Jäger fordern: Wolf zum Abschuss freigeben

Wolfsrudel im Chiemgau ansässig? Video sorgt für heftige Spekulationen 

Landkreis/Tirol - Für heftige Spekulationen sorgt derzeit ein Video, das ein wolfsähnliches Tier mit seiner Beute zeigt. Hat sich ein Wolfsrudel im Chiemgau angesiedelt?

Ein wolfsähnliches Tier, das einen Tierkadaver - wahrscheinlich ein totes Reh - zieht: Das ist auf dem kurzen Video, welches derzeit für reichlich Aufregung bei Oberbayerns Landwirten und der Jägerschaft sorgt, zu sehen. Dass es sich um einen Wolf handelt, steht für Engelbert Fuchs, den Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft Kiefersfelden, außer Frage. Ein wildernder Hund würde ein gerissenes Tier zurücklassen. Doch das Tier im Video zerre die Beute in den Wald - in der offensichtlichen Absicht, sie zu fressen. Ein Hund würde ein solches Verhalten nicht an den Tag legen. 

Ein Bekannter hat Fuchs das Video zukommen lassen, der genaue Urheber ist unbekannt. Aufgenommen wurde das Video höchstwahrscheinlich im tirolerischen Kössen - also direkt an der Grenze zum Chiemgau. Und da für die Beutegreifer menschgemachte Grenzen nicht existieren, wird das Video auch zum Thema in Oberbayern. Zumal es auch auf bayerischer Seite in letzter Zeit vermehrt zu Wolfssichtungen kam

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Berichte über Sichtungen mehren sich - mehrere Wölfe unterwegs?

Im benachbarten Unterinntal jedenfalls mehren sich Berichte über Sichtungen und Risse durch Wölfe. Binnen kürzester Zeit wurden in Tirol Ende Juni mehrere getötete Schafe aufgefunden. Zunächst wurden am 19. Juni drei Schafe in Walchsee höchstwahrscheinlich durch Wölfe getötet, wie die "Tiroler Tageszeitung" berichtet. Genau eine Woche später, am 26. Juni, wurden drei Schafe in Kössen gerissen. Die Tiroler Jägerschaft weiß bereits von mindestens zwei Wölfen zu berichten, die im Grenzgebiet streiften: Einer habe dunkles, einer helles Fell. 

Nicht nur deshalb könnte die Situation im Grenzgebiet im Gegensatz zu früheren Rissen durch Wölfe diesmal neu sein. Denn: Bislang konnte davon ausgegangen werden, dass es sich um durchziehende Tiere handelt. Meistens handelt es sich laut Engelbert Fuchs um Tiere aus Norditalien - aber auch aus der Ukraine kommend würden sie auf ihrer Wanderschaft durch oberbayerisches Gebiet streifen. 

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"Wölfe versuchen Rudel zu bilden"

Wölfe, wie er im Gespräch ausführt, würden versuchen, Rudel zu bilden. Dies sei ihnen offenkundig in der Vergangenheit im Gebiet von Oberbayern und dem Tiroler Unterland nicht gelungen. Die Sichtungen und gerissenen Tiere könnten darauf hinweisen, dass der Wolf versuche, in unserem Gebiet sesshaft zu werden

Das, so Fuchs, gelte es bereits im Ansatz zu verhindern. "In dicht besiedeltem Gebiet hat der Wolf nichts verloren", verdeutlicht er seine Sicht der Dinge. Er befürchtet massive Schäden für die Landwirtschaft. Noch reiße der Wolf Rehe, Schafe und Ziegen - was bereits wirtschaftliche Einbußen für Landwirte bedeute. Sollte sich ein Rudel ansiedeln, wäre es denkbar, dass er auch Jagd auf größere Tiere mache. Sprich: Wölfe könnten auch Milchkühen nachstellen. "Das wäre für ein Rudel definitiv kein Problem", führt er aus. 

Dass das kein Ding der Undenkbarkeit ist, zeigt ein Beispiel von der Unterwiesenalm im tirolerisch-bayerischen Grenzgebiet. Wie von chiemgau24.de berichtet, hat ein Wolf dort nur wenige Tage vor den Rissen in Kössen und Walchsee Jagd auf Kälber gemacht. Bauer Markus Schwaighofer berichtete, wie aus dem Nichts plötzlich mehrere seiner jungen Rinder und trächtige Tiere auf der Weide nervös auf und abgerannt seien. Als der Bauer vom Stall nach draußen ging, traute er seinen Augen nicht. Nur etwa 25 Meter vom Haus entfernt trieb offenbar ein Wolf sein Unwesen. Schwaighofer ist sich sicher, wäre er nicht bei seinen Kälbern gewesen, hätte der Wolf mehrere Tiere zu Tode gejagt bzw. gerissen.

Forderung: Wölfe sollen zum Abschuss freigegeben werden

Wie in Tirol wird deshalb auch in Oberbayern die Forderung lauter, den Wolf zum Abschuss freizugeben. Auch Engelbert Fuchs schließt sich dieser Forderung an. "Unser Gebiet und das Tiroler Inntal bis zum Brenner sollten wolffrei bleiben!" Dass es soweit kommt, wird bislang aber noch von einer EU-Richtlinie verhindert. Ein Umstand, der für Fuchs schleunigst geändert gehört. 

dp

Quelle: chiemgau24.de

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