Muss die Stechmückenpopulation bekämpft werden? *Mit Voting*

Mückenplage am Chiemsee? Monitoring-Ergebnisse bringen Licht ins Dunkel  

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Chiemsee - Wie entwickelt sich die Mückenpopulation heuer am Bayerischen Meer? Die Auswertung des Monitorings zur Mückenpopulation liegt inzwischen vor.

Aufgrund der Niederschläge von Ende April bis Ende Mai 2019 hätten sich im Umfeld des Chiemsees Staunässeflächen gebildet und die Pegel seien angestiegen. Dies habe zur Überflutung von Stechmückenbrutstätten und zum Massenschlupf von Überschwemmungsmückenlarven geführt. Deren Entwicklung sei aufgrund der insgesamt kühlen Witterungslage jedoch sehr langsam vorangeschritten. Das erläutert Thomas Weimann vom Abwasser- und Umweltverband Chiemsee (AUV Chiemsee) zum durchgeführten Monitoring am Chiemsee. 

Am 23. Mai habe der Pegel infolge von Niederschlägen und Schneeschmelze in Seebruck beispielsweise sein Maximum von 167 Zentimetern erreicht. Damit sei die Möglichkeit der Durchführung von Bekämpfungsmaßnahmen als gegeben angesehen worden. Ferner sei die aktuelle Larvensituation am Chiemsee erfasst und Vorbereitungen für eine eventuelle Helikopterbekämpfung der Stechmückenbrutareale getroffen worden. 

Gerade weil sich die Gemeinde Seeon-Seebruck für den Austritt aus dem AUV Chiemsee entschieden hatte, befürchten Gegner des Austritts, darunter Bürgermeister Bernd Ruth, als Folge einer möglichen Mückeplage negative Auswirkungen auf den Tourismusort Seebruck

Pegelgang und Niederschläge am Chiemsee im Zeitraum von Ende April bis Ende Mai.

Weimann dazu: "Die Situation vor Ort war sehr unterschiedlich. An nur wenigen Stellen und nur sehr begrenzt waren Erstlarven infolge des Pegelanstiegs geschlüpft - in Übersee im Bereich der alten Tiroler-Achen-Mündung zum Beispiel oder in Rimsting in der Nähe des Strandbads Westernach. An den meisten Probestellen konnten jedoch weit entwickelte Viertlarven und bereits Puppen in zum Teil hohem Vorkommen nachgewiesen werden."

Anflugkontrollen hätten außerdem ans Licht gebracht, dass zahlreiche Stechmücken im Vorfeld geschlüpft seien, sie seien jedoch aufgrund der bis dahin niedrigen Nacht- und Tagtemperaturen in ihrer Stech- und Wanderfreudigkeit stark eingeschränkt gewesen. Die Bevölkerung habe sie lediglich lokal in unmittelbarer Nähe zu den Brutstätten bemerken können. Diese Werte seien allerdings teilweise hoch gelegen, bei etwa 50 Anflügen pro 2 Minuten.

Larvensituation am Chiemsee Ende Mai 2019: Die Ergebnisse der Schöpfproben in Klassen zusammengefasst.

Die Gründe, warum man dennoch von einer kostenintensiven Hubschrauberapplikation der Stechmückenbrutstätten abgesehen habe: 

  • Hohe Abundanz von Viertlarven und Puppen in zahlreichen Brutstätten um den See, die man durch eine Bekämpfung nicht mehr rechtzeitig vor der Verpuppung hätte be- kämpfen können. Teilweise waren schon zahlreiche Puppen vorhanden. Eine frühere Bekämpfung bei steigendem Pegel wäre aufgrund der Verdriftung nicht möglich gewesen.
  • Zahlreiche Fluginsekten waren bereits in vielen Bereichen vorhanden und deutlich spürbar.
  • Eine Bekämpfung hätte hohe Kosten verursacht, aber keinen nennenswerten "Linderungseffekt" gehabt.

Aufgrund der Ausgangslage sei es laut Weimann jedoch vorhersehbar gewesen, dass mit steigenden Temperaturen und dem Schlupf der Puppen und Viertlarven die Belästigungen im Umfeld des Chiemsees sowie den angrenzenden Gemeinden spürbar sein werden. "Anfang Juni gingen die ersten Beschwerden bei uns ein."

Überwiegend Auwald- und Wiesenmücken

Mitte Juni habe man dann zur Erfassung des Artenspektrums der Stechmücken an 15 Standorten Fallenfänge durchgeführt. Bereits beim Aufhängen der Fallen seien teilweise starke Anflüge der Mückenart "Aedes sticticus" an den meisten Standorten verzeichnet worden. Kaum Anflüge habe man derweil an den Standorten Rimsting-Ortsrand, Grabenstätt-Bürgermeisteramt sowie Feldwies-Chiemseestüberl verzeichnet. 

"Insgesamt wurden an allen Fallenstandorten 8.626 Mückenarten gefangen. Den Hauptanteil an den Fallenfängen stellen die Auwald- und Wiesenmücken dar. Die Belästigungen konzentrierten sich zum Untersuchungszeitpunkt jedoch vorrangig auf die seenahen Gebiete. Absoluter Spitzenreiter in Bezug auf die Summe der gefangenen Stechmücke war der Standort in Übersee, in der Nähe der Nikolaus-Kapelle", erklärt Weimann.

"Die Fallenfangergebnisse zeigen deutlich, dass die Stechmücken im Vergleich zu bekämpften Hochwasserspitzen deutlich spürbar und die Beschwerden von Anwohnern nachvollziehbar sind", so Weimann weiter. "Die Belästigungen können nach Auswertung der Monitoring-Ergebnisse lokal durchaus stärker spürbar sein, von einer massiven Stechmückenplage ist aber nicht auszugehen.

Fazit: Keine Bekämpfung nötig? 

Abschließend bliebe laut Weimann festzuhalten, dass auch nach den Ergebnissen des Monitorings sowie der aktuell spürbaren Belästigung die Durchführung einer großflächigen Hubschrauberbekämpfung bei stark ansteigendem Wasserstand "unsinnig" sei. 

"Zum einen würden die Larven mit dem ansteigenden Wasser auf eine deutlich größere Fläche verteilt werden, was am Chiemsee mit einer signifikanten Vergrößerung der Bekämpfungsfläche einherginge. Die Larvendichten würden darüber hinaus so ausgedünnt, dass an manchen Stellen die Schwellenwerte nicht erreicht würden. Den Hauptgrund für die Entscheidung stellte aber die ohnehin schon vorhandene Belastung an Fluginsekten dar. Eine spürbare Entlastung wäre trotz hoher Ausgaben für einen Bekämpfungseinsatz nicht erreicht worden", erläutert Weimann zum Schluss. 

mb

Quelle: chiemgau24.de

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