechniken etwa in Form von Survivalkenntnissen benötigt, um auch dauerhaft ohne die Vorteile moderner Zivilisationen überleben zu können.

Prepper in Bayern und der Region

Die "Prepper"-Szene ist in Deutschland keine einheitliche Bewegung. Von politischem Radikalismus grenzen sich die meisten deutschen "Prepper"-Foren ab, doch die Szene ist attraktiv für Waffennarren und Verschwörungstheoretiker.

Der Landtagsabgeordnete Florian Ritter (SPD) stellte eine kleine Anfrage, welche Erkenntnisse der Bayerischen Staatsregierung über die bayerische „Prepper-Szene“, insesondere „Doomer“, und ihre Verbindungen zu anderen Organisationen vorliegen.

Keine Erkenntnisse über verfassungsfeindliche Bestrebungen

Wie das Ministerium des Innern, für Bau und Verkehr mitteilt, liegen der bayerischen Staatsregierung derzeit keine Erkenntnisse über verfassungsfeindliche Bestrebungen der „Prepper-Szene“ oder einzelner Gruppierungen innerhalb der Szene vor. Da die „Prepper-Szene“ nicht dem Beobachtungsauftrag des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz (BayLfV) unterliegt, können jedoch keine Aussagen über Größe und Struktur der Szene getroffen werden.

"Zudem werden „Prepper“ bzw. „Doomer“ im Rahmen des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes nicht als eigenes Themenfeld erfasst und sind somit auch dort nicht statistisch recherchierbar.Die alleinige Kenntniserlangung von Personen, die ausschließlich große Mengen Vorräte lagern, bietet zudem für sich allein betrachtet noch keine ausreichende Grundlage zur polizeilichen Speicherung", heißt es weiter. Der Bayerischen Polizei liegen folgende Erkenntnisse zu aktuell in Bayern wohnhaften „Preppern“ vor:

PP Oberbayern Nord: 1 Person 

PP Oberbayern Süd: 1 Person (Landkreis Traunstein)

PP Schwaben Süd/West: 1 Person

PP Unterfranken: 3 Personen (davon wird eine Person als „Doomer“ eingestuft)

Erkenntnisse zu Personen, bei denen Bezüge zur „Prepper-Szene“ möglich sind, liegen in folgenden Polizeipräsidien vor:

PP Mittelfranken: 2 Personen

PP München: 2 Personen 

PP Niederbayern: 2 Personen

Verbindung zu Reichsbürgern und Rechtsextremisten

Im Bereich des Polizeipräsidium Oberbayern Süd soll diese eine Person aus der Prepper-Szene auch der Reichsbürgerszene nahe stehen

In der rechtsextremistischen Szene erfreuen sich Untergangsszenarien einer gewissen Beliebtheit bzw. wird mit einem baldigen Kollaps des Systems gerechnet. Eine organisatorische Überschneidung zwischen der rechtsextremistischen Szene und der „Prepper-Szene“ sei laut Ministerium derzeit in Bayern nicht erkennbar.

Waffen- oder Munitionsfunde bei bayerischen Preppern

Bei den oben aufgeführten Personen wurden auch Waffen oder Munition gefunden:

PP Oberbayern Nord: 
Zur Schusswaffe umgebaute PTB-Waffe samt Munition 

PP Oberbayern Süd:
Ein geladener großkalibriger Revolver, ein doppelläufiges Schrotgewehr, gefüllte Magazine für ein militärisches halbautomatisches Sturmgewehr sowie mehrere tausend Schuss Munition 

PP Niederbayern:
Eine Dekorationswaffe einer Maschinenpistole, eine Schreckschusspistole, eine Dekorationswaffe einer Pistole, eine Dekorationswaffe eines Revolvers ohne Trommel, ein Schreckschuss-/Gasrevolver, eine Dekorationswaffe eines Selbstladegewehrs, ein Wurfstern, ein Butterflymesser, ein Würgeholz (Nunchaku), ein Waffenlauf für Selbstladepistole, ein Waffenlauf für Gewehr, ein Elektroschocker ohne Prüfzeichen, ein Zündhütchen, Werkzeug/Computerdateien zur Bearbeitung von Waffen sowie zur Herstellung von Munition sowie über 100 Patronen mit scharfer Munition und unzählige Patronenhülsen unterschiedlichsten Kalibers, Treibladungspulver sowie ein Gemisch aus Treibladungs- und Schwarzpulver

PP Schwaben Süd/West:
Eine Schreckschusswaffe und die passende Munition

PP Unterfranken:
Eine Wurfaxt, eine Langaxt, diverse Messer, ein Schreck-schussrevolver mit Munition, ein Bogen mit Pfeilen, eine Armbrust mit Bolzen, eine Machete, ein Teleskopschlag-stock, ein Eisenschlagstock, ein Tierabwehrspray und eine Schleuder mit mehreren Stahl- und Glaskugeln

Eine konkrete Gefährdungsbewertung könne laut Staatsregierung nicht abgegeben werden, da derzeit nur wenige Erkenntnisse über Personen, die der „Prepper-Szene“ zugeordnet werden können, vorliegen. 

Gegen vier Personen, die der „Prepper-Szene“ zugerechnet werden, sind bisher waffenrechtliche Verfahren eingeleitet worden. Die Waffenbehörden haben in einem Fall die Waffenerlaubnis widerrufen und in einem Fall ein allgemeines Waffenbesitzverbot erlassen, in den beiden übrigen Fällen sind die behördlichen Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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