Landesamt für Gesundheit informiert über Coronavirus in Bayern

Coronavirus: So lange soll es bis zum richtigen Impfstoff noch dauern

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links:  Dr. Martin Hoch, Leiter der Spezialeinheit Infektologie a. LGL, in der Mitte:  Dr. Andreas Zapf, Präsident des LGL

Oberschleißheim - Das Bayerische Landesamt für Lebensmittelsicherheit informierte am Mittwoch, den 4. März in einer Pressekonferenz über die aktuellen Geschehnisse in Sachen Coronavirus. rosenheim24.de war vor Ort.

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veranstaltete am 4. März um 12.30 Uhr ein Mediengespräch zum neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19). Dr. Andreas Zapf, Präsident des LGL, Dr. Martin Hoch, Leiter der Spezialeinheit Infektologie und Dr. Nikolaus Ackermann, Sachbereichsleiter Virologie informierten über den aktuellen Stand zum Coronavirus-Geschehen in Bayern. 


Impfstoff in einem Jahr

Virologe Dr. Ackermann rechnet damit, dass ein Impfstoff gegen das Coronavirus im nächsten Jahr um diese Zeit vorliegt. "Es ist auf jeden Fall möglich, einen Impfstoff zu entwickeln, aber er muss die verschiedenen Stadien der klinischen Entwicklung durchlaufen", sagte der Experte am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Mittwoch in Oberschleißheim.


Der Impfstoff müsse vollkommen neu entwickelt werden. Anders als beispielsweise bei der Influenza. Dazu seien sämtliche Schritte vom Tierversuch über die Anwendung bei Einzelpersonen bis zu größeren Patientengruppen nötig. Damit dauere die Entwicklung bis zur Zulassung ungefähr ein Jahr.

Derzeit forschen an der Entwicklung des Impfstoffes universitäre Einrichtungen gemeinsam mit der Pharmaindustrie, sagte der Leiter des humanvirologischen Labors am LGL. Am LGL selbst wird nicht an einem Impfstoff gearbeitet.

Das Virus sei schon lange bekannt, seit den 60er Jahren. Beim Coronavirus handle es sich aber um eine neuartige Version. Einen Impfstoff zu entwickeln sei aber auf jeden Fall möglich, so der Virologe.

Hunderte Menschen in häuslicher Quarantäne

In Bayern sind derzeit Hunderte Menschen als Kontaktpersonen von Corona-Patienten in häuslicher Quarantäne. Eine genaue Zahl könne derzeit nicht genannt werden, sagte Dr. Andreas Zapf bei der Pressekonferenz. Denn die Fälle „purzeln“. Seit vergangenem Donnerstag gab es 37 neue Fälle. Offen blieb, wie viele der Infizierten nicht stationär im Krankenhaus, sondern zu Hause sind.

In Bayern können derzeit täglich rund 2.500 Menschen auf das Coronavirus getestet werden. Die Testkapazität werde voraussichtlich weiter ausgebaut, sagte Zapf. Allein 160 Tests täglich sind am LGL möglich. Dort arbeite man „am Anschlag“.

Behandlung zuhause?

Zapf betonte, dass man die Infektionszahlen und Todesfälle erfasst habe. Diese sei niedriger als beim SARS-Ausbruch. Man wisse jetzt dass 80 Prozent der Krankheitsverläufe mild seien. Die Letalität liege bei etwa einem bis zwei Prozent, Tendenz sinkend. Nur vor diesem Hintergrund könne man überlegen, ob man manche Patienten zuhause behandle.

Ausbreitung von Corona in Bayern verlangsamt

Die genaue Nachverfolgung der Ansteckungswege und der Kontaktpersonen von Corona-Patienten habe in Bayern die Ausbreitung erfolgreich verlangsamt. Im Fall des Autozulieferers Webasto in Stockdorf sei es unter anderem mit Quarantänemaßnahmen gelungen, die Infektionskette bei der Firma ganz abzubrechen, sagte Zapf. 

Dort war der bundesweit erste Corona-Fall festgestellt worden. Eine chinesische Kollegin hatte den Mann im Januar bei einem Arbeitsbesuch angesteckt. Insgesamt gab es im Zusammenhang mit Webasto 14 Corona-Patienten, die aber alle wieder gesund sind.

Wenn positiv getestet wurde

In positiv getesteten Corona-Fällen werden die Patienten isoliert, anschließend werden sehr schnell die Kontaktpersonen der Patienten ermittelt, auch durch die Gesundheitsämter, so Dr. Martin Hoch, Leiter der Spezialeinheit Infektologie.

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Augenmerk werde dabei auch besonders auf Kindereinrichtungen, Krankenhäuser und internationale Kontakte gelegt. Positiv erwähnt Hoch die Maßnahmen, die in den Coronafällen bei Webasto zu einer Einschränkung der Fälle führte. Gute Hygiene, Husten- und Nießetikette gelten besonders verschärft.Älteren Menschen empfiehlt er, zu überdenken Kurse und Menschenansammlungen zu meiden. Meetings reduzieren, Homeoffice und Ähnliches seien ebenfalls sinnvolle Maßnahmen.

Erste Corona-Konsequenzen in der Region

Der neue Coronavirus aus China breitet sich in Deutschland und auch in Bayern aus. Arbeitgeber in betroffenen Regionen ziehen schon erste Konsequenzen. Einige Veranstalter sagen erste Events ab . Bisher gibt es über 3.000 Todesopfer weltweit. Das Gesundheitsministerium bestätigt 22 neue Fälle in Bayern seit 27. Februar, allein 13 am 2. März.

jb

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