Integrationspreis 2013 in Oberbayern

"Der Emran, der Igor - das ist mein Vorbild"

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Ein buntes Rahmenprogramm aus Musik und Tanz begleitete die Preisverleihung.
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Burgkirchen - Wohlfahrtsläden, Sprachförderung und "grenzenlose Spiele": Die Regierung von Oberbayern hat sechs Vorzeigeprojekte mit dem Integrationspreis 2013 geehrt.

In Burgkirchen hat am Donnerstagnachmittag die Regierung von Oberbayern den Integrationspreis 2013 verliehen. In einer großen Feierstunde im Bürgerzentrum ehrte Regierungspräsident Christoph Hillenbrand im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration auch mehrere Initiativen aus der Region. Der mit 1500 Euro dotierte erste Preis ging an die Wohlfahrtsläden im Landkreis Altötting.

"Kein Kind soll auf der Strecke bleiben"

In den Wohlfahrtsläden bekommen vorrangig materiell schlechter gestellte Menschen die Möglichkeit, Kleidung, Haushaltsgeräte und Lebensmittel einzukaufen. Damit bieten die Wohlfahrtsläden Integration für viele Menschen, nicht nur Migranten. Das Projekt besteht seit 2005 und stützt sich auf das Engagement von 146 ehrenamtlichen Mitgliedern, die 2012 insgesamt 21.000 Stunden im Einsatz waren. Finanziell unterstützt wird das Projekt von den Kommunen Altötting, Burgkirchen, Garching an der Alz, Neuötting und Töging sowie dem Landkreis Altötting.

Einen Ehrenpreis gab es am Donnerstag für die Wacker Chemie AG, die mit regelmäßigen, hohen Spenden für das Projekt "Die Arche" in München-Moosach die Bildung von Kindern und Jugendlichen fördert. "Jedes einzelne Kind ist ein Geschenk. Wir können es uns nicht leisten, dass auch nur eines auf der Strecke bleibt", betonte Wacker-Vorstand Dr. Tobias Ohler in seiner Dankesrede.

Dritter Preis für "Grenzenlose Spiele Freilassing"

Macht sich ein Bild von "Grenzenlose Spiele Freilassing": Regierungspräsident Christoph Hillenbrand.

Ein besonders kreatives Projekt bekam den mit 500 Euro dotierten dritten Preis: "Grenzenlose Spiele Freilassing". 2012 feierte das Projekt Premiere, rund 500 Freilassinger zwischen drei und 82 Jahren spielten mit. In einem sieben Monate andauernden Wettkampf rangen fünf Stadtteile in einer Reihe von Geschicklichkeitsspielen um den Sieg. Für die Regierung von Oberbayern ist "Grenzenlose Spiele Freilassing" ein Musterbeispiel an Integration, weil es das gemeinsame Erleben und das Miteinander in der Gemeinde stärkt.

Die beiden mit je 800 Euro dotierten zweiten Preise gingen an ein Münchner Mentorenprojekt zur Integration Jugendlicher und den Verein MiBiKids, der Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund ab dem Kindergartenalter sowie für deren Eltern anbietet. Einen mit 400 Euro dotierten Sonderpreis erhielt Vera Pein aus Inning am Ammersee, die in den vergangenen 20 Jahren mehr als 40 Pflegekinder aus der ganzen Welt betreut hat.

"Integration braucht den Einsatz vieler"

Wie wichtig das vielfältige Engagement Ehrenamtlicher ist, machten die Politiker in ihren Ansprachen deutlich. "Integration gibt es nicht zum Nulltarif. Sie braucht den Einsatz vieler", meinte etwa Regierungspräsident Hillenbrand und der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer betonte, dass alle Maßnahmen der großen Politik wertlos wären "ohne Menschen vor Ort, die Integration leben". Für Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, kann dabei jeder zum Vorbild werden. Jemand wie Mesut Özil sei zwar ein Vorbild, aber auch weit weg. "Der Emran, der Igor - der wohnt in meiner Straße - das ist mein Vorbild", so Neumeyer.

Burgkirchens Bürgermeister Johann Krichenbauer warnte allerdings davor, das Engagement der Menschen vor Ort zu sehr zu strapazieren. Zwar sei die Entwicklung Burgkirchens mit Einwohnern aus 53 Nationen geprägt von gelebter Integration. "Leider werden wir bei allen Integrationsbemühungen nicht genug unterstützt", so Krichenbauer. So würden die Asylbewerber von einer Kraft 12,5 Stunden pro Woche betreut. Hinzu komme lediglich noch eine Teilzeitkraft für russischsprachige Flüchtlinge.

Die Preisverleihung in Bildern

Musik, Tanz und jede Menge Preise

Landrat Erwin Schneider zeigte sich überzeugt, dass der Landkreis trotzt aller Schwierigkeiten die Asylbewerber angemessen beherbergen kann. "Wir sind gar nicht so paralysiert wegen der Asylbewerber", sagte Schneider. Im Landkreis Altötting, den der Landrat als "polyglott" und "kosmopolitisch" beschrieb - habe man eine "verständige Kultur" für die Asylbewerber geschaffen.

"Mein Sohn, der ist nicht gut für dich"

Sparte nicht mit kritischen Worten: Dieu Merci, ein Pflegekind von Vera Pein.

Welche Hürden Migranten bei allem Engagement seitens der Politik und der Ehrenamtlichen zu überwinden haben, verdeutlichte Dieu Merci, der inzwischen erwachsene Pflegesohn von Vera Pein. An seinem ersten Schultag sei die Mutter seines Sitznachbarn zu diesem gegangen und habe gesagt: "Mein Sohn, neben dem darfst du nicht sitzen, der ist nicht gut für dich", erinnerte sich Dieu Merci. Häufig der beste Schüler und der beste Sportler gewesen zu sein, war eben das eine. Ständige Kontrollen in der Innenstadt und ungewöhnlich lange Bewerbungsgespräche waren das andere. Wie Dieu Merci erzählt, hat ihm seine Pflegemutter eines mit auf den Weg gegeben: Für die gleichen Chancen muss er sich immer bemühen, besser zu sein als die anderen.

Quelle: innsalzach24.de

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