Forderung und Warnung an Politik

Strompreis entscheidend für Zukunft des Chemiedreiecks

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Podiumsdiskussion über die Zukunft der regionalen Industrie - v.l.: Burghausens Bürgermeister Hans Steindl, OMV-Geschäftsführer Dr. Gerhard Wagner, CSU-Generalsekretär Markus Blume, Dr. Johann Schachtner (Generalsekretär des Wirtschaftsbeirats) Landrat Erwin Schneider und Dr. Dieter Gilles (Leiter Werk Burghausen der Wacker Chemie AG)
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Burghausen – Vertreter aus Politik und Industrie haben im Rahmen einer Podiumsdiskussion „Bayerisches Chemiedreieck im Fokus der Klima-, Energie- und Industriepolitik“ über die regionale Industrie gesprochen. Dabei wurde besonders die Senkung des Strompreises als Bedingung für eine erfolgreiche Zukunft formuliert.

Die Chemie ist verantwortlich für den Wohlstand in der Region. Doch viele Faktoren erschweren den Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft. Besonders der Strompreis von derzeit 30 Cent pro Kilowattstunde würde den Wettbewerb mit anderen Chemiekonzernen aus USA und China unmöglich gestalten. Aber auch mit anderen politischen Vorgaben und der Infrastruktur hadern die Vertreter der Industrie und der Lokalpolitik.

Markus Blume, Generalsekretär der CSU, folgte einer Einladung des Wirtschaftsbeirats der UNION, Bezirksgruppe Inn/Salzach nach Burghausen, um sich die Anliegen der Region anzuhören und Stellung zu beziehen. Die Problematik hat auch die Politik erkannt. „Die Zeiten, in denen Alles von alleine läuft, sind vorbei“, so Blume. Dennoch müsse man nicht pessimistisch in die Zukunft blicken, aber wachsam sein. Deutschland benötige dafür aber ein klares Bekenntnis zur chemischen Industrie, besonders in Sachen Klimaschutz.

Klimaschutz in der Industrie

„Wir brauchen eine Klimastrategie und keine -ideologie“ so der CSU-Generalsekretär. Man dürfe es nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen wollen, aber auch nicht ignorieren. Dafür müsse man Anreize für die Industrie schaffen, anstatt Verbote auszusprechen.

„Wir haben eine Verantwortung für die ganze Welt. In anderen Ländern ist der CO2-Austoß bei vielen Produktionen drei Mal so hoch wie in Deutschland“, so Blume. Daher müsse man die Rahmenbedingungen für die Unternehmen verbessern.

„Produkte von Wacker werden für den Klimaschutz verwendet. Bestes Beispiel dafür ist Polysilizium, das für die Produktion von Photovoltaik-Anlagen verwendet wird“, erklärt Dr. Dieter Gilles, Leiter Werk Burghausen der Wacker Chemie AG. Zwar würde der Standort in Burghausen aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrung effektiv produzieren, doch mit den aktuellen Strompreisen wäre man trotzdem nicht wettbewerbsfähig.

Energie ist das Schlüsselthema

Auch die OMV ist an der Produktion für Klimaschutz beteiligt. „Die Industrie produziert Lösungen“, erläutert OMV-Geschäftsführer Dr. Gerhard Wagner. Die Energie sei auch das Schlüsselthema für sein Unternehmen. „Wir braucheneinen Strompreis von vier Cent pro Kilowattstunde“, so seine Forderung.

Mit 70 Prozent Exportgütern bräuchte die OMV zudem eine gute Infrastruktur. Der Ausbau der A94 hätte viel zu lange gedauert und auch die Ausbaustrecke 38 würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. „Wir gehen da hin, wo die besten Rahmenbedingungen für uns vorherrschen“, schickt Wagner eine Warnung an die Politik.

Frustration und Verunsicherung spürbar

Landrat Erwin Schneider fehle die Trendwende. „Wir leben in einer Wohlfühloase. Zwar haben wir derzeit einen Aufschwung, doch oft reagieren wir erst, wenn es bergab geht“, kritisiert Schneider. Burghausens Bürgermeister Hans Steindl mag sogar Frustration und Verunsicherung spüren. „Der Standort ist so stark, jedoch wird er in den übergeordneten Behörden oft nicht so gesehen“, so Steindl über mangelnde Unterstützung.

Die Bevölkerung habe die Gefahren der Chemieindustrie mitgetragen, weil die Rahmenbedingungen in der Region gut sind. „Doch wenn die Gelder für Kultur und Bildung fehlen, sinkt auch die Akzeptanz“, warnt der Bürgermeister. Zudem hätte man in Bayern viel zu viele Auflagen.

„Wir brauchen Unterstützung. Die Frage lautet nur: Wie kann man das erreichen?“, fasst Gilles zusammen. Der Ball liegt bei der Politik. Zumindest Blume sieht allen Grund, optimistisch nach vorne zu blicken und verspricht: „Das Chemiedreieck soll erhalten bleiben!

jz

Quelle: innsalzach24.de

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