Kurzarbeit und weitere Hilfen vom Staat

Das musst du jetzt während der Coronakrise dazu wissen

Landkreis - Wegen der Coronakrise müssen immer mehr Menschen Leistungen der Jobcenter oder Arbeitsämter in Anspruch nehmen. Auch bei uns im Landkreis sind viele betroffen. Was man über Kurzarbeit und Arbeitsrechte wissen muss: 

Laut Arbeitsminister Heil gibt es deutschlandweit schon 76.700 Ankündigungen für Kurzarbeit von Firmen – darunter auch VW und Puma. Auch in unserer Region sind viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Was bedeutet das für Tausende, die jetzt statt Lohn Kurzarbeitergeld bekommen?


Infos über Kurzarbeitergeld und weitere Hilfen vom Staat

Nützliche Links zu Corona 

Mit der Zahlung von Kurzarbeitergeld (KUG) gleicht der Staat vorübergehend anteilmäßig den Gehaltsausfall von Arbeitnehmern aus, deren Unternehmen aufgrund einer wirtschaftlichen Schieflage Kurzarbeit angeordnet hat. Der Verdienstausfall soll so zumindest zum Teil ausgeglichen werden. Ziel ist, dass die Beschäftigten ihren Arbeitsplatz behalten bis die Krise vorbei ist. Außerdem hat der Staat weitere Möglichkeiten für Bedürftige und Familien mit geringem Einkommen geschaffen. Wir haben alle Infos im Folgenden für euch aufgeführt:

Welche Voraussetzungen für das Kurzarbeitergeld müssen erfüllt werden?

Anspruch auf KUG besteht, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben. Im Betrieb oder der Betriebsabteilung muss mindestens ein Arbeitnehmer beschäftigt sein. Die persönlichen Voraussetzungen sind eine versicherungspflichtige, ungekündigte Beschäftigung, die Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung aus zwingenden Gründen oder im Anschluss an eine Ausbildung.


Wie zeige ich den Arbeitsausfall an?

Die Anzeige des Arbeitsausfalls muss schriftlich bei der Agentur für Arbeit am Betriebssitz in dem Monat eingehen, in dem die Kurzarbeit beginnt. Mehr Informationen erhalten Sie im Video der Bundesagentur für Arbeit: So beantragen Sie Kurzarbeitergeld.

Man kann Kurzarbeitergeld auch online beantragen. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Beschäftigte in Kurzarbeit erhalten grundsätzlich 60 Prozent des während der Kurzarbeit ausgefallenen Netto-Gehalts. Lebt mindestens ein Kind mit im Haushalt, beträgt das Kurzarbeitergeld 67 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts. Über den Smart-Rechner könnt Ihr ausrechnen, wie viel Kurzarbeitergeld Ihr bekommt.

Man darf dazuverdienen

Beschäftigte in Kurzarbeit dürfen jetzt aber, anders als vorher, leichter mit einer anderen Tätigkeit Geld dazuverdienen – bis zu 100 Prozent des vorherigen Lohns, ohne dass das Kurzarbeitergeld gekürzt wird. Es gibt nämlich den Effekt, dass in einzelnen Bereichen tatsächlich kurzgearbeitet wird, weil die Aufträge weg sind, in anderen Bereichen werden dringend Leute gebraucht.

Wie lange kann Kurzarbeitergeld gezahlt werden?

Die maximale gesetzliche Bezugsdauer beträgt zwölf Monate. Achtung: Bei Unterbrechungen der Kurzarbeit von drei Monaten und länger muss Kurzarbeit wieder neu angezeigt werden.

Wer zahlt während Kurzarbeit die Sozialversicherungsbeiträge, etwa den Beitrag zur Krankenversicherung?

Wer zahlt während Kurzarbeit die Sozialversicherungsbeiträge?

Anfallende Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden werden zu 100 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit erstattet.

Müssen Arbeitnehmer das Kurzarbeitergeld selbst beantragen?

Weitere Infos von der Bundesagentur für Arbeit zum Kurzarbeitergeld gibt es hier.

Die klare Antwort ist: Nein. Sie können das gar nicht. Die Beantragung von Kurzarbeit ist Aufgabe des Unternehmens. Betriebe, die Kurzarbeitergeld beantragen möchten, müssen die Kurzarbeit zuvor bei der zuständigen Agentur für Arbeit anzeigen. Ob die Voraussetzungen für die Gewährung des Kurzarbeitergelds vorliegen, prüft die zuständige Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Gibt es besondere Regeln während der Corona-Pandemie?

Die Bundesregierung hat die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld in der Coronalkrise deutlich erleichtert. Für die Beantragung reicht es aus, wenn zehn Prozent der Beschäftigten eines Betriebes von Arbeitsausfall betroffen sind. Normalerweise muss mindestens ein Drittel der Beschäftigten betroffen sein.

Was ist mit Urlaub oder Resturlaub?

Aufgrund der aktuellen Coronavirus Pandemie verzichtet die Bundesagentur für Arbeit bis zum 31.12.2020 darauf, den Einsatz von Erholungsurlaub zur Vermeidung von Arbeitsausfällen zu verlangen. Das gilt allerdings nur für die Urlaubsansprüche für das laufende Kalenderjahr. Resturlaub soll wie gehabt nach Möglichkeit zur Vermeidung von Arbeitsausfällen eingesetzt werden.

Haben auch Zeitarbeiter und befristet Beschäftigte ein Anreicht auf Kurzarbeitergeld?

Ja, alle Regelungen des Kurzarbeitergeldes gelten auch für Beschäftigte in Zeitarbeit und befristet Beschäftigte.

Kann ich als Selbstständiger Kurzarbeitergeld beziehen?

Eine Absicherung von Selbstständigen ist möglich, wenn man von der Möglichkeit der Antragspflichtversicherung („freiwillige Weiterversicherung“) nach §28a SGBIII Gebrauch gemacht hat. In diesem Falle hat man Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Und wenn am Ende das Gehalt trotz Kurzarbeitergeld doch nicht reicht?

Die Bundesregierung will auch hier für Erleichterung sorgen. Ab dem 1. April soll die Vermögensprüfung für den Bezug des Arbeitslosengelds II (Hartz IV) für sechs Monate entfallen. Das bedeutet: deutlich weniger Bürokratie für die Empfänger und einen schnelleren Erhalt der Unterstützung. Die Ausgaben für Wohnung und Heizung werden außerdem in den ersten sechs Monaten des Leistungsbezugs in tatsächlicher Höhe anerkannt. Niemand soll wegen zu hoher Ausgaben für Wohnen in der Coronakrise umziehen müssen.

Gibt es zusätzliche Hilfen für Familien mit geringem Einkommen?

Um Eltern und ihre Kinder in der Corona-Zeit zu unterstützen, hat das Bundesfamilienministerium den Notfall-KiZ gestartet. Ab 1. April haben Familien mit kleinem Einkommen Anspruch auf zusätzlich 185 Euro pro Kind und Monat. Der „Notfall-KiZ“ ist ein Zuschlag zum Kindergeld und kann online beantragt werden. Ob und in welcher Höhe der monatliche Kinderzuschlag gezahlt wird, hängt vor allem vom eigenen Einkommen, den Wohnkosten, der Größe der Familie und dem Alter der Kinder ab.

Normales Arbeitsrecht gilt weiter

Viele Arbeitnehmer haben jetzt Angst, gekündigt zu werden. Trotz Corona gilt weiterhin aber das normale Arbeitsrecht – und damit auch beispielsweise normale Kündigungsfristen.

jb

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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