News-Ticker zur Corona-Pandemie

Fluchtartige Abreise aus Kroatien: Chaos an Grenze - „15 Stunden Warten im Auto“ dann „einfach durchgewunken“

Schon vor einer Woche gab es lange Staus bei der Einreise an der slowenisch-österreichischen Grenze am Karawankentunnel.
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Schon vor einer Woche (16. August) gab es lange Staus bei der Einreise an der slowenisch-österreichischen Grenze am Karawankentunnel.

Landkreis/Oberbayern - Das Coronavirus sorgt seit nunmehr sieben Monaten in der Region, in Deutschland und der Welt nach wie vor für Einschränkungen im öffentlichen Leben. Die Entwicklungen am Sonntag (23. August) im News-Ticker:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bislang infizierte Personen: Rosenheim 2951, Traunstein 1340, Berchtesgadener Land 380, Mühldorf 553, Altötting 674
  • Todesfälle: Rosenheim 222, Traunstein 88, Berchtesgadener Land 25, Mühldorf 27, Altötting 57
  • Mindestens 9269 Todesfälle in Deutschland (2632 in Bayern)
  • Maskenpflicht in Bayern in Geschäften und ÖPNV seit 27. April
  • Corona-Warn-App: www.corona-warn-app.de

Die Fallzahlen im Überblick:

Update, 17.23 Uhr - 15 Stunden an Grenze im Auto: Dann „einfach durchgewunken“

Urlauber haben fluchtartig Kroatien verlassen. Reisewarnungen von Deutschland, Österreich, Italien und Slowenien haben eine gigantische Rückreise-Welle ausgelöst. Doch an der Grenze zu Österreich ging dann in der Nacht auf Sonntag gar nichts mehr (siehe Update 10.17 Uhr). An der Grenze herrschte Chaos: Ein Reiserückkehrer berichtet von 15 Stunden Wartezeit vor der Grenze. Und danach wurde er gar nicht mehr kontrolliert - sondern „einfach durchgewunken“. Via Twitter machte der Urlauber seinem Ärger Luft.

In den frühen Morgenstunden hatten die Behörden in Kärnten entschieden, die scharfen Grenzkontrollen für Transitreisende zu lockern (siehe Update 11.59 Uhr). „Wegen Gefahr in Verzug“ hatte Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) nur noch stichprobenartige Kontrollen für Transitreisende angeordnet. Die Situation an der Grenze, allein die Hygienesituation sei untragbar gewesen, so ORF.at. Jedes Fahrzeug und Insasse - auch Transitverkehr - musste zuvor bei der Einreise registriert werden.

Update, 16.08 Uhr - Hochzeitsfeiern mit 100 und 160 Gästen: Schönster Tag des Jahres sorgt für viele Neuinfektionen

Nach einer Hochzeitsfeier im Kreis Groß-Gerau sind 33 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Personen hätten zum Teil selbstständig einen Test veranlasst, sagte Ute Kepper vom Kreisgesundheitsamt. „Die Testungen wurden in verschiedenen Testzentren oder auch beim Hausarzt durchgeführt. Deshalb dauert es auch unterschiedlich lang, bis die Ergebnisse eintreffen. Die positiven Ergebnisse werden uns umgehend gemeldet“, sagte Kepper. 

Das Brautpaar hatte nach Angaben des Kreises am 7. und 14. August in Kelsterbach zweimal gefeiert - einmal mit 100, einmal mit 160 Gästen. Dabei hätten ein oder mehrere Infizierte unwissentlich andere angesteckt.

Update, 13.11 Uhr - Polizei sprengt mehrere Partys in München

Am Wochenende von Freitag, 21.08.2020, auf Sonntag, 23.08.2020, kam es in München zu mehreren Polizeieinsätzen wegen Ruhestörung durch feiernde Personen:

Am Samstag, gegen 1 Uhr, teilten mehrere Passanten und Anwohner mit, dass am Gärtnerplatz mehrere hundert Menschen grölen, feiern und die Mindestabstände nicht einhalten. Daraufhin fuhren über zehn Streifen der Münchner Polizei zum Gärtnerplatz und konnten rund 300 Menschen antreffen. Diese wurden gezielt durch die Beamten angesprochen, woraufhin sich der Platz nach und nach leerte. Den Verbliebenen wurde ein Platzverweis erteilt.

Gegen 2.20 Uhr wurde eine lautstarke Party am Isarufer an der Brudermühlbrücke mitgeteilt. Dort stellten die Polizeistreifen rund 300 Personen fest, die lautstark Musik hörten und feierten. Die Beamten beendeten die Party, forderten die Personen zum Gehen auf und stellten die Personalien des Verantwortlichen fest.

Am Sonntag, 23.08.2020, gegen 3 Uhr, teilten Passanten und Anwohner über den Notruf der Polizei mit, dass sich noch mehrere Personen am Gärtnerplatz befinden und lautstark feiern. Durch Beamte der Münchner Polizei konnten dort rund 25 Personen als Teil einer größeren Gruppe ausgemacht werden, welche zunehmend aggressiv gegenüber anderen Feiernden und den eingesetzten Beamten wurden. Die Beamten trennten diese Gruppe von den anderen Feiernden, um anstehende körperliche Auseinandersetzungen zu verhindern.

Hierbei zeigten sich fünf Personen uneinsichtig und zunehmend aggressiv. Weil zu befürchten war, dass es zu weiteren Aggressionen kommt, sollten diese in Gewahrsam genommen werden. Es handelt sich um vier Männer mit Wohnsitz in München im Alter zwischen 23 und 35 Jahren, und einen 23-Jährigen mit Wohnsitz in Freising. Während vier von ihnen in der Haftanstalt des Polizeipräsidium München in Gewahrsam genommen wurden und am Morgen wieder entlassen wurden, beruhigte sich der 35- Jährige bereits während der Fahrt zur Polizeiinspektion 14 und konnte von dort aus entlassen werden. 

Update, 11.59 Uhr - Kroatien: Sorge im Tourismussektor wegen zunehmender Corona-Fälle

Die steigende Zahl von Corona-Infektionen in Kroatien trifft den dortigen Tourismussektor schwer. Ausländische Gäste fingen an, das Land zu verlassen oder ihre Reservierungen zu stornieren, berichtete der staatliche Rundfunk HRT am Samstag. Österreich, Italien und Slowenien haben Reisewarnungen für das gesamte Urlaubsland an der Adria verhängt, das Auswärtige Amt in Deutschland warnt vor Reisen in zwei Regionen. Touristen aus diesen vier Ländern machen das Gros der ausländischen Besucher in Kroatien aus. Am Samstag kündigte die Regierung neue Einschränkungen an, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

„Leider sehen wir, dass Gäste abreisen, vor allem aus Deutschland, Österreich, Slowenien und anderen Ländern, die uns auf eine rote Liste gesetzt haben“, sagte Filip Kulusic vom Tourismusunternehmen Croatian Adriatic International Club dem Sender. „Die Menschen gehen aus vielen Gründen - Familie, Politik, Arbeit“, sagte Kulusic weiter. „Letztendlich wollen sie zu Hause und sicher sein.“ Zu den neuen Restriktionen, die von Montag an für zunächst 14 Tage gelten sollen, gehören unter anderem diese: In Cafés und Bars sind Gäste nur noch in Außenbereichen zugelassen, an Beerdigungen und Hochzeiten dürfen maximal 50 Menschen teilnehmen und bei privaten Feiern nicht mehr als 20 Menschen.

In Deutschland bedeutet die Einstufung als Risikogebiet, dass für heimkehrende Urlauber eine Testpflicht auf das Coronavirus greift. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie sich in häusliche Quarantäne begeben. Kroatien hatte zuletzt einen steilen Neuanstieg an Corona-Fällen registriert. Am Samstag meldeten die Behörden einen Rekordwert von 306 Fällen innerhalb der vorangegangenen 24 Stunden sowie einen Todesfall. Damit gibt es in dem Land mit etwa 4,19 Millionen Einwohnern demnach nun 2052 aktive Fälle.

Update, 10.17 Uhr - Corona-Kontrollen in Österreich: Massiver Stau an slowenischer Grenze

Wegen verschärfter Corona-Grenzkontrollen in Österreich sind Reisende mehr als 12 Stunden in Slowenien festgesteckt. Vor dem Karawanken-Tunnel kam es nach Angaben slowenischer Medien in der Nacht auf Sonntag zu einem Stau von bis zu zwölf Kilometern Länge. Betroffen waren auch viele deutsche Urlauber auf der Rückreise von Kroatien.

Österreich verschärfte am Samstag wegen der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Kroatien die Grenzkontrollen. Nun mussten nicht nur Einreisende einen negativen Test vorweisen oder sich in Quarantäne begeben. Alle Durchreisenden, die in Kroatien waren, müssen ein Formular ausfüllen und sich registrieren.

Nach Angaben von Reisenden vor Ort begannen österreichische Beamte am Sonntagmorgen, Fahrzeuge durchzuwinken. Die Autoschlange vor der Grenze verkürzte sich auf acht Kilometer und sechs Stunden Wartezeit, berichtete der slowenische Sender RTVSlo.

Ein bayerischer Autofahrer berichtete, er sei am Samstag gegen 17:30 in den Stau geraten und habe erst am Sonntag um 7.30 die Grenze passiert. Er habe sich vor seiner Rückreise aus Kroatien im Internet über neue Reiseformalitäten informiert. „Wir haben das nirgends gesehen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur .Für die Wartenden gab indes keine Versorgung und zeitweise sei die Stimmung aggressiv gewesen, berichteten er und eine weitere Reisende.

Update, 8.46 Uhr - 782 registrierte Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Erwartungsgemäß hat das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntag vergleichsweise wenig neue Corona-Infektionen gemeldet. Nach Angaben vom frühen Sonntagmorgen hatten die Gesundheitsämter binnen 24 Stunden 782 Fälle an das RKI übermittelt. An Sonntagen – und auch Montagen – sind die gemeldeten Fallzahlen erfahrungsgemäß oft niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. An den Tagen zuvor hatte die tägliche Zahl der Neuinfektionen noch weit höher gelegen. Am Samstag war mit 2034 neuen Fällen erstmals seit Ende April die 2000er-Marke überschritten worden.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 232.864 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Sonntagmorgen im Internet meldete (Datenstand 23.8., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9269. Seit dem Vortag wurden zwei Todesfälle mehr gemeldet. Bis Sonntagmorgen hatten etwa 207.100 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Samstag bei 1,13 (Vortag: 1,02). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Steigende Corona-Zahlen - Bayern schließt neue Auflagen nicht aus

Angesichts wieder steigender Corona-Infektionen schließt Bayern eine Verschärfung der Schutzauflagen auch für private Feiern nicht aus. „Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen – steigende Infektionszahlen und neue Gefahrenherde - sehr genau und mit Sorge“, sagte der für die Koordinierung der Corona-Maßnahmen zuständige Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Derzeit könne das Gesundheitssystem mit den Infektionen gut umgehen. Die Corona-Krise sei „ein dynamischer Prozess, bei dem wir immer wieder nachsteuern müssen. Wir werden auch in Zukunft die Maßnahmen treffen, die zum Schutz unserer Bevölkerung erforderlich sind.“

Am kommenden Donnerstag wollen sich die Ministerpräsidenten der Länder in einer Videokonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über die aktuelle Lage austauschen. Dabei dürfte es auch um die Frage gehen, ob es eine Personen-Obergrenze für private Feiern geben muss. Neben Urlaubsrückkehrern sind sorglose Feiern derzeit eine Ursache, weshalb die Zahlen in ganz Deutschland wieder hochgehen.

Im Moment gelten in Bayern für private Veranstaltungen wie Geburtstage, Beerdigungen und Hochzeiten Obergrenzen von bis zu 100 Personen in geschlossenen Räumen und 200 Personen bei entsprechenden Hygieneauflagen unter freiem Himmel. In der Praxis lässt sich dies aber meist nicht oder kaum kontrollieren. So mussten jüngst etwa wegen eines mit Corona infizierten Partybesuchers in der Oberpfalz 114 Personen in Quarantäne und auf eine Ansteckung getestet werden.

mh/mz/dpa

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