Tat aus dem Jahr 2010

Todesstrafe: Viel Zeit bleibt Philipp B. nicht mehr

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Dieses Foto entstand am Tatort in Xiamen kurz nach dem Doppelmord. Der Teisendorfer Philipp B. wurde nun als Täter zum Tode verurteilt.
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Teisendorf/Xiamen - Philipp B. aus Teisendorf wurde von einem chinesischen Gericht zum Tode verurteilt. Eine amnesty-Expertin schätzt für uns den Fall ein. *NEUE INFOS*

UPDATE 16:10 Uhr: Das sagt die amnesty-Expertin

In einem Gespräch mit Verena Harte, der Asienexpertin von amnesty international Deutschland, das unsere Redaktion am Telefon führte, erhielten wir neue Einschätzungen zu dem Todesurteil gegen Philipp B. aus Teisendorf.

Harte erklärte uns, dass dieser Fall besonders sei. Es sei nämlich auch für chinesische Verhältnisse ein "sehr langes Verfahren" gewesen. Außerdem ist Philipp B. der erste Deutsche, der nach amnesty-Informationen in China zum Tode verurteilt wurde. Deshalb sei der weitere Verlauf des Verfahrens "extrem schwer einzuschätzen". Allgemein erklärte die Asienexpertin jedoch, dass letztinstanzlich Verurteilte nicht wie in den USA mehrere Jahre in einem Todestrakt auf die Vollstreckung warten müssen. "Sobald der Rechtsweg ausgeschöpft ist, erfolgt die Todesstrafe in der Regel sehr schnell." Laut Angaben von gut informierten Quellen vor Ort, sei jedoch nicht damit zu rechnen, dass das Urteil innerhalb des nächsten halben Jahres vollstreckt wird, sagte Harte.

Zunächst kann Philipp B. binnen zehn Tagen vor dem nächsthöheren Gericht auf Regionsebene Berufung einlegen. Die allerletzte Entscheidung habe dann der Oberste Gerichtshof. Diese Prüfinstanz wurde 2007 für alle Todesurteile verbindlich eingeführt, weil es zu mehreren aufsehenerregenden Fehlurteilen in China kam, die auf lokaler Ebene ausgesprochen wurden.

Ob es durch Einflussnahme des Auswärtigen Amtes in Berlin noch Hoffnung für Philipp B. gibt, bezweifelt die amnesty-Expertin. So wurde im Jahr 2009 das Todesurteil gegen einen britischen Staatsbürger vollstreckt, der Heroin nach China schmuggelte, obwohl sich die Regierung in London in dem Fall stark engagierte.

Bei einer Einschätzung ist Verena Harte jedoch ganz klar: Auch wenn der Doppelmord eine brutale Tat war, bleibt sie strikt gegen die Todesstrafe, weil sie eine Verletzung des Rechts auf Leben ist. Studien hätten belegt, dass die Todesstrafe zudem keinen abschreckenden Charakter habe, also nicht zur Verbrechensprävention diene.

UPDATE 13:30 Uhr: Teisendorfer nicht überrascht

Laut tageschau.de haben Philipp B. und sein Anwalt nun zehn Tage Zeit, um Berufung einzulegen. In jedem Fall müssten Todesstrafen in China vom Obersten Gericht des Landes geprüft und bestätigt werden. Gefällt wurde das Urteil vom Mittleren Volksgericht der südchinesischen Stadt Xiamen.

Weiter meldet tagesschau.de, dass der Teisendorfer laut Angaben seines Anwalts gefasst auf die Urteilsverkündung reagiert habe. Sein Mandant habe mit einem Todesurteil gerechnet. Den Doppelmord an seiner Ex-Freundin und ihrem neuen Partner hatte er eingestanden.

Sowohl die Deutsche Botschaft in Peking als auch das Auswärtige Amt in Berlin gaben bislang kein Statement ab.

Erstmeldung 10.51 Uhr:

Der Anwalt von Philipp B. berichtete der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch, dass ein Todesurteil am Vortag vom Mittleren Volksgericht der südchinesischen Stadt Xiamen gefällt wurde.

Bluttat mit Hammer und Messer

Der Angeklagte hat im Juni 2010 seine ehemalige Freundin aus Studententagen und deren neuen Lebensgefährten auf offener Straße mit einem Hammer und einem Messer umgebracht. Der getötete Mann ist ebenfalls Deutscher gewesen, die Frau besaß die venezolanische Staatsbürgerschaft.

Eifersucht als Tatmotiv?

Kennengelernt hatte er das spätere Opfer, Jennifer M. (†29) im Sinologiestudium in München. Im Jahr 2005 kam es zur Trennung, die der Teisendorfer nicht akzeptieren wollte. Er habe die Frau gestalkt und bedroht.

Eifersucht wird deshalb als Tatmotiv vermutet, als er sie und ihren neuen Partner, Jörn H. (†39) unter einem Vorwand zum Marco Polo Hotel in Xiamen lockte, sie dort maskiert auf der Straße überfiel und tötete. Das Paar hinterließ ein damals dreijähriges, gemeinsames Kind. Jennifer M. habe noch verzweifelt auf den Knien um Gnade gefleht.

Jahrelanges Warten auf das Urteil

Das Gerichtsverfahren war bereits vor drei Jahren abgeschlossen worden. Seitdem musste der Angeklagte aber jahrelang auf das Urteil warten! Das örtliche deutsche Konsulat hatte sich im Auftrag des Auswärtigen Amtes seit 2011 darum bemüht, Einfluss auf die Urteilsfindung zu nehmen, um ein Todesurteil zu verhindern.

Quelle: dpa, mg/bgland24

Quelle: BGland24.de

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